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Vergangenen Samstag präsentierten The Beauty of Gemina ihr Album «Iscariot Blues» im Zürcher Club X-Tra. Die Live-Taufe der Platte wurde dennoch nicht mit Champagner begossen. Und selbst wenn die Band in der Hitparade gesichtet wurde, standen keine Grossmütter mit ihren Enkeln im Publikum. Die «Beauties» sind noch immer tief in der Gothic-Szene verwurzelt.

Ein Konzert steht normalerweise immer im Zeichen der Hauptband. Besonders schwer hat es der Support-Act aber bei einem solch speziell angekündigten Abend wie dem von The Beauty of Gemina. Den undankbaren Auftrag den Event zu eröffnen, hatte das Trio um Tying Tiffany gefasst. Die Erwartungen an die italienische Musikerin waren hoch, ihr Auftritt eher enttäuschend. Es lag dabei weniger an ihrer Performance, denn an der Technik. Ihre Patti Smith-Stimme ging teils vollends zwischen Gitarre und Drums unter, wobei man das Gefühl nicht loswurde, dass die Drums aus dem Playback stammten. Dazwischen störte immer wieder ein schmerzhaftes, elektronisches Knacken die Akustik. Beim letzten Song drehte Tiffany nochmals voll auf, spielte das unschuldige Mädchen, dann die wilde Punk-Göre, die sich auf der Bühne wälzte.

Dunkle Evolution in der Band

Dann wurde die Bühne von einem schweren, roten Vorhang verhüllt. Wenig später erklangen die ersten Töne, der Vorhang wurde gelichtet. Mit der bekannten, stoischen Ruhe stand Sänger und Gitarrist Michael Sele in der Mitte der Bühne, die akustische Gitarre in der Hand.

Doch die Veränderungen ihres Sounds haben auch die Auftritte von The Beauty of Gemina beeinflusst. Ein Michael Sele mit weisser Mähne, der mehr und mehr aus seinem statischen Käfig auszubrechen scheint, auf der Bühne umhertigert, dabei aber immer noch stolz und andächtig wirkt. Sogar bis in den Fotograben führten seine Schritte. Auch Drummer Mac Vinzens kam an dem Abend aus sich raus und bot ein zwar wenig experimentelles Solo, doch alleine die Tatsache, dass es eines gab, war Experiment genug.

Die Sensation aber waren die Stimmen von Live-Gitarrenheld Dennis Mungo und Bassist David Vetsch: Gemeinsam mit Sele verkündeten sie «death of god». Ein Chorus, der Dark Revolution einen bewussten Nachdruck verleiht.

Wundervoller Höhepunkt

The Beauty of Gemina spielte das komplette Iscariot Blues durch. Dazwischen spickte die Band die Setlist mit herausragenden Songs ihrer drei vorherigen Alben wie Shadow Dancer, This Time oder Rumours. Der absolute Höhepunkt war dennoch das synth-poppige Seven-Day Wonder aus dem neusten Werk. Das Publikum sang eifrig «a seven-day wonder I will be» mit und tanzte zum treibenden Rhythmus des Lieds.

Mit dem düsteren Prophecy begann sich das X-Tra in den dunklen Abgrund zu winden. Die bedrohliche Atmosphäre des Songs schlich sich durch die Reihen der Besucher. Mit Prophecy aber auch Hunters und dem Wave-Juwel Obscura demonstrierten The Beauty of Gemina ihre Verbundenheit mit der Schwarzen Szene. Zynisch war auch die Ansprache von Sele, in der er gegen die Mainstream-Radios schoss, die ihre Songs nicht spielten, weil sie zu depressiv seien. Dem Publikum ging es immer noch hervorragend.

Einen Abzug erhält Sele einzig dafür, dass er die hohen Töne bei June 2nd nicht immer traf, wobei das eine Ansichtssache war, ob er die Zeile «one day I see» lediglich hinausrief oder sang. Erstaunlicherweise ging dem hochgewachsenen Sänger King’s Men Come spielend leicht über die Lippen. Ein Song mit denen er auf vorherigen Konzerten stets ein wenig haderte.

Das Set war ein wahres Fest für den Gemina-Fan. Einzig Last Night Home wollte nicht in so recht ins Programm passen. Als letzter Song vor den Zugaben hatte er zwar an sich etwas Abschliessendes, doch ist diese Eigenschaft im Naturell des Songs so fest verankert, dass es zu definitiv wirkte. Die Fans durften sich dennoch über zwei Zugabenblöck à drei Songs freuen. Das Konzert schloss mit dem pumpenden One Step To Heaven vom Debütalbum Diary of a Lost.

Spagat zwischen Szene und Masse

Bis zu einem gewissen Grad ist The Beauty of Gemina mit Iscariot Blues mehrheitsfähig geworden. Zwischen den in Überzahl anwesenden Gruftis und Waver konnte man immer wieder eine szenefremde Person erkennen.
Die Band geht gelassen mit ihrer Weiterentwicklung um. Sie stehen zu ihren Wurzeln in den dunklen Gefilden, die Bühne von schwarzen Vögeln flankiert.

Die Quelle des Gemina-Sounds liegt in den 1980er-Jahren, doch lassen sie andere Richtungen in ihre Musik einfliessen. Das macht The Beauty of Gemina über Genre- und Szenegrenzen hinaus interessant und hörenswert. Ein Grund, weshalb die im Ausland viel erfolgreicheren Musiker bei Universal untergekommen sind. Dass sie nicht nur im Kielwasser von Unheiligs grosser Fahrt segeln, zeigt die verschworene Truppe, die The Beauty of Gemina wirklich kennen und ihre Konzerte besuchen.

Die Live-Premiere des neuen Albums war ein der Band würdiger Anlass. Eine etwas aufwändiger ausgefallene Dekoration und ein spezielles Lichtdesign liessen das Konzert sich von anderen der Gruppe abheben. Die Stimmung im Publikum war denn auch so ausgelassen wie ein Wave-Konzert nur sein kann. Der Gemina-Sound vermochte in allen Variationen zu begeistern.

 

 

Eine der Redaktion zugespielte Aufnahme:

Setlist
Voices of Winter (Iscariot Blues)
Golden Age (Iscariot Blues)
This Time (A Stranger to Tears)
Shadow Dancer (A Stranger to Tears)
June 2nd (Iscariot Blues)
Obscura (At The End Of The Sea)
Prophecy (Iscariot Blues)
Dark Revolution (Iscariot Blues)
Hunters (Diary of a Lost)
King’s Men Come (At The End Of The Sea)
Dark Rain (At The End Of The Sea)
Into Black (A Stranger to Tears)
Colours of Mind (A Stranger to Tears)
Rumours (At The End Of The Sea)
Seven-Day Wonder (Iscariot Blues)
The lonesome Death of a Goth DJ (A Stranger to Tears)
Last Night Home (Iscariot Blues)

Badlands (Iscariot Blues)
Haddon Hall (Iscariot Blues)
Black Cat Nights (At The End Of The Sea)

Suicide Landscape (Diary of a Lost)
Stairs (Iscariot Blues)
One Step to Heaven (Diary of a Lost)