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Am 19. Mai 2015 gab Herbert Grönemeyer dem Zürcher Hallenstadion die Ehre. Vorab, ich bin kein Herby-Fan – die Tickets waren eine Überraschung für meine Begleitung. Ob ich einer geworden bin nach seinem Auftritt…?

Der kalte, regnerische Dienstag zeigte sich von seiner schlechten Seite. Umso einladender war das trockene, zum Bersten volle, Hallenstadion. Herbert Grönemeyer war schon am Singen, als wir eintrudelten, und die Stimmung deutlich spürbar – lebensfroh, energievoll, geladen.

Nach einigen Songs plauderte er über seine Tanzkünste: «Oben muss man steif sein, unten, in der Hüfte, locker.» – Sofort setzte er das Gesagte in Taten um und tänzelte wie ein junger Hund in seinen weissen Sneakers rum, was das Publikum mit tobendem Applaus anerkannte. Ich musste schmunzeln, sympathisch war er auf alle Fälle! Beim Song Männer sprang schlussendlich jeder von seinem Sitzplatz und tanzte johlend mit. Ich liess mich von der Menge mitreissen und sang die paar Wörter mit, die ich kannte.

Zwischendurch wurde das Piano an der Bühnenfront platziert, der Stuhl gerichtet und Herbert legte los. So laut und johlend es vorher noch war, kippte die Stimmung augenblicklich. Mucksmäuschenstill, konzentriert und angespannt lauschte die Menge dem Deutschen wie er Der Weg oder Flugzeuge im Bauch von sich gab. So schnell er von aufgedreht zu ruhig wechselte, schraubte er die Stimmung von gemächlich zu laut um. Wieder tanzten die Leute, wieder sangen sie jede Strophe mit und hüpften dazu. Grönemeyer nutzte die Gelegenheit der aufmerksamen Masse, um über die Welt und seine Bewohner zu sprechen – Religion, Flüchtlinge, Natur. Aus aktuellem Anlass der afrikanischen Flüchtlinge, welche den Weg über das Meer nehmen müssen, sang er Roter Mond vom gegenwärtigen Album Dauernd Jetzt.

Nebst den Weltproblemen sprach er mit einem zugeworfenen Herr Bär und zeigte durchaus Entertainer-, wenn nicht schon Komödianten-Potenzial. Die Show ging nach knapp zwei Stunden zu Ende. Dachten wir! Herbert liess sich von zitternden, nach vorn gebeugten Händen und zeitgleichem «Oooooooh» der Fans nochmals auf die Bühne zitieren. Feiernd gab er eine Zugabe – wenngleich eine ruhige Nummer am Piano. Erneut führte er seine Klavier-Künste vor. Nach gut 15 Minuten war die Zugabe vorbei. Falsch! Erneut liess er sich von der Masse hervorrufen. Wieder spielte er, wieder lagen ihm seine Fans zu Füssen. Diese Einlage dauerte ungefähr 20 Minuten. Diesmal scheint es definitiv zu sein! Obwohl Zeit was sich dreht noch tatkräftig vom Publikum weiter gesungen wird, scheint es vorbei zu sein. Doch wieder lag ich falsch! Er rannte ein drittes Mal auf die Bühne und der Hoopieshnoopie-Remix von Fang mich an sprudelte los. Zeitgleich strömte Konfetti über die Band und das Publikum. Es war der krönende Abschluss einer unterhaltenden Show!

Mein Fazit? Herbert Grönemeyer kann mit seinen 59 Jahren noch locker mit den jüngeren Kollegen mithalten. Die Show war erfrischend, unterhaltsam, positiv. Die ruhigeren Songs waren nicht mein Ding, dafür jene mit viel Gitarrenriffs umso mehr. Ob ich ein Fan geworden bin? Nein. Aber ich bin definitiv von einigen Songs angetan sowie von seiner Persönlichkeit (Komischerweise habe ich mir den Herrn als unlustig und spiessig im Kopf implementiert. Dieses Bild hat sich definitiv geändert)! Ich würde also durchaus nochmals an ein Konzert von ihm gehen.