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Dicht gedrängt standen die Menschen im grossen Saal des Zürcher X-Tra. Sie alle warteten gespannt auf die Editors, ihren verworrenen Post-Rock und seine reinigende Wirkung. Unglaublich grosses Kino.

Als Aufwärmer standen Balthazar auf der Bühne. Indie-Rock, der sich biegt und beugt, bedächtig schaukelnd und schleichend wie eine Katze auf der Pirsch. Plötzlich überraschen sie poppig tanzbar. Niemand kann ihnen vorwerfen, einfältig zu sein. Ein gemächlicher Einstieg war es. Währenddessen füllte sich das X-Tra zum Bersten. Eine gefühlte Ewigkeit stand man vor der Damentoilette an, so sagte man mir. Ja, an diesem Abend war der Club proppenvoll mit Alten und Jungen, Verliebten und Verzweifelten. Und sie alle warteten.

Die Editors machen ab der ersten Note unmissverständlich klar, dass sie zu den besten Rockbands des 21. Jahrhunderts gehören. Tom Smith stöhnt, verrenkt sich zu obskuren Figuren, während das Licht scharf an seinen Konturen entlang fräst. Smiths Stimme sprengt die Saaldecke zur Unendlichkeit. Desire!
Die Musiker gehen vollkommen in ihrer Darbietung auf. Für diesen Moment sind sie unsterblich, berauscht vom tosenden Applaus. Der Raum vibriert, als der unverkennbare Melodiebogen von An End Has A Start erklingt. Und bei In This Light And On This Evening läuft mir ein kalter Schauer durch die Wirbelsäule.

Neben mir verschlingt sich ein Paar hemmungslos leidenschaftlich im wilden Tanz. Dann wird es still und akustisch schwingt The Phone Book über dem Publikum. Verzweifelt raufen sich die Menschen ihre Haare, stimmen herzzerreissend in den Chorus von Honesty mit ein. Das Konzert ist die reine Katharsis. Der graue Alltag fällt ab, nackt steigt die Seele aus dem Kokon und der Schmetterling steigt auf. Papillon. Die Menge lässt sich nicht mehr halten, springt auf und ab – vollkommen ausser Rand und Band. Es ist die pure Ekstase.