Am 15. September erscheint die neue Platte der Foo Fighters «Concrete and Gold». Für ihr neuntes Studioalbum haben sie sich erneut auf ein gewagtes Unterfangen eingelassen.

«I don’t wanna be king. I just wanna sing a lovesong», besingt Dave Grohl mit lieblich-zarter Stimme die ersten Töne der neuen Foo Fighters-Platte. In der Tat klingen die ersten Sätze des Tracks T-Shirt schon fast zu nett. Doch wenig Sekunde später die theatralische Wendung, die alle Zweifel verschwinden lässt: Ja, das sind die Foo Fighters, wie man sie kennt. Wie man sie liebt oder hasst.

Concrete and Gold ist das neunte Studioalbum der Rockgiganten, entstanden in einem Tonstudio und nicht wie die Vorgänger in Grohls Garage oder in verschiedenen Städten der Staaten. Fast schon langweilig, könnten sich die Kenner der Band rund um den früheren Nirvana-Drummer denken. Denn die Foo Fighters sind bekannt für ungewöhnliche Ideen. Sie drehen gerne verrückte Videos wie für die erste Single Run oder veröffentlichen kostenlose EPs wie Saint Cecilia (2015).

Doch was macht die neue Platte so ungewöhnlich? Vorneweg: Der gängige Foo-Sound ist geblieben. Grungige Gitarrenriffe gepaart mit Daves kräftigen Stimme sind auch auf dem neusten Werk zur Genüge zu hören. Run wird ebenso schnell zum Ohrwurm wie der Song The Sky Is A Neighborhood. Ein Händchen für Hits hat Dave Grohl, das hat er in den letzten Jahrzehnten bewiesen.

Und doch holte sich der 48-Jährige Unterstützung eines Starproduzenten: Greg Kurstin. Bekannt wurde dieser durch seine Arbeit mit Superstars wie Adele, P!nk oder Sia. Moment: Die Foo Fighters produzierten mit einem Pop-Produzenten? Einer, der sich zuvor noch nie an eine grosse Rock-Produktion herangetraut hatte? Ja, das taten sie – und das sehr bewusst. Denn auch für amerikanische Rockband war es eine neue Erfahrung, ein neues Risiko. Vor allem aber war es für die Foo Fighters eine weitere Möglichkeit, sich ihren verrückten, musikalischen Eingebungen hinzugeben und neue Inspirationen zu sammeln. Denn Grohls «Mission Statement» war von Anfang an klar: «Ich wollte das Foo Fighters-Album mit dem fettesten Sound aller Zeiten machen. Eine gigantische Rock-Platte, aber mit einem Greg-Kurstin-esken Feeling für Melodie und Arrangement… eine Motörhead-Version von Sgt. Pepper… oder so etwas in der Art.»

So schrieb Dave Grohl in gewohnter Manier einige Tracks, die er seinen Bandkollegen zukommen liess mit den im Rolling Stone zitierten Worten: «Ist das ein neues Album oder bin ich verrückt?». «Beides», antworteten sie. Kurze Zeit später entstanden elf Songs und eine Platte, auf die Dave Grohl und seine Männer lange gewartet «Es sind 22 Jahre vergangen, es ist Zeit, sich zu verändern», begründet der Frontmann gegenüber The Straits Times die Produzentenwahl.

Ein Popalbum ist es dennoch nicht geworden – ganz im Gegenteil. Mit Titeln wie Make It Right und La Dee Da lösen die Foo Fighters auch die letzten Vorurteile auf. Ruhiger wirds bei Songs wie Happy Ever After (Zero Hour) und Dirty Water, wobei die Band bei letzterem Track nach 2:40 Minuten noch einmal kräftig an Tempo anzieht.

Der Titelsong des Albums ist gleichzeitig der Letzte auf der Platte, wobei dieser laut Grohl als zusammenfassendes Resultat aller elf Songs stehen soll. Er wirkt etwas schwer und düster und hebt sich damit klar von den anderen ab. 

Doch was wäre ein Foo Fighters-Album ohne namhafte Gäste, die dem Ganzen einen kleinen Wow-Effekt verpassen: So ist unter anderem Paul McCartney am Schlagzeug zu hören, Alison Mosshart von The Kills unterstützt Grohl am Mikro bei La Dee Da, ebenso sind Inara George von The Bird and the Bee sowie Shawn Stockman von Boyz II Men zu hören. Gegenüber dem Rolling Stone liess Grohl zudem verlauten, dass Popstar Justin Timberlake um einen Gesangspart gebeten hatte. Dieser bestehe allerdings einzig aus «la la la’s» in einem Refrain.

Den Foo Fighters reicht all das aber noch nicht aus. Nein, sie stellen kurz nach Veröffentlichung des Albums auch gleich noch ein Festival namens «Cal Jam 17» in San Bernardino auf die Beine. Geplant ist am 7. Oktober ein riesiges Musikfest mit namhaften Rockgrössen wie Queens of the Stone Age, Cage The Elephant, Liam Gallagher, The Kills, Royal Blood, Japandroids, Wolf Alice und zahlreichen weiteren Acts. 

Die Foo Fighters – wohl doch mehr Könige als «nur» ein paar Musiker, die Liebeslieder spielen.

Concrete and Gold

4
/5
15. September 2017

Release

RCA Int. (Sony Music)

Label

Tracklist

  1. T-Shirt
  2. Run
  3. Make It Right
  4. The Sky Is a Neighborhood
  5. La Dee Da
  6. Dirty Water
  7. Arrows
  8. Happy Ever After (Zero Hour)
  9. Sunday Rain
  10. The Line
  11. Concrete and Gold