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Kurz vor seinem Auftritt am Greenfield haben wir uns mit Danko Jones über Rachegefühle, Drogen und Drummer unterhalten.

Danko Jones am Karaoke from Hell im RCKSTR Block am Greenfield (Foto: Sacha Saxer)

Danko Jones am Karaoke from Hell im RCKSTR Block am Greenfield (Foto: Sacha Saxer)

VIP-Lounge, Greenfield Festival in Interlaken. So «very important» fühle ich mich gar nicht, ich will doch nur ein wenig mit Danko Jones von der gleichnamigen Band aus Ontario, Kanada reden. Im Hintergrund wummern die Bässe von La Dispute und zum wiederholten Male frage ich mich, wann es beim Greenfield Festival endlich schallgeschützte Interviewräume geben wird. Aber all das ist im Moment egal, da mein knapper Interviewslot beginnt.

Negative White: Danke für deine Zeit. Ihr wart 2014 ja ziemlich beschäftigt…

Danko Jones: 2014? Nein, das war eine Pause. Wir haben gerade mal so zehn Gigs gespielt.

Nun ja, ihr habt Fire Music aufgenommen und…

Ja, klar, wir haben die Songs für das Album geschrieben und aufgenommen, aber wir waren zu Hause. Das ist wie Ferien für uns. Für mich ist das ein Luxus. Ich liebe es, Songs zu schreiben. Ein Album aufzunehmen macht Spass. Es ist eine Freude zuzusehen, wie die Songs geboren werden. Eine Tour spielen macht auch Spass. Die ganzen Gigs reinholen, das ist Arbeit. Getting to the show is a pain in the ass, really.

Als ich mir Fire Music ein paarmal angehört habe, sind mir zwei Hauptthemen aufgefallen. Zum einen Rache und zum anderen kaputte Beziehungen. Sind das eure Haupteinflüsse?

Oh ja, auf jeden Fall. Das sind die Themen auf allen meiner Alben. Ich weiss nicht, worüber ich sonst schreiben könnte. Rache ist ein grosses Ding. Rache und Beziehungen.

Bist du eine rachsüchtige Person oder ist das nur deine Bühnenpräsenz?

Nun, ich bin rachsüchtig genug um einen Song über eine Person zu schreiben, die ich echt nicht mag.

Oder Personen… Wenn ich da an Body Bags vom neuen Album denke.

Oh, ich meine jedes Wort, das ich gesagt habe in dem Song. Natürlich würde ich niemanden umbringen, aber die Person, für die ich das geschrieben habe; ich mag diese Person überhaupt nicht. Oder die Personen. Der Song ist eigentlich ein paar Leuten gewidmet, die ich echt nicht ausstehen kann.

Auch The Twisting Knive geht in die Richtung…

Twisting Knive ist ein ganz anderer Song. Es ist zwar ein Lied über Rache, aber es ist mehr eine Mörderballade. Es ist eine Geschichte. Das ist etwas, was ich noch nie zuvor getan habe: eine fiktive Geschichte entwickelt für einen Song. Und ich habe es bewusst getan; ich wusste, dass ich eine Geschichte schreibe. Das ist eher eine Country Musik-Tradition.

Hast du negatives Feedback zum Song Getting Into Drugs bekommen?

Bis jetzt noch nicht, wenigstens hab ich noch nichts davon gehört. Klar, jeder ist ein Kritiker, aber bis jetzt hat mir noch nie jemand was dazu ins Gesicht gesagt. Ich weiss auch nicht, wie man den Song negativ interpretieren könnte. Klar, wenn du komplett gegen Drogen bist, dann könnte ich das verstehen. Ich bin nicht gegen Drogen per se. Ich bin dafür, dass Marijuana legalisiert wird. Ich bin gegen Drogen wie Heroin, Crack oder Kokain, aber Marijuana oder Haschisch sollten legalisiert werden.

Unterm Strich ist Kiffen ja auch nicht wirklich schlimmer wie Rauchen an sich.

Genau. Ich rauche zwar nicht, auch kein Marijuana oder Haschisch, aber ich finde nicht, dass man es verbieten sollte.

Ein Jahr vor Fire Music habt ihr Garage Rock! veröffentlicht. Wie genau ist das zustande gekommen? Bist du einfach in einem Wandschrank auf ein paar alte Demotapes gestossen?

Wir veröffentlichen gerne etwas zwischen zwei Studioalben um die Fans bei der Stange zu halten. Wir haben eigentlich genügend Songs für sowas. Das war das erste Mal, dass wir ganz an den Anfang zurück sind. Ich hab‘ bei meinen Eltern eine Kiste mit alten Kassetten gefunden. Ich hatte die dann für fast zwei Jahre bei mir zu Hause und spielte sie immer wieder irgendwelchen Leuten vor.
Dann kam der Zeitpunkt, als unser Manager im Tourbus war, JC (John Calabrese, Gitarrist) war im Tourbus und ein paar Freunde von uns waren auch da. Ich hab einfach angefangen, die alten Songs abzuspielen und es gefiel ihnen. Ich hab die ganzen Songs von den Tapes digitalisiert und die Leute liebten sie. Das war der Zeitpunkt, als wir davon sprachen, sie zu veröffentlichen. Das war im Sommer 2013, im Bus während der Tour quer durch Amerika. Jeder liebte sie, also beschlossen wir, sie zu veröffentlichen.
Ich habe rund 40 Songs digitalisiert und davon haben wir dann 17 veröffentlicht. Im Nachhinein hätte ich wohl ein paar davon zurückbehalten, aber am Ende gab es doch zwölf Songs, die für mich auf Garage Rock! landen sollten. Wir haben die Songs, die aufs Album kamen, vor allem aus einem Grund ausgesucht: Sie mussten auf die Vinyl-Scheibe passen, ohne dass die Qualität darunter leidet. Du kannst viel mehr Musik auf eine Vinyl pressen als wir es tun, aber es tönt einfach nicht mehr so gut. Wir wollten eine Vinyl rausgeben und keine Kompromisse eingehen, deswegen mussten wir die Länge einschränken.
Es sind noch genügend Songs übrig für ein nächstes Vinyl-Album und ich habe noch nicht mal alle Kassetten digitalisiert. Irgendwann wurde ich einfach müde und gelangweilt. Hinter dem Kassettengerät hocken und die Songs digitalisieren, das ist echt langweilig. Da sind immer noch Kassetten, die ich mir noch gar nicht angehört habe. Da sind sicher noch Perlen drauf. Ich hab auch einen Song gefunden, der heisst Rock and Roll is Black and Blue. Und das erst, nachdem wir ein Album aufgenommen haben, das genauso heisst. Ich hab diesen Song total vergessen, bis ich die Kassetten digitalisiert hab. Wir mussten den einfach auf Garage Rock! packen. Wir hatten somit einen Song Rock and Roll is Black and Blue, der nach dem gleichnamigen Album heraus kam, obwohl er Jahre älter war.

Die Soundqualität ist offensichtlich ganz anders als bei Fire Music. Sehr roh, unverfälscht. Ich denke, er passt perfekt zum Albumtitel.

Darum haben wir das Album Garage Rock! genannt. Es wurde echt mit dieser Ästhetik aufgenommen. So hat es halt damals geklungen bei uns, wir hatten nicht mehr. Wir haben sie nie veröffentlicht, weil wir dachten, sie wären qualitativ nicht gut genug. Und wenn wir jezt, 15 bis 18 Jahre später, darauf zurückschauen, dann merken wir, dass wir da eigentlich etwas haben, dass dieses Genre geprägt hat.
Ich mochte Garage Rock eigentlich nie, weil die meisten ihren Sound einfach extra so klingen liessen, als müsste er so grässlich sein. Wir haben diese Songs nicht mit Absicht so klingen lassen. Das waren Songs für uns, wir hatten nichts besseres. Niemand sollte die je hören. Aber so haben wir den Sound gelernt.
Darum verachte ich Bands, die absichtlich so klingen wollen, als ob sie in einer Garage aufgenommen wurden. Das ist doch das völlige Gegenteil davon, wofür echter Garage Rock steht. Junge Bands, die ihren Sound finden, sich ohne Geld zu einer CD durchschlagen.
Wir wollten einfach die beste Band sein, die wir damals sein konnten. Darum hatte ich auch keine Probleme damit, das Album Garage Rock! zu veröffentlichen und es auch so zu nennen, denn das ist es wirklich, echter Garage Rock. Wir wollten es nicht künstlich schlechter machen, wir haben so gespielt.

Spielt ihr auch Stücke davon auf eurer Tour?

Hin und wieder, heute leider nicht. Als wir die Scheibe frisch herausgebracht haben, spielten wir drei oder vier davon in unserem Set. Ein paar davon werden wir wohl nie wieder spielen, andere wurden durch neue Songs neu verarbeitet, darum macht das nicht mehr so viel Sinn.

Ihr habt kürzlich mal wieder euren Schlagzeuger ausgetauscht.

Wir haben ihn vor knapp zwei Jahren ausgetauscht. Das ist etwa halb so lange wie bei anderen Bands.

Aber trotzdem, es ist jetzt euer vierter Drummer bis dato.

Eigentlich sind es sieben mit den Session-Schlagzeugern.

Es ist immer der Schlagzeuger, der wechselt. Bist du oder JC so schwierig?

Du, ich könnte dir jetzt «off the record» etwas darüber erzählen, wieso wir diesen oder jenen Schlagzeuger ausgewechselt haben. Aber sie sind jetzt nicht da, um sich verteidigen zu können, darum werd ich das nicht tun. Aber glaub mir, wir wollten nie ein Bandmitglied austauschen. Das ist immer ein grosses Problem. Ich will das nicht machen, das bereitet nur Kopfschmerzen. Da bist du entweder mitten auf Tour oder gerade dabei, ein neues Album aufzunehmen. Echt, niemand will da Bandmitglieder auswechseln. Leider waren unsere Hände gebunden bei all diesen Situationen. (Drei davon waren allerdings Studiomusiker, die eingesprungen sind, denen ist Danko Jones immer noch dankbar.)
Darum zögere ich auch darüber zu sprechen, wieso wir das Line-Up gewechselt haben. Es wäre nicht fair den ehemaligen Mitgliedern gegenüber. Glaub mir einfach, dass wir wirklich gute Gründe hatten. Niemand wollte je wechseln, weder wir, noch das Management, noch sonst jemand. Es war für das Wohl aller, dass wir diese Wechsel gemacht hatten, aber ich kann und will jetzt nicht darauf eingehen, weil sie nicht hier sind.

Das respektiere ich. Sehr fair von dir. Rich spielt auch mit einem 3er-Drumset. Wie hat ihn das in die Band eingebracht.

Oh, das war grossartig. Wir haben eigentlich immer auf einem 3er-Set bestanden. Du weisst, maximalen Krach mit minimalen Equipment. Das ist, worum es bei Danko Jones geht. Das sind wir. Und eigentlich hat jeder unserer Schlagzeuger sich darauf eingelassen. Wahrscheinlich begreift man nur, was das bedeutet, wenn man selber Schlagzeug spielt. Gavin Brown, einer unserer besten Schlagzeuger, der jetzt Produzent ist und die erste Billy Talent-Scheibe produziert hat, der hat mit einem 3er-Setup gespielt. Er kann alles spielen. Er war ehrlich der beste Drummer, der je für uns gespielt hat. Atom Willard war der erste, der mir ins Gesicht gesagt hatte, dass er mit einem 3er-Drumset nicht spiele. JC und ich wollten offen sein und liessen es ihm durchgehen. Aber das hat den Ton für seine Zeit bei uns festgelegt.
Als Rich Knox dann kam, hat er als erstes gesagt, er möchte wieder auf ein 3er-Set zurückgehen. Für mich waren das die besten Worte, die ich hören konnte, denn ich wusste gleich, dass ich es hier mit einem Teamplayer zu tun hatte und nicht mit jemandem, der nur sein Ego profilieren möchte.
Und der Drummer sieht einfach cooler aus, wenn er sich nicht hinter einer grossen Drumburg verstecken muss. Für mich ist es immer ein Kick, wenn ich Leute höre: «Wie kriegt ihr diesen Sound hin ohne grosse Drums?»
Er ist jetzt zwei Jahre bei uns und wir könnten nicht glücklicher sein. Die Schlagzeuger werden es verstehen, andere vielleicht nicht. Manche Leute können einfach nicht Schlagzeug spielen ohne ein Rack-Tom. Mehr sag ich dazu nicht.