Ich habe nie verstanden, was es heisst: ein Mann sein. Dieses verkrustete Konzept zwischen Technik, Dominanz und Ernährer. Als Kind spielte ich mit Puppen – weil ich es wollte. Ich empfand es als völlig normal. Als ich Titanic zum ersten Mal sah, musste ich weinen.

Ich mochte die Kreativität, malte und zeichnete stundenlang. Als ich mal Modedesigner werden wollte, sagte mir Grossmutter selig: «Die sind doch alle schwul.» Es war vermutlich die erste Begegnung mit jener staubigen Vorstellung von «Männlichkeit».

Natürlich war ich damals irritiert, begriff es nicht. Ich hatte das Glück, in einer progressiven Familie aufzuwachsen. Meine Eltern teilten sich eine Stelle, es war immer jemand zuhause. Erst später realisierte ich, dass diese Gleichberechtigung nicht selbstverständlich ist.

Aber genau gesehen verdanke ich vieles den Frauen in meinem Leben. Etwa meiner anderen Grossmutter. Von ihr habe ich Gründlichkeit, die ersten französischen Wörter und Tischmanieren gelernt. Oder meiner Mutter, die mich immer unterstützt, gefördert und gepusht hat. Bis es ihr dann mit meiner Pubertät zu bunt wurde und mich – sicher nicht leichten Herzens – sozusagen fallen liess, damit ich endlich auf eigenen Beinen stehen konnte. Es war vielleicht das grösste Geschenk, das sie mir je gemacht hat.

Dann waren da die Beziehungen. Die Emotionen, die Schmerzen. Auch sie machten mich zu der Person, die ich heute bin.

Es spielt keine Rolle, ob die Erfahrungen gut oder schlecht waren. Sie alle sind unersetzbare Fragmente, die ich nicht missen möchte. Danke, liebe Frauen!

Ihr fasziniert mich immer wieder. Mit eurem Mut, eurer Kraft und Schönheit. Mit der Wärme, Eiseskälte und Herzlichkeit. Ihr überrascht mich mit Inkonsequenz und Gradlinigkeit. Mit eurer Stärke und Verletzlichkeit. Wie ich zum Spielball oder zum Schutzschild werde. Ihr macht das Leben lebenswert.

Heute, am internationalen Tag der Frau, steht die Gleichberechtigung im Rampenlicht. Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein könnten und sollten. Der Tag der Frau ist kein Feiertag im Kampf der Geschlechter. Er soll uns erinnern, dass wahre Gleichberechtigung uns alle angeht. Dass es kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander ist. Dass wir gemeinsam gegen veraltete Strukturen und Vorstellungen vorgehen. Dass wir alle Menschen sind.

Dass wir zusammen Titanic schauen und weinen können, wenn wir wollen.