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Zum vierten Mal in Folge verwandelte das Stars in Town den Herrenacker in Schaffhausen in ein Mekka für qualitätsbewusste Musikfans, die nicht nur aus der Schweiz angereist waren. Ein Festival, welches sich einen Platz unter den Top-Festivals gesichert hat. Das durchdachte Line-Up liess keine Wünsche offen, Petrus hatte perfekte Laune und die Besucher wurden auf allen Ebenen zufriedengestellt.

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Silbermond zu Gast in Schaffhausen (Foto: Matt Hoffmann)

Mit Seven begann am Mittwoch eine Konzertreihe der Superlative. Der Schweizer Pendant zu Robbie Williams – Jan Dettwyler – brachte die Menge mit extrem viel Charme und einem riesen Aufgebot von Musikern das erste Mal richtig zum Schwitzen. Professionalität vereint mit Leidenschaft, liessen dies zu einem ganz besonderen Erlebnis inmitten der Altstadt werden.
Die erste grosse Überraschung an diesem Abend bot sich in Form von Aloe Blacc. Neben den bekannten Hits wie I Need A Dollar oder Wake Me Up liess Egbert Nathaniel Dawkins III alias Aloe Blacc keine Möglichkeit aus, mit dem Publikum zu interagieren und seinen Soul zu versprühen.
Für viele war Jamie Cullum der Hauptact an diesem Mittwoch. Der junge Mann rockte die Bühne in ganz grosser Manier. Kein Gegenstand auf der Bühne war sicher vor ihm. Auf allem wurde gehüpft und gestampft. Seine weiblichen Fans völlig im Griff – lieferte er eine Performance der Extraklasse.

Der Donnerstag sollte mit zwei Cellos iniziert werden. Etwas verloren sahen die beiden Kroaten Luka Šulić und Stjepan Hauser zunächst auf der riesen Bühne aus, ihr Programm allerdings dürfte auch die Besucher die sich noch am Verpflegen waren sehr schnell vor die Bühne gelockt haben. Spätestens bei Smooth Criminal wurde gejubelt und gefeiert.
Die US-amerikanische Folk- und Rocksängerin Lissie, brachte dann richtig Festivallaune in die Menge, die sich für den letzten Act des Tages schon ihre Plätze ganz vorne gesichert hatte.
Mit Katie Melua sollte der zweite Festivaltag ganz gemächlich ausklingen. Leider war auch die Show sehr gemächlich. Die Song-Auswahl liess nicht viel Raum zum Hüpfen und Feiern. Hier war die Hüfte von links nach rechts schieben angesagt. Hier und da ein Feuerzeug welches hochgehalten wurde. Natürlich war der Auftritt höchst professionell, die hohe Stimmqualität von Katie überzeugte durchs Band – einfach etwas zu ruhig für meinen Geschmack.

Und schon war der Freitag angebrochen. Für viele Besucher war dies wohl der Konzerttag schlechthin, der Platz war restlos ausverkauft. Überrascht hat mich der Act, der den Abend eröffnete: Luxuslärm. Janine Meyer brachte eine kaum zu glaubende Power auf die Bühne. Unheimliche Sympathie versprühte die ganze Band auf dem gefüllten Herrenacker. Die Stimmung war schon auf dem Höhepunkt bevor das Konzert zu Ende war was zuliess, dass sich Janine in einem Gummiboot bis nach hinten durchreichen liess und wieder zurück. Dabei sang sie 1000 Kilometer bis zum Meer. Das war eine wackelige Angelegenheit, die man in ihrer Stimme zu keiner Sekunde gehört hat. Hut ab! Einen Fan mehr haben sie auf jeden Fall!
Dann war es Zeit für 77 Bombay Street. Up In The Sky – der wohl bekannteste Song der vier Brüder Matt, Joe, Esra und Simri-Ramon aus dem Bündnerland riss dann auch den Letzten der noch meinte sitzen zu müssen auf die Füsse. Wow, dieser Abend konnte nicht besser weiter gehen. Oder doch? Natürlich ging da noch einer rein!
Silbermond lieferten einen fulminanten Abschluss des Abends, der sich sehen lassen konnte. Stefanie Kloss bewies, dass sie über die Jahre an der Musik gewachsen ist. Der Auftritt war höchst professionell, voller Stimmgewalt. Das war einiges besser als CD zu hören. Natürlich lieferte sie ihren Fans alle Songs die nicht fehlen durften wie Symphonie, das Beste oder Irgendetwas bleibt. Auch die Songs vom neuen Album Himmel Auf kamen nicht zu kurz.

Nun fragte man sich zurecht, was der Samstag noch bringen mag, um das zu toppen. Die Antwort war aber eigentlich auch nicht so schwer zu finden, wenn man sich das Line-Up genau angesehen hat.
Den Auftakt machten die Bandcontest Gewinner des Klingenstars 2013. The Gardener & The Tree nennen sich die überaus sympathischen Mitglieder der Band, die erst seit 2012 existiert. Dementsprechend war ich gespannt, was sie uns zu bieten haben. Die Nervosität stand ihnen ins Gesicht geschrieben als sie die Bühne betraten. Was sie dann allerdings lieferten, war ein Ohrenschmaus. Der Sound, der im Indie/Folk-Gewand daher kam, überzeugte sofort. Dem mutigen Aufruf die Besucher mögen doch etwas näher kommen wurde sofort Folge geleistet, so füllte sich der Platz auch für die Newcomer schnell. Mit Wasteland – dem Song, den man vielleicht schon gehört hat, gewannen sie auch die Herzen des Publikums. Ich bin mir sicher, wir werden von ihnen noch viel hören.

The Straits starteten ein paar Minuten später. Hier wurden wir Zeugen eines Staraufgebotes der Superklasse. Die Formation besteht aus drei ehemaligen Dire Straits-Mitgliedern, namentlich Alan Clark, Chris White und Phil Palmer. Vervollständigt wird die Gruppe von den Weltklassemusikern Steve Ferrone, Terence Reis, Mick Feat und Jamie Squire. Hier ballte sich Emotion, etwas Nostalgie und strahlende Akteure auf der Bühne, denen man ansah, dass dies ihre Passion ist. Viele Dire Straits-Fans würden dies als ein Comeback bezeichnen. Das ist es offiziell natürlich nicht, in unseren Herzen fühlt es sich aber so an. Mit Walk Of Life rannten sie offene Türen ein. Es ist schwierig die Stimmung zu beschreiben, die hinter uns aufkochte bei diesem Song. Nennen wir es einfach fantastisch, unglaublich und Wahnsinn! So ging es dann im Programm auch weiter. Ein Hit nach dem anderen wurde dem Publikum auf dem Silbertablett präsentiert. Nostalgie pur, Spass ohne Ende und Künstler die ihren Esprit sprühen liessen, dass wohl dem hintersten warm wurde. Mit Money For Nothing endete dieser Auftritt. Glückliche Gesichter, wo man hinsah, was will man noch mehr?

Patent Ochsner! Natürlich wollen wir an so einem Festival die W.Nuss vo Bümplitz hören! Und nicht nur das. Nein, wir wollen auch Bälpmoos und Scharlachrot mitsingen. Und was haben wir bekommen? Genau das! Büne Huber, Monic Matthys, Andi Hug, Christian Brantschen, Menk Grossniklaus, Disu Gmünder, Daniel Woodtli, Karin Bögli sowie Daniela Bertschinger, dieses Aufgebot muss man sich einfach mal geben. Sie taten alles, dass wir im Patent Ochsner-Fieber schwelgen konnten. Von den eher neueren Songs, bis hin zu den genannten Klassikern die wir alle auswendig können, wurde alles dargeboten. Hier wurden Jung und Alt vereint. Die Stimmungswolke, die über dem Herrenacker schwebte, kann ich kaum beschreiben. Hier war einfach alles eins.

Und als ob die Stimmbänder nicht schon genug strapaziert wurden, stand auch noch der letzte Act des Abends bevor. Mike & The Mechanics. Wow Leute was für ein Line-Up. Das musikalische Projekt des Genesis-Gitarristen Mike Rutherford welches in einer ersten Phase bis zum Tod des Sängers Paul Young (2000) reichte, veröffentlichte in diesem Rahmen fünf Studioalben, welche zu erheblichem kommerziellem Erfolg kamen. Und dies zurecht! Auch bei diesem Act stand die pure Leidenschaft auf der Bühne. Antoher Cup Of Coffee , I Can Dance – dies waren nur einige der Hits, die hier ins Publikum schwelten. Unfassbar, welch Stimmung auf dem Platz herrschte. Mittendrin wurde man einfach mitgerissen, aus der Distanz von einem der Dächer in der Altstadt konnte einem schon mal das Augenwasser kommen ob so viel Emotion.

Mein Fazit

Das Stars in Town Schaffhausen hat die besten Chancen zu einem der besten Festivals der Schweiz zu avancieren, wenn es das nicht schon ist. Hier kann sich das Moon and Stars in Locarno noch eine Scheibe abschneiden. Freundliche Menschen, die dafür sorgen, dass es den Besuchern an nichts fehlt, Verpflegungsmöglichkeiten, die über das normale Angebot hinausgehen und eine Organisation, die keine Wünsche offen lässt. Ein besonderes Dankeschön geht an dieser Stelle an Yvonne Bähler, Kathrin Ochsner und Philipp Koffel die im Touristencenter Schaffhausen dafür gesorgt haben, dass es auch uns Journalisten und Fotografen an nichts gemangelt hat. Das ist alles andere als selbstverständlich. Ebenfalls grosser Dank geht an das OK, welches die ganze Veranstaltung überhaupt möglich gemacht hat.

Danke Schaffhausen für diese wundervollen Tage!