Ein Passwort wird per E-Mail an Sie geschickt

Sorry an alle zukünftigen Acts der Hafenkneipe: niemand passt besser dorthin als Get Dead. Sie sind nicht nur so tätowiert und betrunken wie Matrosen, sie klingen auch irgendwie so, aber irgendwie auch noch viel besser. Irgendwie nach Unendlichkeit und Einfachheit.

Artikel 2014-05-10 - Get Dead - Artikelbild

Get Dead auf der Bühne der Hafenkneipe (Foto: Nicola Tröhler)

Eigentlich ist Sam King Dachdecker. Und das sei auch ganz lustig, sagt er, vor allem, wenn man nach einer durchzechten Nacht mit dem nächsten Bier auf der Leiter steht; auf jeden Fall hat er nicht allzu viel Mitleid mit allen im Publikum, die morgen früh aufstehen müssen. So sind sie, Get Dead: Kompromisslos. Und witzig.

Rau wie die See

Kings Stimme klingt etwa so, als stecke ihm ein ungeschliffenes Holzbrett im Hals: da kommt kein Ton ungeschoren davon. Hochrot läuft sein Kopf an, wenn er zwei Minuten lang ohne zu atmen einen Vers herunterrattert, verschwitzt, aber stets mit dem Hut auf dem zerzausten Kopf schaut er aufmerksam ins Publikum, während er immer ein bisschen torkelt. Auch die anderen Bandmitglieder hängen sich voll ins Zeug: Bassist Tim Mehew reicht dem Sänger schon fast das Wasser, wenn er das Mikrofon benützt. Tätowiert sind sie alle, Sam King und die beiden Gitarristen Mike McGuire und „Moki“ haben allesamt die schlanke Statur von Kleiderschränken, die etwas weniger breiten Schultern machen Tim Mehew und Drummer Scott Powell mit Oberarm-Umfang wett.

101

Aber nebst aller Härte scheint auch kalifornische Sonne auf das Publikum herunter: Get Dead sind gut Unterhalter, und die Vitalität und Lockerheit ihrer Heimatstadt San Francisco leben sie voll aus. Von Kalifornien handeln auch einige ihrer Songs: in 101 packen der Sänger und seine Mutter ihre Koffer und nehmen die legendäre Strasse der kalifornischen Küste entlang in Angriff, Fuck You ist für die fünf die Hymne der langen Nacht. Allesamt predigen Freiheit, der Inbegriff der Einfachheit sind die Musiker selbst. Vor dem Konzert hängen sie an der Bar rum oder bringen ihrer Tour-Managerin einen Salat, nach dem Konzert laden sie alle Zuschauer ein, doch noch ein bisschen mit ihnen zu feiern.

Unterschiedlichste Fans

Das Publikum ist durchmischt: es hat einige über Vierzigjährige, viele zwischen zwanzig und dreissig, Männer wie Frauen. Die einen geniessen still, die anderen können sich nicht mehr still halten und stürmen die Bühne, um sich – zwei Mal – auf die Meute aus knapp fünfzig Leute zu werfen, was dementsprechend gut herauskommt. Die pogenden Hyperaktiven kommen nicht gut an, aber Get Dead scheint’s zu amüsieren; so sind sie eben gestrickt. Kein Seemannsgarn!