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Der Konzertbericht von The Beauty of Gemina liess mich unzufrieden zurück. Weil ich das Gefühl hatte, das etwas fehlte. Nun habe ich das vermisste Puzzleteil gefunden.

Vier Tage sind seit dem Konzert von The Beauty of Gemina im Zürcher X-Tra verstrichen. Am vergangenen Dienstag erschien unser Konzertbericht, der unter den Fans kontrovers diskutiert wurde. Der Grund dafür war insbesondere die folgende Passage:

«Vielleicht waren die Erwartungen zu hoch gesteckt, aber am Ende blieb trotz der Qualität ihrer Performance ein ambivalenter Eindruck. Da ist eine kleine Lücke. Irgendetwas wurde vermisst, ohne dass ich sagen könnte was.»

Ich habe mich an diesem Konzertbericht abgemüht. So wie er publiziert worden ist, hinterlässt er einen Eindruck der Show, der deutlich negativer ist als die Realität. Grundsätzlich ist es verdammt schwer, über etwas zu schreiben, das man als gut empfunden hat. Gut, nicht überragend. Und auch nicht miserabel. Diese Texte gehen leicht von der Hand. Meine eigene Unzufriedenheit hat mich dazu gezwungen, über das Konzert nachzudenken – selbst als der Artikel längst durchs Netz schwirrte. Ich musste den Grund für das Gefühl des Fehlenden finden – denn sonst bliebe auch der Bericht unvollständig.

Also forschte ich nach, liess das Konzert nochmals Revue passieren. Da kam mir ein Gedanke, der eine Erklärung für das ambivalente Gefühl bietet:

Die Erwartungen waren hoch gesteckt. Wie jedes Mal, wenn The Beauty of Gemina im X-Tra auftreten. Gerade dieses Jahr gab es mit dem neuen Album Minor Sun und dem zehnjährigen Jubiläum genug Grund zu feiern.

Und tatsächlich spielten The Beauty of Gemina die wohl professionellste Show ihrer Karriere voller Selbstvertrauen. Abgesehen von der Stimme, die im Mix regelmässig unterging, war es ein tadelloser Auftritt. Das Problem, das The Beauty of Gemina aus meiner Sicht in die Parade gefahren ist, ist reiner Luxus: Alle ihre Konzerte spielen sie auf sehr hohem Niveau. Höher als der Durchschnitt, denn Michael Sele ist ein hoffnungsloser Perfektionist.

16 Konzerte der Band habe ich nun gesehen, keines hat mich wirklich enttäuscht. Sie waren mal besser, mal virtuoser, mal intimer, mal vielleicht etwas müde. Aber immer griffen sie nach der höchsten Sprosse.

Das macht es The Beauty of Gemina deutlich schwerer, eine alles überragende Show zu bieten, wurde doch die Erwartungshaltung ins Unermessliche gesteigert. Die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Realität war deshalb die Ursache für den ambivalenten Eindruck ihres Konzerts.

Nun kann man sich fragen: Ist das schlimm?

Nein. Dass sie meine hohen Erwartungen nicht erfüllen konnten, verzeihe ich ihnen selbstverständlich. «Mitschuld» haben The Beauty of Gemina insofern, dass sie uns stets mit ihrem Besten überzeugen wollen. Niemals würden sie eine Show einfach nur so spielen, dass sie gespielt ist. Anklagen kann man die Band deshalb natürlich nicht, bewundern jedoch schon. Es ist auch eine beruhigende Garantie für die Fans und Neugierigen, die künftige Konzerte besuchen werden.

Währenddessen warte ich gespannt auf die Aufnahmen, die The Beauty of Gemina von ihrem Konzert gemacht haben. Der Vergleich zwischen Wahrnehmung und der Video-Dokumentation wird interessant werden.