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Wir würden Pratteln bloss als hässliches Industrie-Ghetto kennen, gäbe es da nicht den einen unscheinbaren Palast. Stundenlang standen wir in der Halle an der Kraftwerkstrasse, wo anstatt Maschinen Metal-Bands aus der ganzen Welt dampfwalzten. Doch heute stellen sich einige Fragen.

Die Konzertfabrik Z7 übte auf uns immer eine merkwürdige Anziehungskraft aus. Nicht weil die Halle besonders schön ist oder weil es genügend Toiletten hat. Auch nicht weil die Sanitäter besonders geschickt sind – ein Roadie versuchte mich mal mit Kippe im Mund und Bier in der Hand zusammen zu flicken. Und nicht weil wir jahrelang unsere Lederjacken unter dem Arm tragen oder hoffnungsvoll in eine Ecke stopfen mussten, weil es keine Garderobe gab.

Nein, wir lieben das Z7 weil es echt ist. Irgendwie fühlten wir uns in diesem hohen Raum einfach geborgen. Es war egal, wie scheisse die Band vorne auf der Bühne rumkasperte, am Ende blieb doch ein grossartiger Abend in Erinnerung. Alleine die Fahrt, die wir jede Eisheilige Nacht im schaukligen Pinzgauer auf uns nahmen, war ein Höllenritt. Aber einer, der sich lohnte.

Das Z7 ist für viele ein zweites Wohnzimmer. Selbst wenn der Backstage aus Baucontainern besteht, in denen eine normale Unterhaltung unmöglich wird, sobald eine Band zu spielen beginnt. Die Künstler wurden in Pratteln stets unschlagbar bekocht. Während andere Lokale pampige Pasta auftischen, gibt’s im Z7 Rippchen mit Kartoffeln und Sauerkraut.

Die richtige Front wählen

Nun soll gleich nebenan ein grosser Baumarkt entstehen. Die Kraftwerkstrasse wird zweispurig und Betreiber Norbert Mandel ist überzeugt, dass das Z7 und der Obi nicht nebeneinander existieren können. Das ist traurig, aber eben auch eine realistische Einschätzung.

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Visualisierung des Baumarkts mit dem Z7 gleich davor. Visualisierung: zvg

Gestern erreichte die Facebook-Seite «Konzertfabrik Z7 Bleibt» innert wenigen Stunden weit über 4’000 Likes. Die Solidaritätswelle rollt weiter. Man gibt sich kämpferisch und das ist gut. Doch wir alle sollten uns die Umstände vor Augen führen und die richtige Schlacht führen:

  • Der Obi sorgt für Umsatz und Steuergelder
  • Deshalb ist der Baumarkt attraktiver als das Z7

Kulturelle Institutionen werden immer weiter zurück gedrängt. Dass der Widerstand nicht viel bringt, konnte man beim legendären Club abart in Zürich beobachten. Neben dem Komplex 457 entstehen Alterswohnungen. Auch wenn die Betreiber versichern, dass es weitergeht, ist es wohl eine Frage der Zeit, bis auch da die Lichter ausgehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Das Z7 überlegt sich Standortwechsel, womöglich sogar ins nahe Ausland. Das Z7 bleibt! Das sind wir uns einig. Aber wo?

Sollten wir unsere Energie darauf verwenden, dass das Z7 bleibt, wo es ist? Oder sollten wir uns darauf konzentrieren, eine geeignete Alternative zur Kraftwerkstrasse zu finden?

 

Was ist deine beste,schrägste, unvergessene Erinnerung an die Konzertfabrik? Erzähl uns deine Geschichte in der Kommentarspalte