Die meiste Band der Welt, Knorkator, gab sich im ausverkauften Saal des Dynamos Zürich die Ehre. Die Gruppe aus Deutschland bot eine Unterhaltung ohnegleichen. Mit ihrer Verbindung von Synthie-lastigem Metal und grösstenteils nicht ganz ernst gemeinten Texten begeisterte Knorkator die rund 500 Besucher.

Es gibt jene, die Knorkator mögen, und jene, die sie lieben. Knorkator soll nicht zu ernst genommen werden, denn sie nehmen sich selbst nicht für ganz voll. Die Stimmung im Saal war dennoch grossartig. Die Menge, die Minuten vorher sich noch die Beine in den Bauch gestanden hat, um ins Dynamo zu gelangen, johlte und grölte nun, als Knorkator in den typisch untypischen Kostümen die Bühne stürmte und gleich voll aufs Gas drückte. Sänger Gero Ivers alias «Stumpen» fegte im grünen Ganzkörperkondom über die Bretter. Vom sicherlich einengenden Outfit befreite sich «Stumpen» nach den ersten Songs sichtlich froh. Gitarrist Buzz Dee ähnelte mit seinem schrillen Aussehen an Helge Schneider.

Die Musik lässt sich genauso wie die Band selbst schlecht schubladisieren. Einerseits dominieren als Basis feurige Drums und schwere Gitarren-Riffs, andererseits prägen gerade Keyboard- und Synthie-Einsätze die eingängigen Melodien. Das rasante Tempo der Songs spornte die vorwiegend männlichen Besucher an, immer wieder wild herumzuhüpfen und sich im Moshpit die Seele aus dem Leib rempeln zu lassen. Knorkator riss mit. Bis in die hintersten Reihen wurden die langen Mähnen geschüttelt. Bierselig wurden die ironischen und parodistischen Texte mitgesungen. Manche überbordeten und so stieg ein in einen wüsten Tanga-Einteiler gepackter Mann auf die Bühne, wurde aber auch sogleich vom Roadie zurück in die Menge geworfen.

Knorkator sind jedoch nicht nur einfach lustig und unbeschwert. In Songs wie Eigentum schwingt eine durchaus ernsthafte und nachdenkliche Note mit. Ich bin das Eigentum von meinem Eigentum / Bin allem hörig, was mir gehört. In solchen, zwar seltenen Momenten zeigt Knorkator ihren Tiefgang. Viele Ihrer Songs bergen eine Fusszeile mit kritischen Bemerkungen, die sich hinter der amüsanten Verpackung verstecken. Knorkator ist bissige Satire.

Mehrheitlich hielt sich die Band doch an ihr offensichtliches Programm: Vulgarität und Klamauk. Titel wie Ich will ficken oder Du nich hinderten das Publikum aber nicht von der guten Laune ab. Energiegeladen riss Gero Ivers mit beinahe akrobatischem und unbändig wildem Körpereinsatz mit. Ein spürbarer Dreh- und Angelpunkt der Band. Dem stämmigen, kleinen Mann traut man aber die inbrünstige und doch wieder in hohe Lagen vordringende Stimme auf den ersten Blick nicht zu. Ein Erstaunen für jene, die Knorkator nicht kannten.

 

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