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Emilie Zoés Rock ist roh und intim, ihre Stimme rau und ungeschliffen. Wenn sie auf der Bühne steht, dann wird sie zu einem Wirbelsturm. Im Rahmen des Festi’neuch hat Negative White die junge Neuenburgerin interviewt.

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Auch Emilies Auftreten scheint echt und unverblümt. (Foto: Sandro Schmutz)

Emilie Zoé hat keine Starallüren. Freudig lachend umarmt sie uns zu Beginn des Interviews. Ihre Haare sind verstrubbelt, die ausdrucksvollen blauen Augen ungeschminkt. Sie ist ganz schlicht angezogen und ihr einziger Schmuck sind zwei Ohrringe. Einer gross und schwarz, der andere klein und golden. Emilie sieht aus, als hätte sie heute Morgen verschlafen, als hätte sie einfach die obersten Kleider im Schrank angezogen. Sie ist genau so ungeschliffen ehrlich wie ihre Musik.

Dead-End Tape, ihr erstes Album, habe sie auf alte Vierspur-Kassetten aufgenommen. Nur ihre Stimme, ihre Gitarre und etwas natürliche Hintergrundgeräusche. Während drei Tagen in einem Schiessstand im Jura, der zu einem Proberaum umfunktioniert wurde. «Wir haben alles belassen, wie es aufgenommen wurde. Mitsamt kleiner Fehler», erklärt Emilie und erzählt noch vom Knacken ihres Lagerfeuers, das man auf einem der Songs im Hintergrund hört. Wir sind perfekt abgemischte Musik und hübsch geschminkte Menschen gewöhnt. Emilie interessiert das nicht. Sie geht ihren Weg und macht die Musik, die ihr gefällt.

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Emilie wirkte im Interview eher ruhig, auf der Bühne ist sie ganz anders. (Foto: Sandro Schmutz)

Auch auf der Bühne behält sie das bei. Sie wolle an Konzerten einen vollen Sound präsentieren, der die Leute erreicht. So spielt Emilie ihre Konzerte zusammen mit dem Schlagzeuger, Nicolas Pittet, mit dem sie seit sechs Jahren zusammenspielt und auch eine Wohnung teilt. «Wir sind uns auf verschiedenen Ebenen sehr nahe, auf der Bühne spüren wir jede Emotion des anderen», sagt Emilie und ergänzt, «das ist wichtig, denn was wir beim Spielen fühlen, bekommt auch das Publikum mit.» Sie sei gerne bewegt, wenn sie auftrete. Sie wolle etwas fühlen, weil es ihr auch wichtig sei, dem Publikum Gefühle zu vermitteln. «Die menschliche Seite an der Musik ist mir äusserst wichtig», sagt Emilie. So spiele sie live momentan am liebsten I found a girl. Ein langsamer, einfühlsamer Song. Sie und Nicolas müssten zusammenspannen, damit er wirkt.

Emilie hat mit der Musik angefangen wie viele: Im Alter von acht hat sie einpaar Jahre lang Gitarre gespielt. Aufgehört. Und mit sechzehn wieder angefangen. Mit achtzehn traf sie zum ersten Mal professionelle Musiker und begann zu realisieren, dass man doch von der Musik leben kann, auch wenn ihr immer etwas anderes gesagt wurde. Und da beschloss sie: Das will ich auch. Sie brach ihr Studium ab und hat es in den letzten sechs Jahren nicht wieder aufgenommen. Seither war sie mit ihrer eigenen Musik unterwegs, als Gitarristin für Anna Aaron und als Tontechnikerin in diversen Lokalen. Man kann sein Geld also mit Musik verdienen.

Man kann sich auch selber managen. Das hat viel Papierkram zur Folge, aber es ist möglich. Das hätte Emilie lange so gemacht. Konzerte habe sie dann meistens durch Mund zu Mund Propaganda und Bekanntschaften bekommen. Seit März sei sie aber bei gleich zwei Labels unter Vertrag, eins in der Hummus Records aus der Westschweiz und Icarus Records aus Zürich. Sie wollen den musikalischen Austausch zwischen der Deutschschweiz und der Romandie fördern. Deshalb spielt Emilie Zoé ihr nächstes Konzert nach dem Festi’neuch auch in Zürich, in der Roten Fabrik. Auch in Winterthur und Schaffhausen ist sie diesen Sommer noch zu sehen. Dazwischen stehe die Sprachbarriere und die Verbdinungen fehlen. Zum Glück ist Musik eine eigene Sprache und die Schweiz trotz Sprachgrenzen ein Land. «Meine Musik kann auch die Deutschschweizer erreichen», davon ist Emilie überzeugt.

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Emilie Zoé on stage. (Foto: Tatjana Pürro)

Von unserem Gespräch ging es direkt auf die Bühne. Eine Stunde später konnten wir uns vor der Bühne von ihrem Können überzeugen und waren wirklich überrascht. Die eher unscheinbare Frau drehte auf der Bühne voll auf. Ihr Rock ist so, wie man sich Rock eben vorstellt. Ohne Weichspühler und Photoshop. Echt und hart und unverfälscht. Und die Gefühle kommen beim Publikum an, genau wie sie es sich gewünscht hat.