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Der Abend des 5. Aprils im Z7 gestaltete sich wie eine Stimmungsachterbahn: Von lediglich nickenden Köpfen mit anschliessendem braven Applaus bis hin zu kreischenden Fans war alles vertreten.

artikel 2014-04-08 - leaves-eyes

Leaves‘ Eyes brachten die Stimmung endlich zum Kochen (Foto: Matt Hoffmann)

Einen wirklich harzigen Start hatte der Supportact Mooncry. Die Deutschen waren nach 2011 beim Metalfest das zweite Mal in Pratteln. Ob es daran lag, dass der Sänger Sali Hasan in den melodiösen Passagen eher schwach war, oder dass Publikum um 16:15 Uhr einfach noch nicht wach genug war? Man kann es nicht mit Sicherheit sagen. Die Band war nicht mal schlecht. Instrumental konnten sie durchaus überzeugen: Dark-Melodic-Metal, der nicht von schlechten Eltern stammt. Hätte Sali die röhrenden Passagen durchziehen können, wäre die Stimme auch solider gewesen. Diese Parts hatte er nämlich allemal im Griff.

Femininer Mittelpunkt

Mit Diabulus in Musica startete der Abend der Female-Fronted-Metal-Bands. Anfängliche Ton-Probleme waren schnell beseitigt. Besonders die opereske Stimme von Zuberoa Aznàrez erinnerte an jene von Tarja Turunen. Der mit einer leuchtenden Blumenkette verzierte Mikroständer schuf einen femininen Mittelpunkt in dem sonst eher Männer-dominierten Bild. Zuberoa schöpfte das volle Potenzial ihrer Stimme aus. Sie hatte die härteren Passagen ebenso im Griff wie die melodiösen. Auch das Publikum liess sich nun schon eher locken. Zum Ende des Gigs war das Z7 dann auch schon fast voll. Pamplona rockt eben! Die Spanier können stolz sein auf ihren musikalischen Export.

Edenbridge knüpften auch gleich da an, wo Diabulus in Musica aufgehört haben. Die Österreicher konnten die Publikumsstimmung mitnehmen. Sabine Edelsbacher liess ihre Stimme in Höhen schiessen, dass einem schwindlig wurde. Dies wurde vom Publikum mit tosendem Applaus quittiert. Jenes hatte sie innert Kürze um den kleinen Finger gewickelt. Auch bei Edenbridge waren technische Probleme spürbar, welche sie noch auf der Bühne entschuldigten. Woran es lag, konnte nicht eruiert werden.

Leaves‘ Eyes packen das Publikum

Das Publikum liess sich nicht so richtig fallen. Es wurde zwar ordentlich geklatscht, aber der Funke wollte nicht so richtig überspringen.

„Ich weiss nicht, woran es liegt, aber es kommt kaum Stimmung auf.“, sagte die 28-jährige Nathalie aus Basel.

Woran es lag, kann man wirklich nicht sagen, aber es änderte sich schlagartig als Leaves‘ Eyes die Bühne enterten. Liv Kristine und Alexander Krull animierten das Publikum vom ersten Ton an dermassen professionell, dass fast nichts anderes übrig blieb, als zu feiern. Die starke Stimme von Kristine harmoniert perfekt mit Krulls tiefem, organischen Gesang. Hübsch aussehen tun sie ebenfalls nebeneinander, so war für alle im Publikum ein Häppchen fürs Auge vertreten. Symphonies Of The Night, das aktuelle Album, spinnt einen Faden, der den Zuhörer auf eine Reise durch Livs Heimatland Norwegen mitnimmt. Harte Beats mischen sich auf eindringliche Art mit melodiösen Parts, die zum Träumen verleiten können. Das Z7 war zu dem Zeitpunkt wirklich richtig voll. Es gab kaum mehr ein Durchkommen. Darüber freute sich auch die Band, die den Publikumskontakt zu keiner Zeit schleifen liess. Die Wunderwaffe Kamera funktionierte wie bei jedem Konzert. Zu My Destiny zückte Krull die Kamera, die ins Publikum gehalten wurde. Da wurde gehüpft und getanzt. Jung und Alt liess sich nun endgültig fangen. Die Stimmung hielt glücklicherweise an, denn die Show die Leaves Eyes lieferten war frei von Mängeln.

Strapsen, Röckchen und Corsage

Delain, die Headliner des Abends, schienen das Publikum schon vor dem Konzert im Sack zu haben. Als die Band die Bühne betrat, waren die lechzenden Zuschauer schon völlig aus dem Häuschen. Dass der ein oder andere nicht umgekippt ist, als Carlotte Wessels in Strapsen, neckischem Röckchen und Corsage ins Rampenlicht trat, ist fast ein Wunder. Neben ihrer wirklich kräftigen Stimme hat sie eine charismatische Art, die die Halle im Nu fesselte. Songs vom Album Interlude welches 2013 erschien, wurden laut mitgesungen. Endlich war auch die Stimmung konstant auf hohem Level, so wie man sich das für solch einen Abend wünscht. Mit April Rain schraubten sie die Ausgelassenheit sogar noch eine Stufe höher. Noch selten war ich an einem Konzert, dessen erste Reihe hauptsächlich von Männern besiedelt war, die die Kinnlade kaum mehr hoch bekommen haben.

Fazit: Vielleicht waren es einfach zu viele Bands. Das Wetter lud nicht wirklich dazu ein, sich auch draussen aufzuhalten. An sich aber ein energiegeladener Abend, dem ein bisschen mehr Stimmung nicht hätte schaden können.