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Am Sonntag durfte das Publikum im Komplex 457 ein musikalisches Wechselbad erleben. Die Apokalyptischen Reiter brachten gleich zwei geniale Vorbands mit, welche genauso originell und kreativ waren.

Das Publikum hat bestellt und Starclick tischte im Komplex 457 einen prickelnden Dreigänger auf. Der Apéro war ein dänischer Leckerbissen namens Malrun. Mit einer fein abgestimmten Mischung aus diversen Sparten des Metals und Rocks lieferten die fünf Männer ein musikalisch aufregendes Erlebnis. Die Stimme des Sängers Jacob Loebner löste einen gewissen Wow-Effekt aus. Das Muskelpaket hat echt Saft in seiner Stimme und könnte so manchen Altrocker aus den 80ern den Rang ablaufen. Malrun positioniert sich aber anders mit harten Gitarrenriffs, wuchtigen Rhythmen und ganz vielen kreativen Melodien. Schade, dass der grösste Teil des Publikums noch gar nicht da war und in den vollen Genuss kam.

Rockzirkus mit ganz eigenem Stil

Die Bühne wurde flink umgebaut und das Programm ging zügig weiter. Als nächstes Stand ein österreichischer, aber irgendwie interkontinental klingender Happen auf der Menukarte. Genau so wie Kontrust aus den Boxen dröhnen, dürften wohl blaue Spaghetti mit grüner Tomatensauce schmecken: witzig, unterhaltsam, interessant und einfach originell. Wer bis anhin noch nicht wusste, was Crossover ist, der ist nach diesem Konzert voll im Bilde. Ihre Musik ist sehr facettenreich, verspielt und doch so verschämt brachial. Ein wahrer Rockzirkus. Zusätzlich zu Gitarre, Bass und Schlagzeug sind sie mit einem weiteren Drumset inklusive einigen Djembes bewaffnet. Das Vocal bilden die Sängerin Agata Jarosz und der Sänger Stefan Lichtenberger. Sie brachte einen gewissen indianischen Touch ins Spiel und er mit seiner manchmal nasal tönenden Stimme einen coolen Ragga-Skat-Stil. Mit ihrer lebendigen Show ist es Kontrust auf alle Fälle gelungen, das Publikum für die Meister des Chaos einzustimmen. Der Sänger erkannte es am Schluss schmunzelnd: “Wir hampeln halt noch etwas spastisch auf der Bühne herum. Uns Österreichern fehlt einfach das Schokoladen-Gen.“ Dem Publikum wurde dennoch mitgerissen und der Dessert wartet ja auch noch auf sie.

Zum Schluss kommt bekanntlich immer das Beste

Götterspeise mit schwarzem Wodka? So oder ähnlich würden die Apokalyptischen Reiter ihren Dessert vielleicht beschreiben. Sündig, erfrischend und göttlich originell, wie man sie kennt. So machten sie auch mit ihrem provokanten Bühnenbild ihrem Ruf alle Ehre. Der Keyboardspieler mit seinem Lack und Leder Dress, welcher mit Stacheln überzogen war, machte wohl jeden Fetischisten hungrig. Im Wechsel schaukelte er auf seiner Kinderschaukel oder schwang seine Peitsche so wild, dass sie sich auch mal am Pfosten der Schaukel verhedderte. Mit etwas muss er ja seine Glatze kompensieren, wenn ihm die langen Haare fürs Headbangen fehlen.  Naja, und wer eher weniger auf solche deftigen Sachen steht, dem verging der Appetit bei diesem Anblick dann doch vielleicht. Aber es gab ja noch mehr Sehens- und Erlebenswertes.

Mit Effekten wurde nicht gegeizt. Schon nach dem ersten Lied Wahnsinn knallten rote Konfettis von der Bühne und liessen das Publikum begeistert aufschreien. Und auch beim Lied Der Adler  durfte ein Fan waghalsig von der Bühne in die Menge springen und sich über die nach Bier und Schweiss riechende Luft tragen lassen. Das muss ein wahres Erlebnis gewesen sein.  Irgendwie erinnerte das Konzept der Show  aber ein wenig an Rammstein. Nicht zuletzt auch weil der Sänger Daniel „Fuchs“ Täumel eine Latzhose trug, die seit Till Lindemann wieder trendy zu sein scheint. Auch das Gummiboot, in welchem eine Seemannsbraut aus dem Publikum, über die Köpfe der Zuschauer getragen wurde, ist nichts Neues. Ein paar frische Ideen würden der Show gut tun. So richtig schockierend, wie die Shows der Apokalyptischen Reiter oft bezeichnet werden, war sie nämlich nicht. Aber allen in Allem war das Konzert reichlich unterhaltsam. Die Band ist sehr Publikumsnah und bringt mit ihren Texten vielseitige Emotionen rüber.

Ja, und zum Schluss wurde es dann doch auch noch schlimmer als es ist.. Nach der lengedären Wall of death zu Iron Fist kam dann der krönende Abschluss. Zu Die Sonne scheint türmten einige Fans die Bühne und streckten dem restlichen Publikum ihren blanken Hintern entgegen. Hätte man einen Arsch-Contest veranstaltet, hätte es davon wohl keiner auf die Bühne geschafft. Was die Publikum unten dann mit “Einer geht noch, einer geht noch rein“, genau aussagen wollte, soll hier nicht zu Ende diskutiert werden…