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Edinburgh ist nicht nur die Hauptstadt von Schottland. Edinburgh ist nicht nur eine schöne Stadt. Edinburgh ist die Stadt mit dem Plattenladen ohne Plattenspieler – dafür kann man dort Django Django-Scheiben kaufen.

Letztes Jahr oder das Jahr davor war ich einige Zeit in Edinburgh. Nach einigen Tagen hatte ich die Stadt zur Genüge erkundet, einige Kaffees und Museen besucht, da nahm ich mir die Zeit, meine kleine aber feine Plattensammlung aufzupeppen. Also kurz im Internet nach «Recordstore Edinburgh» gegoogled und die Ergebnisse angeschaut.

Der Laden mit dem Namen Avalanche Records erschien zuoberst, auch auf anderen Seiten wurde auf diesen verwiesen. Er sei einer der Besten. Ich fragte auch Leute, die ich kennen gelernt hatte und immer wieder fiel der Name Avalanche. Also begab ich mich zum Grassmarket und suchte das Haus mit der Nummer fünf.

Suchen war eigentlich nicht angesagt, ist der Laden von aussen doch gut ersichtlich. Also hinein in die gute Stube und stöbern. Ich überflog zwei, drei Stapel, fand viele interessante Dinge. Ich schaute mich um. Wo ist der verdammte Plattenspieler, fragte ich mich.

Es war keiner zu sehen. Also ging ich scheu zum Tresen, das Gewicht der Platten unter meinem Arm machte mir zu schaffen, und fragte den Typen dort: «Hey, could you tell me where the record player is?». Er schaute mich an und lachte: «We don’t have one.» Er erklärte mir den Grund: Angeblich hätten viele Leute früher bei ihm Musik gehört, sich die Musik notiert und heruntergeladen, aber einfach nicht bei ihm gekauft. Zusätzlich hörten sich die Kunden heutzutage angeblich die Musik vermehrt mit dem Handy an.

Also die logische Konsequenz: Plattenspieler verbannen und interessierte Kunden auf der Suche nach Neuem, so wie ich, vom Kaufen abhalten. Da ich aber unbedingt ein Souvenir wollte (und zu dem Zeitpunkt die anderen Läden noch nicht abgeklappert hatte), fragte ich ihn nach einer Empfehlung.

Generell mach ich das gerne, es ist ein simpler Trick um die musikalische Filter Bubble auszutricksen. Der Ladenbesitzer empfahl mir Django Django, eine britische Band. Ich durfte sogar auf der «grossen» Stereoanlage, die den ganzen Laden beschallte, probehören.

Später ging ich mit nur einer Platte aus dem Laden. Die Platte heisst Django Django, wie die Band. Es ist ein Album, das ich so fest mit diesem kuriosen Erlebnis vom Plattenladen ohne Plattenspieler assoziiere, dass ich gar nicht sagen kann, ob es gut ist. Also einfach anhören und selber eine Meinung bilden.

Übrigens ist der Laden nicht mehr am Grassmarket. Der Betreiber sucht zurzeit einen neuen Standort.