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Das Spektakulärste an «Jurassic World» sind nicht die zum Leben erweckten Riesenechsen, die vor Millionen von Jahren über die Erde wanderten, sondern der Umstand, dass die Hauptdarstellerin den ganzen Film über High Heels trägt.

Jurassic-World-The-Game

Ob im schlammigen Sumpf oder im tropischen Dschungel, beim Fahren, auf der Flucht vor Urzeitmonstern wie den legendären Raptoren – die High Heels aus Jurassic World machen alles mit und führen ihre Stunts sogar selbst durch. Dafür sind sie recht schweigsam. Ausser dem gelegentlichen Poltern auf Asphalt oder gefliesten Laborböden bleiben sie leise und kaum hörbar.

Wesentlich hörbarer waren die Stimmen, die dem Film mit den Urzeitechsen im Vorfeld platten Sexismus bescheinigten. Die Kritik ging in erster Linie von Joss Whedon aus, seines Zeichens Regisseur von Die Avengers – das ist der Film, in dem Scarlett Johansson als «Black Widow» im knallengen Ganzkörperanzug und mit auf den Ausschnitt fokussierter Kamera über die Kinoleinwand huscht. Ich kann dazu nichts sagen, meine geistigen Kapazitäten erlauben ein bindendes Urteil nicht, aber immerhin etwas trage ich zur Debatte bei: Sexismus hin oder her – einem Mann würde man nie zutrauen, ein Abenteuer in einem von menschenfressenden Monstern bevölkerten Vergnügungspark in Stöckelschuhen heil zu überstehen. Die Hauptdarstellerin aus Jurassic World, Bryce Dallas Howard, tut das hingegen mit fast schon unerträglicher Leichtigkeit. Der Frau gebührt der Respekt und die Verblüffung all jener, die den Film sehen.

Weit weniger verblüffend ist der Film selbst, der die mittlerweile legendäre Filmreihe um die im Labor zum Leben erweckten und für’s Vergnügen der Menschen in zooähnliche Parkanlagen gesperrten Dinos in die Kinosäle der Gegenwart bringt. Neben einer Unzahl Echsen, die im wahrsten Sinne des Wortes eine ungeheure Präsenz vor der Kamera haben, beglückt der Film die Zuschauer mit der zuvor erwähnten Hauptdarstellerin auch Chris Pratt, der zur Zeit so etwas wie die männliche Jennifer Lawrence ist.

Die Handlung des Films lebt dann auch grösstenteils von der Chemie zwischen der Hauptdarstellerin und Leiterin des Dinoparks auf der einen und dem draufgängerischen, aber herzensguten Echsendompteur Chris Pratt auf der anderen Seite. Die Dinos selbst sind in diesem Feuerwerk aus in Hollywood aufbearbeiteten Emotionen lediglich Staffage und könnten wahlweise durch blutsaugende Vampire, nach Hirnen trachtende Zombies oder ein fleischfressendes Virus ersetzt werden. Zwar versucht der Film, die Ausbeutung anderer Lebewesen zu Vergnügungszwecken oder die Arroganz des Menschen durch die im Labor entwickelten Schöpfungen – das Gott spielen – kritisch zu thematisieren, doch die kritische Thematisierung ist spätestens dann Nebensache, wenn ein Flugsaurier sich mal wieder spektakulär auf einen Besucher stürzt und ihn mit einem laufenden Imbiss verwechselt. Grundsätzlich also alles beim Alten im Jurassic Park. Die Dinos sind vielleicht ein bisschen grösser geworden oder sehen schöner aus. Die menschlichen Dramen sind nach all den Jahren auch noch die gleichen: Eine Familienzusammenführung, ein ungleiches Liebespaar, die Menschen in den Mägen grosser Saurier – ganz schön dramatisch all das.

Den Höhepunkt des ansonsten recht flachen Films aber bildet der Schluss, und ich meine das nicht ironisch, also so, als ob der lang ersehnte Abspann dieser Höhepunkt gewesen sei. Ich würde gerne verraten, was es genau ist, das einem in diesen letzten Minuten des Films den Atem raubt, aber ich könnte das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Stattdessen folgt jetzt eine Anekdote mit Bildungsinhalt:

Lange Zeit ging die Wissenschaft davon aus, dass der Tyrannosaurus Rex, das Sinnbild für unsere Vorstellungen über Dinos, wegen seiner kurzen Arme ausgestorben sei. Die Männchen konnten damit beim Liebesspiel nicht auftrumpfen – den weiblichen Sauriern fehlte das gewisse Etwas, denn man weiss, wie wichtig Hände und zärtliche Berührungen beim Liebesspiel sind. Das ging natürlich nicht lange gut und die weiblichen Saurier hatten genug von der Paarung und den mangelhaften Liebhaberqualitäten ihrer Männchen. Sie gingen fort, entschwanden dem Antlitz der Erde und wurden nie wieder gesehen.

Den Rest der Geschichte findet ihr in Museen in eurer Nähe und das noch historisch wesentlich akkurater als im Film Jurassic World oder in der vollkommen frei erfundenen Anekdote, die ich soeben erzählt habe.