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Die Powerfrau aus England kann singen und wirkt dazu angenehm witzig und intelligent. Und eine unspektakuläre Show ändert nichts daran, dass Ellie Goulding eine der grossen Stimmen ihrer Generation ist; ohne viel Glamour und Gekünsteltem schafft sie es, dass man die Songs noch tagelang vor sich hin summt. Ein Bericht über neue Hoffnung für den Pop.

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Ist Ellie Goulding die neue Hoffnung des Pop? (Foto: Matt Hoffmann)

 

Das erste, was einem auffällt, als man die ausverkaufte Maag-Halle betritt: der Bubikopf ist hier nicht angesagt. Die Hälfte der Frauen trägt exakt dieselbe Frisur wie Ellie Goulding, ein weiterer Viertel präsentiert zumindest auch langes, wallendes Haar. Dass das Publikum hiermit das Spiegelbild des Künstlers darstellen könnte, liegt nahe: Ellie Goulding war von Anfang an eine Ausnahme. Die gute Tradition des sich mit unbeachteten Auftritten in Pubs Hocharbeiten hat die 27-Jährige aufrechterhalten,  die Bescheidenheit und der bestehende Fokus auf weitere Projekte nach jedem Erfolg zeichnen sie aus. Ausserdem zeigen Songs wie das Cover der Waterboys oder die Tatsache, dass andere Künstler wie Gabriella Cilmi mit Songs aufwarten, die aus Gouldings Feder stammen, dass es sich bei der Blondine um eine echte Künstlerin handelt. Und das allein macht sie unabdingbar für den englischen Pop.

Beherrschte Extase

Eingesungen wird der Abend von Chlöe Howl, die einen davon überzeugt, dass man nächstes Mal vielleicht tatsächlich ihretwegen das Ticket berappt: mit einer aussergewöhnlich präzisen und für die Volumen-Verhältnisse der Maag-Halle unglaublich starken Stimme (Nomen est Omen trifft zum Glück nicht zu auf die noch nicht einmal Zwanzigjährige) packt die Sängerin das Publikum. Auch passt sie musikalisch perfekt ins Programm, was sich für sie und ihren nächsten Schweiz-Aufenthalt auszahlen wird; sie wurde von den richtigen Leuten gehört.

Eine volle Halle und eine kleine Sängerin

Für die 1.63 grosse Reporterin ist es durchaus keine Erleichterung, dass der Main-Act auch nicht viel grösser ist; wer bei so vielen Zuschauern etwas von der kleinen Powerfrau sehen will, sollte sich in der Nähe der Technik-Insel tummeln, um hie und da durch illegales Halb-Erklettern der Absperrung einen Blick zu erhaschen (was dann schliesslich auch so viele taten, dass es kaum mehr etwas Verbotenes an sich hatte). Doch Ellie ist gnädig und hopst auf der Bühne herum, sodass man ab und zu auch unter den erhobenen und mit einem filmenden Handy ausgerüsteten Armen eines 1.90 grossen Mannes hindurch einen Blondschopf erblickt. Doch schliesslich geht es auch nicht hauptsätzlich um den Anblick: Ellie Gouldings Stimme ist eine dieser Stimmen, die von alleine zu singen scheinen, die Worte und Melodien rollen über die Masse hinweg als sei keine Anstrengung dahinter, als sei das Ganze keine Kunst. Und somit ist sie für jeden zugänglich.

Pop at its best

Und mit dieser Stimme verwöhnt Ellie Goulding so lange sie kann: Kein Song, der auch nur halbwegs bekannt ist, wird ausgelassen, und für die wahren Fans lässt sie auch die Älteren erklingen. Im Gegensatz zu anderen erfolgreichen Sängern schafft sie es, dass man auf dem Nachhauseweg nicht nur Starry Eyed (2010), Lights (2011), Anything Could Happen (2012) und Burn (2013) vor sich hin pfeift, sondern auch all die anderen magischen, mitreissenden und ehrlichen Melodien; von How Long Will I Love You (2013) über Your Song (2010) und Explosions (2013). Und all die anderen Kunstwerke, die uns glauben machen, dass Pop nicht oberflächlich und langweilig sein muss.