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Wer nicht in Luzern am 5 Jahre Negative White-Konzertabend war oder keine Lust hatte, sich in Zürich einen Spiessrutenlauf zu geben, der war im Z7. Nicht ganz voll war die Konzertfabrik, dafür hatte man genug Platz zum Tanzen und Feiern.

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ASP in Aktion (Foto: Matt Hoffmann)

 

Den Auftakt gaben Spielbann. Eine Band, die ich persönlich noch nicht gekannt hatte. Dem Publikum im Z7 schien es teils nicht anders zu gehen. Ausser ein paar Kennern gesellte sich der Rest gemächlich vor die Bühne. Seb Storm und Nic Frost liessen ihre Stimmen sprechen und verzauberten die Menge im Nu. Die Texte lockten zum richtigen Zuhören, so war das Mitfühlen dann auch nicht mehr weit entfernt. Ein sehr kurzweiliger Auftritt, mit sehr präziser Sprache, der meinetwegen ruhig ein bisschen länger hätte dauern dürfen.

Diary of Deams bildeten die goldene Mitte, bevor der Headliner ASP das Publikum beglücken sollte. Das war leider auch bitter nötig. Denn nach dem dritten Song kündigte Adrian Hates die Reise in die Vergangenheit an. Bitte? Nicht, dass die alten, schon etliche Male gehörten, Songs nicht klasse wären, aber da ist doch ein 2014 erschienenes Album auf dem Markt. Elegies in Darkness kam meiner Meinung nach etwas zu kurz. Nun muss man fairerweise sagen, dass bei Diary of Dreams an diesem Abend ein Mitglied fehlte. Bei The Wedding feierten allerdings alle im Publikum richtig mit. Trotz ewig gleicher Songwahl: Es war wie immer ein toller Auftritt, der ebenso kurzweilig wie die Vorband war. Denn Diary of Dreams rocken, egal, mit welchen Songs sie auf die Bühne kommen.

Es ist dennoch nicht zu leugnen, dass die Halle insbesondere dem Auftritt von ASP entgegenfieberte, denn der letzte Auftritt, den wir mit Alexander ASP Frank Spreng in der Schweiz erleben durften, lag nun doch schon etwas in der Vergangenheit. Der Einzug auf die Bühne liess das Publikum etwas stutzen, denn für Gitarrist Lutz stand ein Stuhl bereit. Nein, das war alles andere als eine Alterserscheinung. Lutz hatte sich eine Stunde vor dem Konzert das Knie verdreht und hätte eigentlich zum Arzt gehört. Dennoch wollte er das Konzert durchziehen und die Fans nicht im Stich lassen. Ein grosses Dankeschön dafür, denn es hätte wohl jeder Verständnis gehabt, wenn er den Arzt dem Publikum vorgezogen hätte. Ganz schön tapfer der Lutz, denn die Schmerzen, die er durchlebte, waren sichtbar.

Nun – ASP stieg kraftvoll mit einem gefühlten 15 Minuten langen Medley aus den bekanntesten Songs in ein energiegeladenes Set ein, welches durchs Band begeisterte. Wahrscheinlich ist es die Seltenheit der Auftritte, die einfach jeden Song zu einem Highlight machte. Und jeder Wunsch wurde erfüllt. Von Denn Ich Bin Dein Meister bis hin zu Und Wir Tanzten und Ich Bin Ein Wahrer Satan war einfach alles vertreten. Es fühlte sich an, als hätte man einen Party-Mix mit wirklich nur den besten Liedern gemacht. Wirklich nur die Lieder, die total reinknallen. Dies kann sich ASP nach 15 Jahren Bandgeschichte auch durchaus erlauben. Frank Spreng begeisterte mit einer unheimlichen Energie, die scheinbar keine Grenzen kannte. Er liess sich zurecht von seinen Fans feiern und schaffte somit eine Atmosphäre, die greifbar in der Luft lag. Kein Mensch stand oder sass mehr still in der Halle. Auch die Rufe nach Ich Will Brennen trug er mit Fassung. Natürlich wollten wir das alle hören, aber wir wussten auch, dass dies bestimmt das letzte Lied sein sollte. Das Zugabe-Szenario wurde dann auch mit viel Witz abgekürzt, da der arme Lutz sicher nicht in der Verfassung war, die Bühne nochmals zu verlassen, um sie dann gleich wieder zu betreten. Schlussendlich kam das Publikum dann auch in den Genuss von Ich Will Brennen, welches man sicherlich schon genug gehört hat, live aber immer wieder einfach das Highlight schlechthin ist. Danke für diesen aussergewöhnlichen Abend!