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Wie schon der Zauberlehrling merken musste, kann eine kleine Ursache eine gewaltige Wirkung haben, die schnell ausser Kontrolle geraten kann. Wir haben uns mit dem Gemeindepräsidenten von Pratteln zum Gespräch getroffen, um seine Sicht zur Situation um das Z7 zu schildern.

Bau des Anstosses: Der geplante OBI neben dem Z7. (Bild: zVg)

Bau des Anstosses: Der geplante OBI neben dem Z7. (Bild: zVg)

Gross war der Aufschrei, als es hiess, die Zukunft des Z7 sei gefährdet. Der geplante Bau eines OBI Markts würde zusammen mit der Öffnung der Kraftwerkstrasse einen weiteren Betrieb der Konzertfabrik nahezu unmöglich machen und es sei nur eine Frage der Zeit, bis Menschen wegen dem Verkehr zu Schaden kämen. Innert kürzester Zeit wurde die Facebookgruppe «Konzertfabrik Z7 Bleibt» gegründet die mittlerweile über 10’000 Mitglieder zählt und in der aufgefordert wurde, dem Gemeinderat von Pratteln zu schreiben. Diverse Zeitungsartikel haben die Kontroverse aufgegriffen und vor allem den Standpunkt von Norbert Mandel, Gründer und Geschäftsführer der Konzertfabrik Z7, dargelegt. Negative White wollte wissen, wie die Gemeinde Pratteln die Situation sieht und hat sich mit dem Gemeindepräsidenten Beat Stingelin zum Gespräch getroffen und dabei einige interessante und auch ein paar unschöne Sachen erfahren.

Konstruktive Kritik

Rund hundert Schreiben sind bei der Gemeinde seit dem Aufruf in der Facebookgruppe eingegangen, davon waren etwa 70 mit konstruktiver Kritik gefüllt. Die übrigen waren entweder anonym eingegangen oder gingen unter die Gürtellinie. «Damit muss ich leben, das gehört zum Job.», meinte Stingelin. Was aber auf keinen Fall dazugehört, sind Drohungen, und von denen hat er leider auch diverse erhalten. Noch ist er nicht dagegen vorgegangen, aber wenn die Drohungen gegen seine Person nicht aufhören, wird er die Sache Eskalieren müssen. Sprich, die Polizei wird eingeschaltet, schliesslich sind Drohungen ein Strafbestand. «Aber das möchte ich eigentlich nicht tun müssen. Das schadet am Ende der ganzen Szene und die Mehrheit hat ja sachlich, wenn auch teilweise mit viel Emotionen argumentiert.» Er verglich die Situation mit den Hooligans beim Fussball. «Ich bin leidenschaftlicher Fussballfan. Was die Fans in der Muttenzer Kurve leisten, ist grossartig. Aber ein paar Arschlöcher – Entschuldigung – bauen Mist und alle werden in einen Topf geworfen. Das will ich nicht.» Dass ihm die Drohungen, obwohl er sie herunter zu spielen versucht, dennoch nahe gehen, zeigte sich darin, dass er das Thema während dem Gespräch mehrmals wieder ansprach.

Darum ein Appell meinerseits an die Fangemeinde: «Lasst das! Es ist nicht nur unter aller Sau, sondern schadet nur.»Sacha Saxer
Das Bauvorhaben wurde vom Stimmvolk von Pratteln an einer ordentlichen Volksabstimmung angenommen, der Gemeinderat hat nun die Aufgabe, den Volkswillen umzusetzen. Da bringt alles Rumgejammere nichts mehr. Stattdessen wäre es viel sinnvoller, sich nach möglichen Synergien zu erkundigen. Der Gemeindepräsident bot Mandel an, als Vermittler zwischen dem Z7 und OBI zu fungieren, um über ein potentielles Nutzungsrecht der Parkplätze zu diskutieren. Es liegt nun beim Z7, ob sie dieses Angebot annehmen wollen oder nicht. Was bei der ganzen Kontroverse bis jetzt immer ausser Acht gelassen wurde, ist die Tatsache, dass das Z7 noch gar nie über eigene Parkplätze verfügte. Die bisherigen Parkgelegenheiten wurden jeweils schwarz genutzt und es ist der Gemeinde und den Besitzern der Flächen anzurechnen, dass sie dies geduldet hatten.

Braucht es wirklich eine grössere Halle?

Dass Mandel die Fläche, auf welcher der OBI Markt gebaut werden soll, selber kaufen möchte, ist bekannt, genauso wie der Fakt, dass er die Kosten für die Sanierung nicht stemmen könnte. Der Hauptgrund, wieso er diese Fläche gerne besitzen würde, liegt in seinem Wunsch, das Z7 zu erweitern, begründet. Die Frage stellt sich allerdings, ob es ein grösseres Z7 wirklich braucht. Ist die Konzertfabrik so oft ausverkauft, dass sich eine grössere Halle lohnen würde?

Bei der Sanierung des Areals wird gleichzeitig die Gasleitung, die gleich hinter der Konzerthalle verläuft, sowie der Gastank verlegt. Dadurch wird eine potentielle Gefahrenquelle vom Z7 entfernt, was im Endeffekt für alle Konzertbesucher ein Gewinn ist. Pyro-Effekte geniessen wir alle lieber auf der Bühne wie rund um die Halle. Die Tramlinie wurde vom Gemeinderat auch geändert, so dass sie neu um das Areal herumführt und nicht quer hindurch wie ursprünglich geplant. Man kann Stingelin, der auch ab und zu als Gast im Z7 ist, nicht nachsagen, dass ihm die Konzertfabrik egal sei.

Migros Kulturprozent in Gefahr

Angesprochen auf das Migros Kulturprozent (OBI gehört der Migros, Anm. der Red.) meinte der Gemeindepräsident: «Hier kommt es auch etwas auf das weitere Verhalten der Facebookgruppe an. Stellen sie sich vor, die Migros kriegt eine Anfrage vom Z7 bezüglich des Kulturprozents. Wie gross wird wohl das Interesse der Migros sein, wenn so massiv gegen sie geschossen wird?» Das Migros Kulturprozent muss man beantragen, die kommen nicht einfach auf einen zu. Entsprechend müssen sich die Fans im Klaren sein, dass sie mit Werbung für das Z7 der Konzertfabrik mehr nützen als mit irgendwelchen Boykotten von Migros und OBI.

Wie so oft wurde vom Gründer der Gruppe, der übrigens nicht zum Z7 gehört, sondern ein Teil der Rock- und Metalszene ist, unterschätz, wie schnell so etwas ausser Kontrolle geraten kann. Mandel hat Stingelin bei ihrem Gespräch gestern auch gesagt, dass ihm das Ganze auch etwas Angst macht. «Ich habe keine Kontrolle mehr darüber.», soll er gesagt haben.

Es ist an der Zeit, die Angelegenheit wieder zu deeskalieren. Niemand will das Z7 schliessen. Es gibt keinen Grund, wieso das Z7 nicht weitergeführt werden könnte. Die Idee eines Wegzugs kam von Norbert Mandel selber, weil er jetzt noch die Kraft habe für eine Expansion des Z7. Aber er könne ja gar nicht wegziehen, das würde die Szene gar nicht akzeptieren.

Wie könnten Fans helfen?

Die Frage ist jetzt, was ist die Szene bereit für das Z7 zu tun? Wäre sie bereit, für Parkplätze etwas zu bezahlen? Wären pro Konzert fünf bis zehn Metalfans bereit, nach dem Konzert kurz bei den Parkplätzen für Sauberkeit zu sorgen als Gegenleistung für ein Freibillet? Dadurch könnte das Z7 beim OBI sicherlich bessere Konditionen für eine Parkplatznutzung aushandeln. Konstruktive Ideen bringen der Konzertfabrik weit mehr als die Empörung über einen Volksentscheid. Unter den über 10’000 Mitgliedern der Gruppe wird es ja sicherlich ein paar kreative Köpfe haben, die sich für Lösungen einsetzen möchten. Noch hat die Szene Rückhalt in der Bevölkerung. Hoffentlich bleibt das so.