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Papst Franziskus, der beste Freund von Vater, Sohn und Heiligem Geist, hat momentan viel zu tun. Um die Welt reisen, Staatsmännern die Hände schütteln, Frieden und Liebe propagieren und nebenbei die Kirche reformieren. Doch auch neben diesem vollen Pensum, schafft der Mann es noch, zu singen.

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Ich dachte bisher immer, Karel Gott, der deutschen Schlager singende Tscheche, sei so etwas wie die singende Lerche oder Nachtigall Gottes auf Erden, schon dem Namen nach. Aber dann kam das verhängnisvolle Jahr 2008, in dem der Namensvetter des allmächtigen Herrn ein Lied mit Bushido aufnahm und, wie einst Luzifer, aus Himmels Höhen gefallen sein musste. Niemand war mehr da, der den Namen des Herrn in die glitzernde Popwelt hinaustragen würde. Das Ende der Menschheit schien unabwendbar, die apokalyptischen Reiter hatten schon ihre Pferde gesattelt und warteten, um Unheil über die Welt zu bringen.

Aber so weit wird es nun nicht mehr kommen.

«Bringt eure Pferde zurück in den Stall!» – will man Krieg, Tod, Hunger und Krankheit – den vier ziemlich übel gelaunten Endzeitbuddies – freudig entgegenrufen, denn der Papst persönlich hat zum Mikrofon gegriffen. Ich habe das Lied schon gehört. Und ich wasche meine Hände in Unschuld, wenn ich jetzt sage, dass der Song, auf dem Papst Franziskus in zeitgenössischem Sprechgesang – wobei man das «Gesang» getrost weglassen kann – die frohe Botschaft von rockigen Gitarrenklängen unterlegt unter die Menschen bringt, mein Fall nicht ist. Aber man will es sich mit dem Allmächtigen ja auch nicht verscherzen. Das ewige Heil meiner Seele ist mir weit mehr wert als die Unversehrtheit meiner Gehörgänge, ich bitte um Verständnis. Und deshalb läuft das Lied bei mir jetzt rauf und runter. Gerne würde ich meine ganze Nachbarschaft damit beschallen, um die ein oder andere Seele mehr vor dem Fegefeuer zu retten.

Aber meinen missionarischen Eifer würden die Menschen, ich weiss es, genauso kaltherzig unterbinden wie damals, als ich sie davon zu überzeugen versuchte, dass Helene Fischer ein auf die Erde hinabgestiegener, russisch-deutscher Engel sei. Man kann es nicht allen recht machen. Auch dem Papst wird das nicht gelingen. Vielleicht war das aber auch gar nie sein Ziel. Vielleicht war der Song nicht als frohe Botschaft, nicht als Licht der Hoffnung im finsteren Tale gedacht, sondern als etwas zivilisiertere, dem Zeitgeist angepasste Form der Selbstkasteiung. Die war der letzte Schrei zur Gottesfindung bei den Katholiken des Mittelalters. Man hat sich mit Peitschen und Ruten den Rücken blutig geschlagen und jeder, der ernsthaft zur hippen Untergrundszene der Gottesfürchtigen gehören wollte, hat da mitgemacht.

Sollte das Lied also als Folterung seiner selbst gedacht sein, dann kann man den Papst zur gelungenen Arbeit nur beglückwünschen.