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Passenger ist ein guter Musiker. Aber mehr noch: er ist ein Unterhalter. Dabei schafft es der junge Brite, an einem Konzertabend das ganze Publikum zum Schweigen und zum Lachen zu bringen, und während man ihn einmal kaum hört, reisst ein anderes Mal die Saite der Gitarre. Über einen unterhaltsamen Abend in der Eishalle Winterthur.

Passenger

Mike Rosenberg alias Passenger erfreute das Schweizer Publikum. (Foto: Michelle Brügger)

Mike Rosenberg weiss, dass er nicht der Grösste ist; weder physisch noch musikalisch. Er weiss, wo seine Grenzen liegen, und schafft es gekonnt, darüber hinwegzutäuschen, mit viel Mut, Selbstironie und Ehrlichkeit. Die Songthemen schnappt sich der bärtige Kerl aus Brighton direkt aus dem Leben. Mal erzählt er mit seiner unverkennbaren Stimme, wie viel wir nicht verstehen vom Leben und der Liebe und wie oft es unfair zu und her geht in der kalten grauen Welt, und wie oft es genau das ist, was das Leben lebenswert macht: «Well sometimes you can’t change and you can’t choose | And sometimes it seems you gain less than you lose | Now we’ve got holes in our hearts, we’ve got holes in our lives | But we carry on» (Holes 2014). Und auch seine Bescheidenheit macht ihn aus: «I don’t have many and I don’t have much | In fact I don’t have any but I have enough» (Heart’s On Fire, 2014). Also alles in allem nichts, was nicht schon andere gemacht hätten.

Und das nutzt Mike Rosenberg. Denn jeder wird nach einem Konzert von Passenger eines begriffen haben: die Qualität seiner Musik liegt nicht an den gängigen Melodien oder den herzzerreissenden Texten, sondern darin, wie er sie performt. Und genau das macht ihn zu einem der wichtigsten Musiker der jüngeren Zeit: in einem System, in dem Halb-Poeten und Fast-Musiker für das Schreiben von Songs bezahlt werden und in denen der Wert eines Stücks mit einem Geldpreis bestimmt werden kann, ist es von absoluter Notwendigkeit, dass es noch Musiker gibt, die ein einmaliges Konzerterlebnis bieten. Denn das kann man nicht lernen, man kann es nicht kaufen, niemand anderes kann es für einen tun. Gefühle sind schön und gut, aber jeder hat sie, und im Zeitalter der Selbstinszenierung gibt es auch viele, die sie auszudrücken vermögen. Aber eines bleibt den guten Musikern vorbehalten: dass man sich einen Abend lang mit Hunderten anderer Menschen im Einklang fühlt.

Darin ist er allerdings einer der besten. Nicht zu Unrecht bemerkt die Begleitung, wenn es mit der Musik nichts geworden wäre, hätte er sicher als Komiker Erfolg gehabt. Das Publikum hängt an Passengers Lippen und jeder würde alles für ihn tun; man fühlt mit ihm, lacht mit ihm, singt mit ihm. Er spricht mindestens so viel wie er spielt, und das macht er damit wett, dass in jedem Song mindestens 150 Prozent stecken; für die Zugabe holt er die Vorband nochmals auf die Bühne, der Satz «You’re fucking incredible» fällt unzählige Male, und mit kleinen Anekdoten erreicht er selbst den hinterletzten Skeptiker. «We’re born with millions of little lights shining in the dark | And they show us the way | One lights up every time you feel love in you heart | One dies when it moves away» (All The Little Lights, 2012).