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Am finnischen Unabhängigkeitstag, am 6. Dezember verabschiedete sich HIM in Zürich von den Schweizer Fans – ein lachendes und weinendes Auge für alle Love-Metal-Fans.

Er sei der attraktivste Mann, den er je gesehen habe, meinte Ricky von der Vorband Biters. Ein Statement mit Kreischalarm. Die Biters aus Atlanta spielten als Vorband beim Auftritt von HIM und plauderten dabei aus dem Nähkästchen. Sie hätten Ville nur einmal in den zwei bereits vergangenen Wochen auf deren Abschieds-Tour gesehen. Er sei halt echt ein mysteriöser Typ.

DIe Biters hingegen präsentierten sich ganz offen und publikumsnah. Sie hatten es ein wenig schwer bei diesem melancholisch angehauchten Publikum, welches kaum Emotionen zeigte. So munterte der Leadsänger eine Besucherin auf, mal wenigstens so zu tun, als ob sie Spass hätte, denn wenn sie lächle, sehe das viel besser aus. Ich war etwas überrascht über ihren Sound und zwar echt positiv. Der elektronisch angehauchte Rock’n’Roll mit coolen Gitarrenriffs klang paradoxer Weise sehr frisch und zugleich oldschool.

Auch wenn die Band stimmlich nicht ganz so und frisurentechnisch überhaupt gar nicht mein Ding war, haben die Jungs echtes Potential.

Bescheidenes Publikum

Pünktlicher hätten HIM darauf nicht loslegen können. Punkt 21 Uhr ertönte das fiese Intro: Bye Bye Love, worauf HIM selber mit Buried alive by love loslegten. Neben den kreischenden Gitarren war das Gekreische der Mädels vorprogrammiert – und dies eigentlich das ganze Konzert durch jedes Mal, wenn Ville in eine bestimmte Richtung blickte oder einfach vor sich hinlächelte. Die sonstige Publikumsbeteiligung war eher bescheiden. Neben Mitklatschen und gelegentlichem Mitsingen bewegte sich nichts. Und das, obwohl HIM eine solide Show ablieferten.

Ville auf der Bühne wurde ja meistens unter kritischem Blickpunkt betrachtet. Mit seinen gelegentlichen Alkohol-Eskapaden auf der Bühne oder wenn er sonst einfach mal wieder keinen grossen Bock hatte, machte er sich seinen Namen. Würde der Finne mit seiner Mütze nicht so schnuckelig lächeln und so verdammt gut singen, hätte er sich das wohl kaum erlauben können. Die Fans verzeihen es ihm, darum war die Show wohl auch bis auf den letzten Platz schon Wochen im Voraus ausverkauft.

Lachendes und weinendes Auge

Leider war der Sound zumindest zu Beginn mal wieder schlecht abgemischt. Ich frage mich immer, wie das nach dem Soundcheck noch passieren kann. Mit der Zeit dünkte mich die Qualität aber immerhin etwas besser und Ville musste sich, so schien es mir zumindest, wohl auch erst warm singen.

HIM spielte einen Klassiker nach dem anderen, ohne grosse Pausen. Gelegentlich riss Ville einen Joke, lobte das X-Tra mit seiner tollen Übernachtungsmöglichkeit oder bedankte sich bei den Fans, welche ihm allerlei Dinge auf die Bühne geworfen haben. Die restlichen Bandmitglieder blieben stumm, spielten aber dafür umso energievoller.

Das Konzert war definitiv eines der besseren in den letzten Jahren, zumindest von denen, welche ich gesehen habe. Aber ich muss sagen, ich höre die Band doch lieber gleich ab Platte, dann weiss ich was ich erhalte: Love-Metal vom Feinsten. Und das Gute ist, auch nach ihrem Abschied, kann ich das weiterhin machen, ohne Angst zu haben in meinen Erwartungen enttäuscht zu werden. Darum ein Abschied mit einem lachenden – die Musik lebt weiter – und einem weinenden – Augenschmaus Ville gibt es so schnell nicht mehr – Auge.