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Deap Vally sind ziemlich sicher die coolsten Frauen, die im Moment auf irgend einer Bühne stehen. Sie sind rockig, frech, sehen gut aus und machen wirklich gute Musik. Über einen magischen Abend im Komplex Klub.

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Deap Vally (Foto: zvg)

fbo. Lindsey Troy legt ihren Arm um einen Fan, der vollkommen aus dem Häuschen ist, und schenkt der Kamera, der diesem ein Andenken an diesen wunderbaren Moment bescheren wird, kein Lächeln, nein, sondern einen verruchten Blick mit leicht geöffnetem Mund,der sie so cool aussehen lässt, dass man sich fragt, weshalb sich die Sängerin und Gitarristin von Deap Vally überhaupt mit uns Normalsterblichen abgibt. Derweil hat Drummerin Julie Edwards bereits den nächsten Fan in ein Gespräch über das Openair Gampel verwickelt oder erzählt jedem, der es hören will, dass der Langhaarige von der Vorband ihr Mann sei. Dabei kritzelt sie lässig ihren Namen auf Platten, CDs und geklaute Setlists, und lässt sich bei jedem noch für eine originelle Zeichnung Zeit.

Das ist etwa zwanzig Minuten, nachdem die beiden Musikerinnen ihren letzten Hit geschmettert haben. Zwanzig Minuten, nachdem das Licht im halbleeren Komplex Klub wieder angegangen war und die Leute merkten, dass sie nicht im angesagtesten Klub der kalifornischen Musikszene sind, sondern in einer Schweizer Location, die gegenüber einer Autowaschanlage steht.

Emanzipation einmal anders

Doch eigentlich ist das auch egal. Deap Vally klingen trotzdem, als hätten sie Musikunterricht bei Jack White genommen und ihn abgesägt, weil er ihnen zu brav war. Gonna Make My Own Money (2012) und Walk Of Shame, aber auch Baby I Call Hell (Sistrionix, 2013) klingen so selbstbewusst und rau, dass es schwer ist, einen Vergleich zu finden. Vor allem zu anderen Frauenbands; obwohl gerade der Emanzipations-Hit Gonna Make My Own Money eigentlich etwas thematisiert, was sich immer mehr Frauen zu Herz nehmen, ist es schwierig, andere Musiker zu finden, die das genau so klipp und klar herüberbringen. Jeder glaubt Lindsey, dass sie sich nicht einmal den Strohhalm in einem Drink bezahlen lassen würde.

Ein ganzes, spannendes Album

Die Setlist war eigentlich überflüssig, denn die Rockerinnen spielten jeden Song, der auf ihrem dieses Jahr erschienenen Album Sistrionix ist. Mehr haben sie auch nicht wirklich. Neben bereits erwähnten Hits gibt es da noch Creeplife und Bad For My Body (Sistrionix, 2013) oder End Of The World (2012), von denen man einfach nicht genug kriegen kann. Lindsey Troys Stimme ist absolute Spitzenklasse, und was Drummerin Julie an Energie transportiert reicht aus, um eine Grossstadt zu beleuchten.

Freundlich und offen

Nach den ersten paar Songs überrascht es nicht, dass Lindsey die Wollmützen anpreist, die die Band im Tourbus gestrickt haben. Was ein bisschen überrascht, ist, dass sie sich ganz plötzlich und ohne Vorwarnung in die Menge stürzt; vor allem, wenn man bedenkt, dass da nicht allzuviele Leute stehen. Dafür sind es alle Männer – und dazu Männer, die gerne mal anpacken. Die schlanke Blondine hat also nichts zu befürchten, obwohl sie nur Pailletten-Shorts und etwas, was einem BH ähnelt, trägt; das Publikum liegt ihr wortwörtlich zu Füssen. Und das zu recht.