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Es liegt was in der Luft – genau, der Duft von Sommer – und: von etwas ganz Grossem. Depeche Mode als grösste Synth-Pop-Band der Welt beehrten am 7. Juni 2013 das Berner Stade de Suisse und begeisterten auch nach 33 Jahren Bandbestehen.

Depeche Mode verzauberten das Stade de Suisse (Daniel Strub, schwarzeliste.ch)

Depeche Mode verzauberten das Stade de Suisse (Daniel Strub, schwarzeliste.ch)

fb.Wenn Depeche Mode in der Schweiz spielen, dann ist Chaos garantiert. Nicht unbedingt auf oder vor der Bühne, sondern im Verkehr. Die halbe Deutsch- und Westschweiz strömte vergangenen Freitag nach Bern, was verstopfte Autobahnen Parkplätze zur Folge hatte. Und auch im öffentlichen Verkehr ging teilweise nicht mehr viel, sodass unser Fotograf es nicht mal rechtzeitig zum Konzert schaffte. Anscheinend wird die Faszination Depeche Mode auch nach Jahrzehnten von der Öffentlichkeit nicht gebührend bedacht…

Nun schafften es jedoch trotzdem rund 39’000 Besucher zeitig zum lang-ersehnten Konzert der Engländer und versammelten sich bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen im Stadion um ihre Helden der Jugend oder auch gerade neuentdeckten Lieblinge live zu erleben. Mit Welcome to my world vom neuesten Album Delta Machine wurden die Fans nach kurzer Wartezeit bereits um viertel nach acht begrüsst und ihrerseits mit begeistertem Applaus von den Rängen empfangen. Durch den weiteren neuen Song Angel baute sich eine Spannung auf, die mit dem bekannten Walking in my Shoes umschlug und zum Tanzen und Mitsingen einlud. Mit Precious und Black Celebration wurden in Sachen Bühnenbild hohe Geschütze aufgefahren – die drei riesigen Leinwände untermalten das Geschehen mit eindrücklichen Videoclips. Hätte gerade bei letzterem Song nicht noch heiter Sonnenschein geherrscht wäre die Gänsehautstimmung wohl perfekt gewesen. Was ebenfalls für Gänsehaut sorgte war Frontmann Dave Gahans glasklare Stimme, er sang nahezu makellos, variierte von tiefen Seufzern, überzeugender Kraft bis zu hohen Schreien. Nach drei weiteren Songs verliess er die Bühne und überliess Gitarrist und instrumentalem Alleskönner Martin Gore das Mikrofon. So sehr sein Gitarren- und Keyboardspiel das Publikum betörte, die beiden  von ihm gesungenen Stücke Higher Love und When the body speaks schienen eine kurzzeitigen Stimmungsabbruch mit sich zu ziehen. Es mochte an der sehr ruhigen Art der Balladen gelegen haben aber auch an Gores fehlendem Charisma in Stimme und Auftreten, das Dave Gahans scheinbar angeborener Ausstrahlung einfach nicht das Wasser reichen konnte. Dieser tänzelte zu Heaven wieder auf die Bühne – einem ebenfalls eher ruhigen Stück, jedoch durch ein genial-stimmungsvolles Bewegtbild im Hintergrund komplettiert. Nach diesem zurückhaltenden, bedächtigen Teil des Sets wurde man kurzzeitig den (eigentlich beruhigenden?) Gedanken nicht los, dass das Alter doch nicht spurlos an den Herren vorbeigegangen ist. Doch weit gefehlt – wie der erneute Spannungs- und Stimmungsaufbau von Soothe my soul  eindeutig bewies und im tanzbareren und schnelleren Remix von A question of time bestätigt wurde. Pünktlich zu Enjoy the Silence versank das Stadion allmählich in der Dunkelheit. Dass die Band trotz den vielen Jahren der Erfahrung nicht routiniert auf der Bühne steht bewiesen zweierlei Dinge immer wieder. Klassiker sowie die zahlreichen Hits vom neuen Album wurden als kreative Remixes dargeboten – was beim hypnotisch-langsamen (extra für die Berner konzipierten?) Beginn von Personal Jesus einmal mehr deutlich wurde. Des Weiteren strotzte die ganze Band, und vor allem Dave Gahan, vor Spielfreude und Enthusiasmus an dem, was sie taten. Mit einem erneut wunderschön konzipierten Clip und Goodbye verabschiedeten sie sich kurzzeitig, ohne aber lange zum Encore zurückgerufen und -gepfiffen zu werden.
Ein erneuter Spannungsaufbau erfolgte durch das akustische Home sowie den Halo-Remix – der mit I just can’t get enough stimmungsmässig explodierte und als akustische und visuelle Spirale nach oben fast entgleiste. I feel you begeisterte mit seiner Eingängigkeit und das weibliche Publikum wurde nun endgültig in den Wahnsinn getrieben – durch Daves lasziven Hüftschwung, eindeutige Mimik und die kleine Stripeinlage der ohnehin viel zu kleinen Weste, die seinen durchtrainierten Oberkörper enthüllte. Das finale Never let me Down again liess emotional noch einmal das ganze Konzert Revue passieren und rief bei den älteren Fans wohl eine Art Rückschau der Depeche-Mode-Karriere mit all seinen Höhen und Tiefen hervor – doch an diesem Abend wurde wohl jeder davon überzeugt, dass sich Depeche Mode wieder auf einem Höhenflug befinden, der so schnell hoffentlich nicht enden wird.

Wer dieses Highlight verpasst hat, sollte sich schnell um ein Ticket fürs Moon & Stars am 9. Juli 2013 in Locarno bemühen, wo die Engländer gleich noch einmal in der Schweiz auftreten!

Die folgenden Fotos wurden uns freundlicherweise von Marina Tscherfinger zur Verfügung gestellt: