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Die ganze Welt steht Kopf während der Fussball-WM. Sie hält den Atem an, wenn ein Tor im Final fällt, weint bittere Tränen mit den Verlierern. Die Welt ist verrückt nach dem runden Ball, nach den Spielern, die zu Nationalhelden erklärt und mit riesigen Summen belohnt werden. Summen, an die im Frauenfussball keiner zu denken wagt. Dennoch sind die Spielerinnen zufrieden.

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«Fussball ist heutzutage wie ein moderner Menschenhandel.», sagt Lara Dickenmannn (Mitte) (Foto: Steffi Sonderegger)

An die 200.000 Fussballfans waren vor Ort, als Deutschland Argentinien mit 1:0 in der Verlängerung besiegte, 3’429’873 Millionen Zuschauer schauten weltweit dabei zu. Bis zu 100 Millionen Franken werden für einen Fussballer-Transfer bezahlt, 159 Millionen soll laut Internationalem Zentrum für Sportstudien (CIES) in Neuenburg das Männerteam der Schweiz wert sein. Unfassbare Zahlen, findet auch Lara Dickenmann, Spielerin der Schweizer Nationalmannschaft: «Fussball ist heutzutage wie ein moderner Menschenhandel. Es ist nicht mehr wie früher, wo man für seine Mannschaft mit Herz und Leidenschaft spielte.» Die 28-jährige Spielerin ist Profi-Fussballerin und lebt vom Sport. Bereits seit zwölf Jahren spielt sie für die Schweizer Nationalmannschaft, seit sechs Jahren verdient sie ihr Geld bei Olympique Lyonnais, einem Team, das in der Champions League regelmässig um einen der ersten Plätze kämpft.

Förderung im kleinen Rahmen

Einen besonderen Erfolg durfte Dickenmann in diesem Jahr mit dem Schweizer Team verbuchen: zum ersten Mal in der Geschichte des Schweizer Frauenfussballs qualifizierte sich die Schweiz für die anstehende WM in Kanada 2015. Die Qualifikationsspiele wurden aber nicht vor einem Millionenpublikum, sondern vor knapp tausend Zuschauern ausgetragen. Anders als in anderen Ländern wie Frankreich oder Amerika ist hierzulande das Interesse am Frauenfussball noch immer sehr schwach ausgeprägt.

[su_content_slider][su_content_slide] Zum Interview mit Lara Dickenmann [/su_content_slide] [su_content_slide] Zum Interview mit Nadine Angerer [/su_content_slide][/su_content_slider]

Dennoch zeigt sich die Schweiz bemüht: Seit 2004 werden junge Nachwuchsspielerinnen in einem Frauenfussball-Ausbildungszentrum, welches sich zuerst in Huttwil befand und seit letztem Jahr in Biel zu finden ist, spezifisch gefördert und unterstützt. So haben sie die Möglichkeit, sowohl zu trainieren als auch ihrer schulischen Ausbildung nachzugehen. Zudem werden die Frauen in bekannte Schweizer Vereine integriert. «Es ist alles viel professioneller geworden.», bestätigt Lara Dickenmann. Und dennoch: Der Beruf der Profifussballerin ist keine sichere Wertanlage. Selbst die 2013 ausgezeichnete Weltfussballerin Nadine Angerer, Torhüterin der Deutschen Nationalmannschaft, bekennt: «Ausgesorgt habe ich bei weitem nicht.»

Hoffnung auf das Beispiel anderer Länder

Anders sieht die Lage in den USA aus. Dank dem zweiten Platz an der WM im Jahr 2011 gewann der Frauenfussball in Amerika an Popularität. Topstars wie Hope Solo und Alex Morgan sind seither nicht nur auf dem Platz, sondern auch in Hochglanzmagazinen und TV- Shows zu sehen. Eine Vermarktung, die hierzulande kaum stattfindet. Nicht weiter verwunderlich also, dass Länderspiele der USA inzwischen vor vollen Stadien gespielt werden. Für die Schweizerinnen ein eher ungewohntes Bild, als sie Mitte August gegen die weltbeste Mannschaft in North Carolina vor fast 10’000 Fussballfans antraten.
Auch Nadine Angerer, in dieser Saison als Torhüterin bei Portland engagiert, zeigt sich erstaunt: «Bei unserem letzten Heimspiel waren knapp 20’000 Zuschauer im Stadion. Das habe ich so noch nicht erlebt.» An solche Zuschauerzahlen wagt man in der Schweiz noch nicht zu denken. Und im Dialog mit den Spielerinnen scheinen Zahlen allgemein keine Priorität zu haben. Sie geben sich bescheiden und unkompliziert. «Genug Geld zu verdienen ist sicher wichtig, aber ich war nie jemand, der mediale Präsenz oder Ruhm gesucht hat.», sagt Lara Dickenmann. Sie ist optimistisch gestimmt über die Entwicklung im Frauenfussball und freut sich auf die WM in Kanada. Ganz egal ob vor einem Millionenpublikum oder nur ein paar hundert Menschen; schliesslich dreht sich sowohl im Männer- wie auch im Frauenfussball alles nur um das eine: die Leidenschaft zum runden Leder.