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Die Deutschen Punker die ärzte begleiten mich seit der Grundschule und haben mich immer mehr fasziniert als beispielsweise die Toten Hosen. Die Rivalität ist mittlerweile Geschichte und das Trio aus Berlin kommt mit dem Album auch am 11. Juni ins Hallenstadion.

jt.Es ist überflüssig, zu erwähnen, dass das Konzert bereits ausverkauft ist. Denn die ärzte ziehen seit der Neugründung 1993 in ihren Bann. Das erste Mal kam die Band 1982 zusammen, wurde 1986 indiziert und löste sich durch die widrigen Umstände 1989 schliesslich auf. Aus dieser frühen Zeit ist letztes Jahr sogar der bislang unbekannte Song Eva Braun aufgetaucht. Das Lied zeichnet ein heute ungewohntes Bild der Punkrocker.
Denn die ärzte haben den Punk salonfähig gemacht. Wie die Ramones arbeiten sie mit eingängigen, poppigen und kindlichen Melodiebögen. So schmuggelten Farin Urlaub, Bela B und Rod ihre bissige Ironie bis in die konservativen Wohnzimmer der vorstädtischen Saubermannquartiere. Damals haben mich Songs wie Männer sind Schweine oder Hip Hip Hurra gefangen. Ich verstand die Ironie, die Kritik in den Texten noch nicht. Später kamen Arschloch oder Deine Schuld hinzu und ich begann zu begreifen, worauf die ärzte hinaus wollten. Und manche behaupten, dass sich die ärzte selbst zu sehr vermarkten um noch Punk zu sein, aber das ist eine Fehleinschätzung, führen sie doch ihre „Revolution“ auf einem hinterlistigen Weg weiter. Mal sind sie vordergründig derart konform, dass einem das Kotzen kommt, dann stossen sie alle wieder vor den Kopf wie mit dem Video zu Junge, welches sie nach der behördlichen Intervention gleich selbst zensierten. Auch mit der neuen Scheibe auch bleiben sie ihrem juvenilen, naiven Stil treu. Zu allen 16 Songs wurde ein einfach Video produziert und auf YouTube gestellt. Vor ihnen hat das noch keine grosse Band einen solchen Schritt gewagt. Den ärzten kann es egal sein, blicken sie doch auf gut sieben Millionen verkaufte Tonträger allein in Deutschland zurück.
Die „beste Band der Welt“ wird für mich immer unfassbar sein, weil ein Teil der Kindheit und Jugend. Man neigt dazu, Helden aus dieser Zeit zu glorifizieren. Aber mal ehrlich, die Musik der ärzte macht – egal wie viel Anklagepunkte darin versteckt sind – einfach gute, optimistische Laune.

Bild: zVg (Nela König)