Glücklich schätzen konnten sich diejenigen, die ein Ticket fürs Jake Bugg-Konzert im Zürcher Plaza hatten. Denn schon lange im Voraus war der Auftritt des 19-jährigen Engländers ausverkauft. Alle wollten sie den von der Musikpresse als Wunderkind betitelten Singer-Songwriter bei seinem ersten Besuch in der Schweiz live miterleben.

Jake Bugg_001

ds. Dementsprechend reges Treiben herrschte im Plaza bereits kurz nach Türöffnung. Das Vorprogramm wurde von Jack Savoretti bestritten, ein italienisch-stämmiger Engländer, der bereits zahlreiche Konzerte und drei Alben zu seiner Karriere zählen kann (zum Interview).
Auf seiner Akustikgitarre schrammelnd und mit rauer Stimme schaffte er es von Beginn weg das Publikum zu fesseln – tosender Applaus schon nach dem ersten Song. Ein toller Einstieg in den Konzertabend, doch dann mitten im dritten Lied fiel plötzlich der Verstärker seiner Gitarre aus. Unbeirrt sang und spielte Savoretti einfach weiter, dachte sich aber wohl wenn schon unplugged, dann richtig und bewegte sich vom Mikrofon weg und schrie kurzerhand den Text den Konzertbesuchern entgegen. Diese wiederum jubelten ihm begeistert zu und klatschten sofort im Takt mit, bis dass der Song zu Ende war und dann glücklicherweise auch der Ton wieder zurück kam.
Es sind solche Situationen in denen ein Künstler improvisieren muss und eine spezielle Atmosphäre kreieren kann, oder einfach abbricht und darauf hofft, dass der Fehler schnellstmöglich behoben werden kann, während das Publikum wartet. Ein weiteres Highlight war dann auch noch der letzte Song in seinem Set Come Shine A Light, in dem das Publikum einige Zeilen mitsingen sollte und das auch lautstark tat. Alles in allem wurde das Vorprogramm mit Bravur gemeistert und es gab so einige im Publikum, mich eingeschlossen, die gerne noch etwas länger von dem sympathischen Sänger unterhalten worden wären.

Nichtsdestotrotz wollten nun natürlich auch alle den Hauptgrund fürs Kommen sehen: Jake Bugg. Pünktlich um halb neun Uhr enterte er die Bühne des Plazas und startete das Konzert lediglich von seiner Gitarre begleitet mit dem Song Fire. Obwohl er komplett verschlafen aussah, hörte sich Jake Bugg live ganz genau so an wie auf Platte. Besonders auch seine prägnante Stimme verlieh der Performance eine spezielle Note.
Für die nächsten Songs wurde er von seiner Band, bestehend aus einem Bassisten und einem Schlagzeuger, unterstützt. Ähnlich wie bei seinem Vorreiter Savoretti, stellte die Technik auch jetzt wieder eine Falle: Inmitten eines Liedes ging auf einmal alles Licht im Saal aus. Lediglich die paar bescheidenen Lämpchen an der Bar blieben an. Auch Bugg liess sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen und spielte munter weiter. Mit der Zeit wurden im Publikum immer mehr Handys in die Höhe gehalten und beleuchteten das Treiben auf der Bühne eben selber. Nach dem Song erkundigte sich Jake Bugg kurz was mit dem Licht los sei, entschied dann einfach wie gewohnt weiter zu spielen, schliesslich störte es ihn wenig wie er beleuchtet wird und er fand es cool wie lässig die Besucher darauf reagierten.
Einige Lieder später konnte dann ein einzelner Scheinwerfer organisiert werden, der die Szenerie wieder etwas erhellte und dann kamen mit der Zeit auch wieder mehr und mehr Spots zum Leben. Aber bis die Beleuchtung wieder einwandfrei funktionierte, war schon mehr als die Hälfte des Sets von Jake Bugg vorbei. Dieser spielte komplett alle Stücke von seinem Debüt-Album, drei Lieder die dort nicht vertreten sind und in der Zugabe, nach einem gefühlvoll vorgetragenen Broken, auch noch ein Folsom Prison Cover von Johnny Cash. Nach 70 kurzweiligen Minuten war der Auftritt dann auch schon wieder vorbei. Es wurde viel geklatscht, gesungen und getanzt und man sah den Konzertbesuchern ihre Zufriedenheit förmlich an.