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Die amerikanische Punkband The Used sind richtige Revolutionäre. Sie machen Musik nicht nur zum Spass: Sie wollen aufrütteln, inspirieren und den Leuten zeigen, dass es cool ist, sich für gesellschaftliche und globalpolitische Themen zu interessieren. Am Greenfield fand Sänger Bert McCracken Zeit, um über das neue Album «Imaginary Enemy» und über die Schweizer Berge zu plaudern.

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Bert McCracken von The Used live am Greenfield Festival 2014. (Foto: Sacha Saxer)

Das neue Album Imaginary Enemy wurde als erste Platte unter dem bandeigenen Record Label GAS Union veröffentlicht. Dieses junge Label wurde erst im Frühling aus der Taufe gehoben und ist nicht etwa als Nebenbeiprodukt der Musik entstanden, sondern wurde aus besonderen Gründen geplant. GAS Union soll die Musikindustrie revolutionieren. Denn es soll ein freies Label sein, mit dem die Künstler wieder Geld verdienen.

Bert, wie kam es dazu, dieses Label aufzubauen?

Bert McCracken: Ich denke, jede Band sollte neue Wege nutzen können, ihre Musik zu vertreiben. Es braucht eigentlich keine Major Labels oder Indie Labels mehr. Künstler verdienen es, zuallererst bezahlt zu werden für das, was sie tun. Und wir trotzen mit dem Label diesem verkehrten Wirtschaftsmodell, in dem ein paar wenige Reiche alles Geld verdienen und den eh schon Armen ein paar Pennys ins Gesicht werfen. Wir versuchen, jede Art von Ungerechtigkeit so zu bekämpfen.

Der Name sagt es auch, GAS steht für „give a shit“. Worauf genau?

Auf alles. Ich denke, es ist die Pflicht des Punk Rocks, Ungerechtigkeiten überall auf der Welt anzusprechen. Wo auch immer Entmenschlichung oder Unterdrückung herrscht.

Gilt diese Ideologie auch für euer neustes Album Imaginary Enemy?

100 Prozent. Wir möchten die Leute inspirieren, sich zu informieren, was in der Welt geschieht.

Habt ihr dazu Rückmeldungen von Fans erhalten, die sich durch das Album dazu inspiriert fühlten?

Ja, die Rückmeldungen waren bisher überwältigend! Es wird langsam cool, informiert zu sein und zu wissen was auf der Welt passiert. Es gibt so viel Korruption überall. Besonders ganz oben in der Hierarchie bei Präsidenten, Ministern, Diktatoren. Wir sprechen uns gegen Autorität aus, wo immer wir können.

Das neue Album wird oft als eure poppigste Platte bezeichnet…

Ich mag es, die Dinge einfach zu halten. Eine eingängige Melodie kann Bände sprechen für die eigentliche Botschaft der Musik. Ich komme aus der Popmusik, ich mag die Jackson Five, die Beatles und Mariah Carey – also ich mag eine gute, poppige und eingängige Melodie. Aber gleichzeitig ist da die härtere Seite, die sich auf die echte Botschaft konzentriert.

Ihr habt jedoch dieses Mal beim Songwritingprozess anders gearbeitet als sonst. Ihr habt erst den Gesang aufgenommen und dann den Rest.

Ja, wir haben die Musik um die Botschaft herum geschrieben. Es ist dadurch selbstloser geworden. Es geht viel weniger um uns und mehr um alle anderen. Das ist ein anderer Prozess als bei den Alben davor, bei denen wir als Band zusammenkamen und jammten. Dies war nun ein experimentellerer Weg.

Gibt es bei euch trotzdem noch traditionelle Bandraum-Proben?

Ja, vor allem vor Konzerten proben wir so vier, fünf Tage im Bandraum.

Auch euer Herz-Logo hat sich verändert. Warum?

Ich denke, es ist ein schönes Sinnbild dafür, wo die Band herkommt und wo sie nun steht. Es ist auch ein Symbol für persönliche Freiheit. Als Menschen haben wir täglich zu kämpfen. Sei es mit Herzschmerz, Verlust oder Tod. Es ist für die Menschen – und vor allem für mich – wichtig zu wissen, dass es einen Ort gibt, an den man gehen kann und an dem man sich nicht alleine fühlt.

Deshalb wurde aus der symbolischen Herzform ein realistisches Herz?

Das neue Album wirft definitiv einen realistischeren Blick auf die Welt. Wenn du ein Problem ansprichst, musst du es auch fixieren und festhalten können. Wir versuchen, hinter das Problem zu schauen, das wir ansprechen.

Ihr spielt nebst einigen Festivalshows einige Gigs in Australien. Du bist aus den USA dorthin ausgewandert (wegen seiner australischen Frau, Anm. d. Red.). Wie gefällt es dir?

Es ist wunderbar dort, ich liebe es. Die Australier haben fast einen europäischen Lebensstil. Weisst du, die haben soziale Gesundheitssysteme, die sogar gratis sind. Die Leute kümmern sich viel mehr. Es gibt weniger Kriminalität, weniger Gewalt und keine Waffen.

Also viele Dinge, die die Amerikaner noch von den Australiern lernen können?

Ich denke schon… Wenn sie mal etwas offener wären.

Kommen wir auf’s Greenfield Festival zu sprechen – ihr spielt nicht zum ersten Mal hier, warum kommt ihr gerne zurück?

Es ist wunderschön hier! Ich meine – schau dich mal um, es ist der allerschönste Ort, um eine Show zu spielen! Es ist zwar etwas heiss heute, aber es lohnt sich. Wir kommen aus Utah und sind uns Berge eigentlich gewohnt, aber die Schweizer Alpen sind einfach die allerschönsten Berge auf der Welt.

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The Used am Greenfield Festival 2014 (Foto: Sacha Saxer)