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Der Schauspieler David Duchovny macht auch Musik. Er geht ehrlich mit seinen Grenzen um. Doch schafft es diese Ehrlichkeit auch auf die Bühne? 

Der Tag beginnt trüb. Doch nach und nach strahlt eine vertraute, verheissungsvolle Wärme vom Himmel. Wohltuend nach einem durchnässten Pfingstwochenende. Ein Hauch kalifornisches Leben.

Letztes Jahr hat David Duchovny sein Debüt Hell or Highwater veröffentlicht. Ja, der David Duchovny, den wir in Akte X oder Californication lieben, in Filmen wie Evolution hassen gelernt haben. Zwölf selbstgeschriebene «white guy rock»-Songs – mal wie Dylan, mal wie Petty. Durchzogen vom blutroten Faden der Liebe, mit durchaus raffiniert neuverpackten Plattitüden, umhüllt von einprägsamen Melodien. Auch das kann man lieben oder hassen.

Immerhin hat Duchovny eine gesunde Distanz zu seiner musikalischen Arbeit. In Interviews betont der Mann stets, dass er wisse, dass er nicht so gut sei. Tatsächlich ist die Bandbreite seiner Stimme extrem limitiert.

Ein Showman durch und durch (Foto: Nicola Tröhler)

Ein Showman durch und durch. Bild: Nicola Tröhler

Nein, die Welt hat nicht auf seine Lieder gewartet. Trotzdem hat er sie komponiert, aufgenommen und auf ein Album gebannt. Nicht für uns, sondern in erster Linie für sich selbst – aus ehrlicher Leidenschaft.

Die wahre Frage an diesem Dienstag ist also nicht, ob Duchovnys Musik gut ist oder nicht, sondern, ob diese charmante Ehrlichkeit auch auf der Bühne spürbar ist.

Die Nachfrage für sein Zürcher Konzert war zu gross für das Plaza, weshalb der Veranstalter Mainland Music schon frühzeitig auf das X-Tra umschwenken musste. Ausverkauft war es nicht, dafür genau angenehm gefüllt.

Pünktlich bevölkert die sechsköpfige Band Weather die Bühne. Und dann – begleitet von Jubel und Gekreische – betritt Duchovny in Jeans und einem gestreiften Shirt die Bühne. Ein surrealer Moment. Der Mann hat sich über die Bildschirme in unser Leben geschlichen. Wir kennen seine Gesichtszüge, seine Bewegungen, ohne ihn jemals getroffen zu haben. Nun steht er vor uns, nur wenige Meter entfernt. Ein seltsames Gefühl von Vertrautheit und Ehrfurcht macht sich breit.

Die Zuschauer tuschelten angeregt, als Duchovny Poitively Madison Avenue anstimmt. Der Sound war – wie immer im X-Tra – schwammig. Seine Stimme geht zuerst komplett unter. Viel besser wurde es nicht.

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Während ich in mein Notizbuch kritzle, schreit die Menge auf. Duchovny ist über die Brüstung vor der Bühne geklettert, nimmt ein Bad in der Menge. Berührungsängste kann man dem New Yorker definitiv nicht attestieren. Doch während er seine Songs vorträgt und auch ein, zwei frische Kompositionen präsentiert, frage ich mich: Wer steht da oben auf der Bühne?

Ist das David Duchovny oder spielt er eine Rolle? Eine Frage, die ich mir noch nie bei einem Musiker gestellt habe. Es ist das Dilemma des musizierenden Schauspielers. Selbstverständlich ist die überwältige Mehrheit des Publikums nicht wegen seiner Musik gekommen, sondern wegen ihm. Die Menge frisst dem 55-Jährigen aus der Hand und ignoriert gleichzeitig die Klänge. Die Musik verkommt zur Nebensache, Duchovny ist der unangefochtene Star – des Status wegen.

Wirklich echt wirkt Duchovny nur in den Ansagen zwischen den Songs. Trockener Humor à la Hank Moody, ab und zu ein Lächeln. Er leiht sich einen Gürtel aus dem Publikum für seine runterrutschenden Jeans oder fragt sich, wieso jemand Zahnseide auf die Bühne geworfen hat.

«Now the time has come for Zurich to shake its booty!», meint Duchovny dann und springt ein zweites Mal ins Publikum, tanzt bis an die Bar, während sich die Band in einen regelrechten Rausch spielt. Seine Musiker bleiben der unterschätzteste Höhepunkt des Abends. Sie spielen hervorragend, jonglieren mit den Noten, streuen hier und da Schnörkel und Schlenker ein.

Nach dem rasanten Unsaid Undone, dem versöhnlichen When The Time Comes und der Single Hell or Highwater schliesst Duchovny sein Set mit dem Kracher 3000. Für die Zugabe nimmt er zum ersten Mal selbst eine Gitarre in die Hand, auch wenn seine Fertigkeiten ziemlich limitiert sind. Allerdings ist es der Moment, in dem Duchovny tatsächlich authentisch erscheint. Mit Thank You von Sly & The Family Stone und einem letzten Besuch in der Menge verabschiedet sich David Duchovny definitiv vom Schweizer Publikum.

Und konnte er nun die Ehrlichkeit auf die Bühne transportieren? Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Irgendwie schon, irgendwie auch nicht, denn es bleibt immer ein Restzweifel, ob er nun in einer Rolle war oder nicht. Andererseits ist dieser Zweifel eine Ungerechtigkeit Duchovny gegenüber, denn jede und jeder nimmt auf der Bühne eine Rolle ein.

Eines hat der Abend jedoch gezeigt: David Duchovny hat einen weiten Weg vor sich. Musikalisches Potential ist da. Doch bis ihn seine Fans wegen seiner Musik ernst nehmen, braucht es viel Zeit.

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