Die selbsternannten Helden des einzig wahren Metal – Manowar – waren am Sonntag, dem 18. Januar zu Gast in der Schweiz, genauer gesagt in der St. Jakobshalle in Basel, wo sie 2011 zum letzten Mal bei uns zu sehen waren. Wir wollten sehen, ob sie sich von diesem enttäuschenden Auftritt von damals steigern konnten.

Sind wir ehrlich, noch tiefer hätten Manowar eigentlich gar nicht mehr sinken können, so grauenhaft war ihr Auftritt im Jahr 2011. Aber lassen wir die Vergangenheit ruhen und vergnügen wir uns mit dem diesjährigen Konzert. Gemäss Veranstalter Good News fanden sich rund 4’000 Metalfans in der Halle ein. Allzu dicht gedrängt standen die Besucher jedenfalls nicht. Die Stimmung in der vorderen Hallenhälfte war auch gut, die Arme fast permanent zum «Hammer» erhoben. Es gibt also noch True Metalfans.

Zum Glück gab es diesmal weniger Ansprachen von Bassist und Bandleader Joey DeMaio – der im US-Senat wohl problemlos jeden Filibuster erfolgreich umsetzen könnte – weit spärlicher, dafür erholten sich die alternden Rocker mehrmals während längeren Videoeinblendungen. Die Soundqualität war aber auch dieses Mal nicht wirklich überzeugend. So war zu Beginn des Konzerts der Bass sehr komprimiert, der Sound verlor an Wucht und die tiefen Lagen wurden zu einem akustischen Brei. Später wurde diese Unzulänglichkeit in die andere Richtung überkompensiert und der Bass dominierte so dermassen. Angesichts der viel zu hohen Lautstärke, die sogar mit Ohrstöpseln nur bedingt erträglich war, spielte das auch keine grosse Rolle mehr.

Die Video-Einspieler strotzten nur so von Kitsch und noch mehr Tolkien-Verknüpfungen hätten wohl kaum mehr Platz gehabt. Immerhin passten sie mit ihren übertriebenen Längen sehr gut zu Peter Jacksons Verfilmung von The Hobbit.

Wozu es eine zehnminütige Prelude zu Kings of Metal brauchte, wird wohl niemand wissen. Vielleicht wollten sie einfach die Flaggen aller Länder, durch die Manowar gerade tourt, zeigen. Die Vexillologie von Sheldon war allerdings unterhaltsamer.

Einzig die Hommage an leider verstorbene Grössen der Metalszene, wie Ronnie James Dio oder ihren ehemaligen Drummer Scott Columbus, die zu Fallen Brothers lief, vermochte zu überzeugen, ganz im Gegensatz zum Videobackdrop während Hail and Kill, der aussah, als wäre er einem 90er-Jahre-Videospiel entnommen worden.

All dies wäre noch zu verzeihen gewesen, hätte DeMaio nicht schon letztes Jahr bei jeder Gelegenheit grosskotzig rumposaunt, dass Manowar mit der grössten Metalshow in die Schweiz kommen werden, die man hierzulande je gesehen hätte. Was an dieser Show jetzt aber so gross und massiv, wie er es angekündigt hatte, gewesen hätte sein sollen, entzieht sich mir. Mehrstufige Bühne? Das haben schon längst auch kleinere Bands, CO2-Säulen sind auch nichts neues (und stinken gegen Pyros sowieso ab), auch Videoleinwände kennt man auch schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Bis auf die CO2-Säulen gab’s das alles auch schon bei Steel Panther.

Aber irgendwie passt es ja, dass Manowar in den 80er-Jahren steckengeblieben sind. Schliesslich kehrt Marty McFly am 21. Oktober 2015 zurück in der Zukunft. Und wenn er dann an einem Manowar-Konzert landet, fühlt er sich sicher gleich wie zu Hause.

Bei einem Ticketpreis vom 94 Franken wünscht man sich allerdings doch etwas mehr als nur eine knapp 95-minütige Show, zu der es nicht mal eine Vorband gab. Zurück bleibt nicht mehr als ein schaler Nachgeschmack…