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Auch dieses Jahr sind wir zu Pfingsten wieder nach Leipzig gepilgert. Hier gibt’s den Stimmungsbericht vom Wave Gotik Treffen.

Freitagmittag und Leipzig ist bereits komplett in Schwarz gehüllt. Von überall strömen die Besucher des 26. Wave Gothic Treffen in die Stadt. Doch nicht nur die Anzahl der schwarzen Menschen auf der Strasse steigt, sondern auch die Hitze. Gut 28 Grad waren es zeitweise und unter den prächtigen Kostümen und der vielen Schminke wurde es ganz schön heiss. Das mag vielleicht der Grund sein, weshalb sich an diesem Freitag viele der Besucher für ein eher freizügigeres statt prunkvolles Outfit entschieden haben.

Ganz besonders hat man das beim viktorianischen Picknick gemerkt. Zwar gab es nach wie vor sehr eindrücklich Outfits, jedoch hat man in den Vorjahren auch schon mehr gesehen. Dem spielten der neue, etwas gelockerte Dresscode in die Hand. Grundsätzlich ist soviel Toleranz und die Einstellung «come as you are» sehr löblich, aber es gibt doch ein paar Veranstaltungen und Orte, bei dem ein Dresscode Sinn macht: Dazu zählen das viktorianische Picknick, das Steampunk-Treffen, die Fetischparties und die Oper. An diese Orte geht man nur, wenn man sich mit Gleichgesinnten treffen möchte. Daher sollten an solchen Treffen alle Anwesenden entsprechend gekleidet sein und nicht die Hälfte als Fotografen im Shirt daneben stehen.

Ansonsten schien alles ein wenig beim Alten geblieben. Ähnliche Stände in der Agra und im heidnischen Dorf. Kleinere Bands, die in der Innenstadt oder auf einer kleinen Seitenbühne ihre ersten Festivalerfahrungen sammeln durften, gutes Essen – auffallend viel vegetarisches und veganen Angebot – und soviel Met und Bier, wie das Herz begehrte.

Manchmal sind es aber die kleinen aber feinen Unterschiede, die das WGT auch nach all den Jahren immer wieder zu so einem coolen Event machen. So trifft man hier immer wieder auf Leute, die man kennt, selbst wenn Leipzig gar nicht mal so klein ist und es über 30 grosse Veranstaltungsplätze über die ganze Stadt verteilt gibt. Die zusätzlichen Strassenbahnen machen das Umherpilgern sehr angenehm und die einzelnen Stände nehmen auch immer wieder neue Trends mit auf.

Schwankender Samstag

Samstag war vor allem tagsüber Kulturtag: Die Museen waren – vor allem da auch das Wetter umschlug – gut gefüllt und die Theater überlaufen und ausverkauft. Leider gab es keine so grosse Theateraufführung wie in den letzten Jahren, was vielen WGT-Besuchern negativ auffiel.

Dafür gab’s wieder massenweise Stände und Schauplätze für kleinere Bands, die am Strassenrand oder auf kleinen Nebenbühnen spielten. Auch fand an diesem Abend das Fetischtreffen im Volkspalast statt. Ein Event, welches den Dresscode zum Glück wieder etwas strikter sah und bei dem auch eine Altersgrenze von mindestens 18 Jahren gegeben sein musste. Im Gegensatz zum Steampunk-Picknick, was zwar auch mit einem Dresscode auffuhr, jedoch war hier die Location etwas ungünstig gewählt und vielen Besuchern gefiel es vor allem im Gegensatz zum letzten Jahr nicht so sonderlich.

Überraschend erfrischend, waren die Lesungen von Markus Heitz, der einen mit seinen Meisterwerken in die verschiedensten Fantasiewelten entführte. Die Stimmung war über den Tag allgemein irgendwie etwas gedämpft, was an dem schwankenden Wetter und dem Umherpilgern gelegen haben könnte. Gegen Abend verschlechterte sich zwar das Wetter, aber durch den Start diverser Konzerte lichtete sich dafür die Stimmung der Besucher und so wurde erneut bis in die späten Morgenstunden gefeiert, getanzt und getrunken.

Abreisetag

Sonntagmorgen konnte man sich vor Regen kaum retten, aber zum Glück hellte es dann am Nachmittag ein wenig auf. Die Agra war noch überfüllter als die letzten beiden Tage und viele Menschen erledigten ihre letzten Einkäufe, bevor alles weg war.

Zudem stand am Sonntag ein Konzert nach dem anderen an. Die Stimmung war fantastisch und es erfüllte mich mit Wehmut, dass ich am späten Abend schon zurück musste, meine Taschen zu packen und mich auf den langen Rückweg in die Schweiz zu begeben. Das WGT war wieder einmal ein eindrückliches Spektakel, was von den Menschen, die es besuchen, belebt wird. Unterschiedlichste Events und Anlässe für jedes Alter und jeden Geschmack bietet und trotz der vielen schwarzen Kleidung, doch irgendwie kunterbunt war.

Diversität ist hier kein Thema, sondern wird gelebt. Toleranz gehört mit dazu. Hoffentlich nehmen wir alle ein wenig von diesem Gefühl auch ausserhalb des Pfingstwochenendes mit.