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«Don’t judge a book by its cover» besagt ein weises Sprichwort. Nimmt man die «Fluorescent Lights» von Midas Fall in die Hand, sollte man sich auf keinen Fall vom fröhlich bunten Artwork täuschen lassen. Es wartet etwas anderes.

Midas_Fall-Fluorescent_Lights

Das erste Manko, das die EP Fluorescent Lights aufweist: Sie ist zu kurz. Es bleibt ein Wermutstropfen auf dem heissen Stein. Das Trio Midas Fall kommt aus Manchester. Der Stadt also, die schon so viel gute Musik hervorgebracht hat. Doch die Musik der Band ist nicht gut. Sie ist grossartig.

Aus der dunstigen Stille hallt plötzlich eine hohe Stimme. Sie kommt wie aus dem Nichts, haucht sakrale Klänge durch den hohen Raum. Dann setzt der glasklare Gesang von Elizabeth Heaton ein, leidenschaftlich und hingebungsvoll. Kurze Gitarren-Takte zerreisen die Andacht, fräsen sich funkensprühend durch den lichtdurchfluteten Raum. Doch plötzlich rauscht und kratzt Heatons Stimme und man weiss, gleich passiert etwas. Der Schock lässt die Kathedrale krachend in sich zusammenfallen. Der technoide Beat schlägt durch das Dach wie ein glühender Meteorit. Irgendwo zwischen Bestürzung und Extase.

Low dröhnt schmutzig los, nur die Kraviertasten schweben über dem sich dunkel dahinwälzenden Morast eines schweren Gitarrenspiels. Elizabeth Heaton ruft verzweifelt. Sperrig ist der Song, anstrengend. Er schaukelt hin und her zwischen aufbrausendem Prog Rock und balladesker Melancholie.

Also folgen wir den Spuren – Tracks. Der Song ist mit sich im Reinen, zufrieden zimmert Pedro Pellat mit seiner Perkussion einen wohlig-warmen Raum. Nichts ist von der bombastischen Weite in Fluorescent Lights geblieben. Geradezu lieblich schweben die Klänge aus dem Fenster in die Welt hinaus. Bis die Band kurz innehält, Luft holt für den nächsten grossen Sprung. Langsam setzt Heaton mit einem «Oh-Oh» ein, Pellat verleiht der Passage wenig später den rhythmischen Drive. Aus dem Hintergrund tauchen erneut die engelsgleichen, sphärischen Lyrics auf. Die Melodie erfasst alles im Raum, trägt gar den Hörer selbst in luftige Höhen. Dann verlieren wir die Fährte, wir stürzen ab.

Was bleibt, ist ein Gefühl der Trauer. Trotzdem drücke ich auf Repeat.

Release
11. November 2013

Label
Monotreme Records

Tracklist
01. Fluorescent Lights
02. Low
03. Tracks