Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Das Salzburger Trio Manchester Snow spielt zum ersten Mal in der Schweiz und wurden direkt von Negative White für ein Interview abgeholt. Sie erzählen über ihr neues Album, ihre Erfahrungen und ihre Zukunftspläne.

Manchester Snow (Foto: Sacha Saxer)

Manchester Snow (Foto: Sacha Saxer)

Mit leicht verwuschelten Haaren und gut gelaunt tauchen die drei Jungs aus Linz direkt nach ihrem Interview bei joiz bei uns auf. Die Standardfragen sind also schon abgehakt und im Gespräch erzählen sie uns nun noch etwas detaillierter, woher ihre Musik kommt, was sie ausmacht und was die Zukunftspläne und Träume sind. Eines steht fest, den Jungs geht’s vor allem darum, eine gute Zeit zu haben, Erfahrungen zu sammeln und ihrer Leidenschaft, dem Musikmachen nachzukommen. Niki (Songwriter und Schlagzeuger), Rupi (Sänger und Gitarrist) und Marvin (Bassist) machen es sich gemütlich und beantworten geduldig die vielen Fragen.

Standardfrage vorweg: Erstes Mal in der Schweiz?

Rupi: Jap.

Niki: Ich hab noch einen entfernten Teil Verwandtschaft hier, aber das ist unser erster Aufritt in der Schweiz.

Marvin: Ich war schon ab und an privat hier, hab noch einen Halbonkel und eine Halbtante in der Schweiz. Es ist zwar unser erster Aufritt hier, aber die Schweiz war mir schon immer sehr sympathisch und wunderschön.

Apropos Auftritt, könnt ihr euch noch an euren ersten Auftritt erinnern?

Rupi: Also angefangen Musik zu machen hab ich schon mit elf, der erste Auftritt damals war dann beim Red Bull-Bandwagen, mit 17 oder so.

Niki: Stimmt nicht, wir waren so 15, 16 und damals ist unser alter Gitarrist/Bassist kurzfristig abgesprungen. Da mussten wir bei Marvin anklopfen und ins Boot holen. Wir haben uns dann das Wochenende davor im Bandraum eingeschlossen und so lange geübt, bis es einigermassen gut klang und sind dann damit aufgetreten.

Marvin: Ja, und dann haben wir gemerkt, dass meine Finger zu dick für die Gitarre waren.

Rupi: Deswegen habe ich die dann übernommen und Marvin spielt Bass.

Und danach habt ihr richtig Gas gegeben…

Niki: Ja, wir haben 2013 unsere erste EP inklusive Video – Forrest Lane – gemacht, welche dann im Januar erschien und im März darauf haben wir den «Austrian Newcomer Award» bekommen im Posthof in Linz.

Rupi: Ich erinnere mich noch, wie Niki angerufen und es ihm gesagt wurde. Wir wussten zu dem Zeitpunkt noch von nichts und er kam dann einfach nur grinsend zurück und hat kein Wort gesagt. Für Marv und mich war es voll die geniale Überraschung.

Marvin nickt nur zustimmend.

Und jetzt mit neuem Album in der Schweiz!

Rupi: Endlich!

Marvin: Endlich ist es fertig, wurde echt langsam Zeit, wir arbeiten schon seit über zwei Jahren daran.

Niki: Ja, die ersten Texte entstanden schon 2013. Seit 2014 waren wir im Studio.

Zufrieden mit dem Ergebnis?

Marvin: Ja.

Rupi: Ja, es ist perfekt!

Niki: Perfekt würde ich nicht sagen, es gefällt uns gerade sehr und wir sind glücklich, dass es endlich geschafft ist. Jedoch werde ich vermutlich niemals behaupten, dass ein Album perfekt sei. Man kann immer noch irgendetwas besser machen.

Rupi: Na ja, klar kann man immer noch etwas verbessern, aber dann würde es ja nie erscheinen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Vor allem, wenn man bedenkt, wie wenig Erfahrung wir eigentlich noch haben und dieses Gefühl, dass es jetzt endlich erscheinen wird: einfach prächtig!

Habt ihr denn einen Lieblingssong vom neuen Album?

Die ganze Runde überlegt. Eine schwierige Frage, natürlich gefallen den Jungs all ihre Songs gut und sie betonen, dass vor allem die Mischung und der Verlauf der Songs das Album so ausmachen. Da ich sie dazu dränge, sich jedoch für einen Song zu entscheiden, bleibt ihnen keine Wahl.

Rupi: Mir gefällt Stranger, wegen dem Video, das wir dazu gedreht haben, und weil er mir emotional so nahe geht und viel bedeutet.

Niki: Wenn ich mich entscheiden muss, dann sag ich Anchor, da ich da selbst singe und er am Ende das Albums das ganze Album nochmal aufpeppt und gleichzeitig gut abrundet.

Marvin: Ja super, dann muss ich ja jetzt irgendwas anderes sagen…

Niki & Rupi: Nein, sag einfach, welcher Song dir am besten gefällt.

Marvin: Na gut, dann sag ich auch Anchor. Einfach weil der Song als letztes fertig war und ganz anders erstellt wurde, wie der Rest. Wir haben erst Mal das Schlagzeug eingespielt und dann den Rest darum gebaut.

Was unterscheidet euch eigentlich von anderen Indie-Rock Bands?

Niki: Das ist schwierig zu sagen, vermutlich unterscheidet uns vor allem, dass wir einfach so sind, wie wir eben sind. Bodenständig und simpel.

Rupi: Und dass wir nach den Konzerten meistens nicht in einem Hotel übernachten, sondern irgendwo am Konzertort oder so…

Niki: Das liegt einfach daran, dass wir davon noch nicht leben können. Das ändert sich dann vielleicht, wenn uns ein Booking Manager unter Vertrag nimmt. Ah nein, das müsste ich anders formulieren: Wir wären noch offen für Anfragen, falls ein Booking Manager Interesse hätte…

Die ganze Band lacht.

Marvin: Ja, wir sind halt wie wir sind. Es ist nichts aufgesetzt oder gespielt.

Nach euren Studio- und Liveerfahrungen, was macht ihr lieber? Album aufnehmen oder live spielen?

Alle: Live!

Niki: Wir sind definitiv eine Liveband. Klar war die Studioerfahrung gut und es hat sich sehr gelohnt, aber es ist einfach etwas anderes live zu spielen, da stört’s niemanden, wenn man mal einen Ton nicht trifft.

Rupi: Ich find live auch besser, aber vor allem, weil dann einfach alles sitzen muss. Man hat nur einen Versuch, das Publikum zu überzeugen, und muss nicht alles immer und immer wieder aufnehmen.

Marvin: Live ist einfach ein viel besseres Gefühl.

Wieso schreibt ihr eure Texte eigentlich auf Englisch und nicht auf Deutsch?

Niki: Gegenfrage: Möchtest du eine Band, die sich Manchester Snow nennt, hören, wenn ihre Texte auf Deutsch sind?

Rupi: Wir habens versucht auf Deutsch, ganz früher. Aber das klingt einfach nicht gut und passt nicht zu uns.

Marvin: Das Image soll eben nicht «Austria Pop» sein, sondern Indie-Rock.

Niki: Zudem ist Deutsch so eine harte Sprache. Die englischen Texte sind einfach viel melodischer.

Rupi: Und auf Deutsch müssten wir noch viel raffiniertere Texte schreiben um uns abzuheben.

Wie siehts eigentlich aus mit Merch?

Niki: Ja, wir haben einiges mit dabei! Wir lassen ja auch drei CDs bei euch zum Verlosen.

Rupi: Wir verkaufen den Merch an den Konzerten jeweils nach dem Auftritt noch selber. Natürlich machen wir damit nicht so ein Umsatz wie Dame, der deutsche Rapper, der beim gleichen Label unter Vertrag steht, aber erstens sind wir noch lange nicht so berühmt und zweitens wird an einem Indie-Rock-Konzert einfach nicht so viel Merch wie an einem Hip-Hop-Konzert gekauft.

Wenn ihr euch eine Band aussuchen könntet, mit der ihr mal live auf der Bühne stehen könntet, welche wäre das?

Rupi: Two Door Cinema Club.

Niki: Am lustigsten ist es eh mit einer befreundeten Band. Aber wenn ich aus allen Bands jetzt wählen müsste, würd ich gerne mal mit Bon Iver auftreten.

Marvin: Es passt vollkommen nicht zum Genre, aber ich würd’s feiern mit den Foo Fighters mal auf der Bühne zu stehen. Auch wenn wir dann musikalisch gesehen wohl vollkommen untergehen würden.

Wie sieht’s aus mit Festivals?

Niki: Selber besuchen vermutlich schon, aber auftreten leider nicht.

Rupi: Wieder das gleiche Problem: Du musst die Veranstalter kennen oder über eine Booking Agentur reinkommen, sonst wird’s sehr schwierig. Wir würden gerne, aber na ja…

Marvin: Wir sind aber auch so sehr gut ausgelastet.

Niki: Ja stimmt, wir treten fast jedes Wochenende – oder sagen wir zumindest jedes zweite Wochenende – irgendwo live auf.

Marvin: Wir waren aber schon an einem Festival! Donauinsel, in Wien.

Niki: Ja stimmt, da waren drei Millionen Besucher insgesamt, das war schon cool.

Rupi: Marvin musste deshalb sogar seine Ferien früher abbrechen.

Ferien?

Marvin: Ich war einen Monat in Sri Lanka und danach einen Monat in Thailand.

Rupi: Ich war letztens in Berlin. Habe mich für eine Universität beworben.

Niki: Bei mir reicht’s momentan finanziell nur mal ein verlängertes Wochenende irgendwo hin zu fahren oder jetzt hier für den Auftritt in die Schweiz. Ansonsten sind Ferien leider kein grosses Thema.

Berlin? Wie, Wo, Was? Und wie beeinflusst das eure Zukunftspläne?

Rupi: Ja, ich habe mich an der Universität «British and Irish Modern Music Institute» beworben…

In dem Moment vibriert sein Tablet.

Rupi: Oh, schon fünf Likes und eine neue Mail… Ich wurd‘ angenommen!

Alle gratulieren herzlich.

Rupi: Zurück zum Thema. Falls das denn nun wirklich klappen sollte, ich brauch ja auch noch ein Zimmer und alles in Berlin, dann wird Manchester Snow trotzdem weiter bestehen. Die Uni ist auf praktizierende Musiker ausgelegt, das heisst, man kann sich den Lernstoff sehr gut einteilen. Das erlaubt mir flexibel zu bleiben.

Niki: Ja, wir, also Marvin und ich, bleiben vorerst in Österreich. Ich studiere ja auch noch dort. Auch werden wir weiterhin zusammen Musik machen, Rupi bleibt flexibel und der Bandtreffpunkt wird weiterhin in Salzburg bleiben.

Marvin: Ansonsten starten wir einfach wieder eine Hüttenaktion.

Hüttenaktion?

Niki: Wir haben uns letztens ausserhalb von Salzburg in einer Hütte eingesperrt. Ein komplettes Wochenende lang und haben an neuen Songs gebastelt. Man plant ja schon für das nächste Album.

Marvin: Das neu erschienene Album ist für uns ja fast schon alt, da wir schon seit zwei Jahren daran herumschreiben, da tut es gut neuen Ideen nachgehen zu können.

Klingt nach guten Zukunftsplänen. Wie sieht’s kurzfristiger aus? Seht ihr noch ein bisschen was von der Schweiz?

Alle: Ja, hoffentlich! Zumindest eine kleine Tour durch Zürich ist schon geplant.

Dann ganz viel Spass! Habt ihr noch ein paar letzte Worte?

Niki: Danke für das interessante Interview.

Rupi: Wir haben die Schweiz lieb.

Marvin: Uns gibt’s auf Facebook und auf Youtube zu finden.

Alle: «Uf wiederluege!»