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Wer die rockigeren Songs von Daughtry liebt, kam an ihrem Konzert vom vergangenen Freitag im Z7 in Pratteln nicht auf seine Kosten. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch, denn die US-Boys wussten das Publikum auch mit ihren stimmungsvollen Songs mitzureissen.

Artikel 2014-03-17 - Daughtry - Artikelbild

Starke Präsenz – Daughtry (Foto: Michelle Brügger)

Als Supporting Act eröffneten die Tessiner Sinplus den Abend. Die jungen Musiker sind nicht nur optisch ansprechend, sie spielen auch eingängige Songs, die zum Mittanzen einladen. Doch erst als sie Unbreakable anspielten, wurde mir bewusst, dass es sich um die die Band handelt, die vor zwei Jahren die Schweiz am Eurovision Song Contest vertrat. Der Saal füllte sich zusehends und auch wenn die Leute wegen Daughtry angereist waren, schienen sie von Sinplus begeistert zu sein und goutierten ihren Auftritt mit entsprechendem Applaus.

Ihren Gig eröffneten Daughtry mit dem Song Baptized ihres gleichnamigen letzten Albums, das es in den US-Charts auf Platz 6 schaffte. Chris Daughtry wirbelte mit dem Schellenkranz auf der Bühne herum und mir war klar: Es hat sich gelohnt, dafür von Zürich nach Pratteln zu fahren.
Bei den darauffolgenden beiden Single-Auskopplungen Feels Like Tonight des Debütalbums Daughtry aus dem Jahr 2006 und Crawling Back to You des dritten Albums Break The Spell durfte ich die Performance noch im Bühnengraben durch meine Linse geniessen. Es fiel mir dieses Mal zugegebenermassen besonders schwer, nur ruhig zu fotografieren und nicht konstant im Takt zu wippen und mitzusingen.

Kratzige und trotzdem streichelnde Stimme

Nach den ersten drei Songs musste ich den Platz in der ersten Reihe mit einem lachenden und einem weinenden Auge räumen, denn ab da konnte ich mich ja problemlos im Takt der Musik bewegen und mitsingen so laut ich wollte. Die Songs Battleships und Life After You luden zum Träumen und Schwärmen ein und spätestens bei der Coverversion von Phil Collin’s In The Air Tonight war klar, dass man heute mit dem Herzbuben/der Herzensdame als Begleitung die besseren Karten gezogen hätte als mit dem besten Kumpel oder gar alleine den sanften Klängen lauschen musste.

Kein Abend für die Kategorie «Harte Schale, harter Kern»

Genau zur Halbzeit wollten Daughtry wohl verhindern, dass die letzte Schale der wenigen anwesenden hartgesottenen Zuhörer aus der Kategorie «Harte Schale, harter Kern» doch noch Risse bekommt und sie performten den Song Traitor. Doch wer gehofft hatte, es werde nun etwas rockiger, hatte sich zu früh gefreut. Schon der nächste Song Over You führte die Menge wieder zurück auf die Herzschmerz-Schiene und es war auch No Surprise, dass die musikalische Reise in diese Richtung weitergehen würde.

It’s Not Over…

Während Waiting for Superman oder September erklang, liess meinen Blick immer wieder durch die Reihen schweifen. Nicht um die verliebten Pärchen zu beobachten, sondern um den typischen Daughtry-Fan auszumachen. Nein, den scheint es nicht zu geben. Schon wie zu Zeiten von American Idol, bei der es der Leadsänger in der 5. Staffel immerhin auf den 4. Platz schaffte, scheint seine Musik eine breite Masse anzusprechen. Der Song Home kündigte es im Grunde an – nach fast anderthalb Stunden war es Zeit für die Zugaben. Noch ein letzter Herzschmerssong mit What About now und dann nochmal eine etwas fetzigere Nummer mit Long Live Rock and Roll, für den sich Daughtry vom Publikum wünschte, dass nochmal alle mittanzen und mitsingen sollten. Und diesen Wunsch erfüllte man sehr gerne, bevor man beschwingt auf Wolke Sieben den Heimweg antrat.