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Grosse Töne wurden im Vorfeld der Plattentaufe des neuen Battalion Albums gespuckt. «Die grösste Produktion, die es im Dynamo je gegeben hat.» wurde angekündigt. Wer solche Erwartungen schürt, der muss auch abliefern können – ist dies den vier Jungs aus dem Zürcher Unterland gelungen?

Es ist immer etwas spezielles, wenn man vom Veranstalter direkt angefragt wird, ob man Interesse hätte, über eines seiner Konzerte zu berichten. Es zeugt von Vertrauen, dass man eine solide Arbeit abliefert über einen Anlass, in den er sehr viel Energie und Herzblut gesteckt hat und entsprechend hoch sind auch die Erwartungen in die eigene Arbeit. Die Anfrage, die Plattentaufe von Battalion zu fotografieren erhielt ich Anfang Jahr, als ich mehr per Zufall mit der Kamera an ein Konzert ging und nicht mal wusste, ob ich damit überhaupt reinkommen würde. Guerilla-Aktionen sind lustig, aber man muss immer mit Rückschlägen rechnen. Dass ich neben der Erlaubnis, das Konzert damals zu fotografieren auch gleich noch mehrere Anfragen für weitere Konzerte erhielt, war eine mehr als nette Überraschung.

So landete ich schlussendlich im Dynamo und konnte der Plattentaufe von Set The Phantom Afire, dem zweiten Album der Zürcher Thrash Metalband Battalion beiwohnen. Martin Anliker, Manager der Band und Inhaber von Burning Phoenix Concerts & Promotion, preiste das Konzert als “grösste Produktion, die das Dynamo je gesehen hat” an und versprach eine grossartige Show. Und Junge, hat der Mann recht behalten! Die Lichtshow, die sich dem Publikum bot, stellte so manches Konzert im Volkshaus oder Komplex 457 in den Schatten. Leider konnte das Aufgebot der Scheinwerfer in der Enge des Dynamos nicht ihre volle Pracht entfalten. Wer weiss, vielleicht liegt beim nächsten Album schon ein Auftritt in einer grösseren Halle drin.

Der Abend begann relativ familiär mit dem Auftritt der Aargauer von Gonoreas. Das Publikum zeigte sich leider etwas scheu und blieb lange Zeit auf Distanz, mit Ausnahme eines harten Kerns, der die Mähnen über die Wellenbrecher schwang, als würde das Headbangen am nächsten Tag verboten. Die Band legte eine sehr solide Performance hin und ihnen kann man für das verhaltene Auftreten des Publikums keinen Vorwurf machen. Die Leihgabe von Atlas & Axis, Interims-Sänger Jonas Ambühl, versuchte wiederholt, die Zuhörer etwas näher an die Bühne zu locken, doch das gelang ihm erst gegen Ende des Sets – zumindest ein bisschen.

Doch die Leute waren ja auch in erster Linie wegen Battalion im Haus und so bildeten sich schon vor dem angekündigten Start des über anderthalbstündigen Gigs der Thrash Metaller eine Traube von Fans, die möglichst weit vorne stehen und die Show aus nächster Nähe miterleben wollten. Doch sie wurden vor eine ziemliche Geduldsprobe gestellt. Mit einer gefühlten Ewigkeit Verspätung (was in etwa einer halben Stunde entsprach) stürmten die vier Jungs die Bühne und zeigten, dass sie nicht nur guten Metal spielen, sondern auch eine tolle Show abliefern können. Mit Buried Nation haben sie einen Top-Opener gewählt – es wundert nicht, dass dieser Track auch zuvorderst auf Set The Phantom Afire zu finden ist. Man sah der Band an, dass sie einen Riesenspass hatten – dies war ihr Abend und sie zogen alle Register. Ich hoffe, die Jungs können ihren Enthusiasmus auch in den kommenden Jahren beibehalten, es hat grosse Freude bereitet, ihnen zuzusehen und zuzuhören. Auch eine kleine technische Panne konnte sie nicht wirklich aus dem Konzept bringen. Frontman Silvan scherzte etwas mit dem Publikum rum und gab ein Solo zum Besten, während an der Technik rumgeschraubt wurde.

Beim Titeltrack des Albums gab’s ein kleines Feuerwerk in Form einer Konfettibombe. Zum Glück haben sie auf Pyros verzichtet, die Temperaturen im Dynamo waren auch so schon nahe dem Siedepunkt. Battalion haben die Halle fast wortwörtlich zum Kochen gebracht.

Neben der guten Live-Musik ist auch noch DJ Beck in Black zu erwähnen, der die Zeit vor, zwischen und nach den Gigs mit stimmiger Musik unterlegte und der Foodstand, der mit Crepes, Knoblibrot und Mah Meh dafür sorgte, dass manch einer ein, zwei Bierchen mehr zu sich nehmen konnte. Zumindest dem Mah Meh kann ich gute Noten aussprechen, mehr hab ich – vor allem aus Zeitgründen – nicht probiert. Den glücklichen Gesichtern der Geniesser der übrigen Köstlichkeiten nach zu schliessen, waren diese aber ebenfalls mehr als lecker. Wenn das Food-Team zum Standard zukünftiger Dynamo-Events wird, dann gibt’s alleine wegen der Verpflegung schon mal eine Empfehlung.

Auch die versprochenen Stoffbändchen, wie man sie sonst von mehrtägigen Festivals kennt, sind exquisit. Eine Extravaganz, die sich nicht manche Band gönnt und bei den Fans sicher positiv in Erinnerung bleiben wird.
Doch das wichtigste am Abend war ganz klar die Taufe der neuen Battalion-Scheibe und die kann man nur als geglückt erklären. Super Lightshow, zwei sehr gut gelaunte und talentierte Bands, satter Sound, gute Stimmung – mehr kann man von einem Abend echt nicht verlangen.

Wer die Taufe, aus was für Gründen auch immer, verpasst hat, der kann Battalion auf ihren Tour quer durch die Schweiz besuchen. Der Tour-Schedule findet sich auf ihren Homepage. Ein Besuch lohnt sich definitiv. Sowohl auf Konserve wie auch Live überzeugen die vier Jungs und wer auf guten Old School Thrash Metal, wie ihn Metallica zu ihren guten Zeiten spielte, steht, der kann nichts falsch machen, wenn er bei Battalion reinschaut. Ich hatte einen super Abend und freue mich schon aufs nächste Mal.

Und hier noch ein etwas spezieller Aufruf: Gonoreas sucht einen Sänger! Interessenten sollen sich doch am Besten direkt bei der Band melden.