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Fortsetzungen haben es schwer; bei «Independence Day: Resurgence» waren die Voraussetzungen allerdings unverhofft gut. Der Film ist dennoch unverhofft schlecht.

Die Fortsetzung des Überraschungserfolg von 1996 ist eine Enttäuschung. Erst einmal ist er es in dem Masse, indem jede Fortsetzung eine Enttäuschung ist: Allein der Gedanke daran, dass wieder einmal ein Regisseur den Versuch wagt, an einen Erfolg anzuknüpfen, weckt im Kinogehenden ein Gefühl der Ermüdung, man ist genervt, denn ein jeder weiss: Die Magie ist weg, die Idee muss etwa zehnmal so gut sein, damit der Film nur im Entferntesten mit seinem Vorgänger mithalten kann.

Doch bei Independence Day: Resurgence war es nicht nur die Ermüdung. Besser gesagt: Es hätte so gut werden können, schliesslich lag der Erste zwanzig Jahre zurück. Viele von denen, die ihn sich anschauen würden, hatten den ersten nicht als Kinofilm gesehen, erinnerten sich nicht mehr so genau oder ordneten ihn in die Kategorie «Klassiker» ein. Und es ist schon fast vielversprechend, wenn ein Filmemacher sich nicht an den Stars des ersten Films festklammert. Wer braucht schon Will Smith?

Auch die niedrigsten Erwartungen enttäuscht

Gleichzeitig waren die Erwartungen nicht allzu hoch, weil nicht schon seit der Premiere des ersten Films von der Fortsetzung gesprochen wurde. Roland Emmerich wollte angeblich gar keinen zweiten Independence Day drehen; womit die Ankündigung von Resurgence vielleicht noch vor der Ermüdung eine angenehme Überraschung war.

Dass der Film trotzdem kein Hit ist, merkt man denn auch eigentlich erst, wenn man das Kino verlässt. Denn als Film allein ist Independence Day: Resurgence unbestreitbar solide. Er profitiert von der Zeit, die seit dem ersten Film vergangen ist, denn in 3D lässt sich jede Weltraumschlacht und jedes zusammenfallende Hochhaus gut darstellen. Auch langweilig wird es nie: Die beeindruckenden Bilder, die verschiedenen Charaktere, und die Tatsache, dass es nun mal um Aliens geht (sogar um dieselben miesen Viecher, die man schon im ersten Film hassen lernte), machen die anderthalb Stunden nicht aushaltbar, sondern unterhaltsam.

Doch spätestens, wenn man darüber nachdenkt, fällt einem auf, was eigentlich alles fehlt. Da ist etwa die Tatsache, dass ausser Jasmin (Vivica A. Fox) und dem Präsidenten aus dem ersten Film (Bill Pullman) niemand stirbt, den man wirklich kennen gelernt hat. Erstere kommt im jetzigen Film aber nur am Rande vor, und der Präsident ist inzwischen wenigstens ein alter Mann (und vollstreckt den Entscheidungsschlag, eine gelungene Hommage an den ersten Film, in dem Randy Quaid als alkoholkranker Verrückter die Menschheit rettet).

Darüber könnte man aber noch hinwegsehen. Was wirklich stört, wenn man Independence Day mochte, und dieser Fortsetzung – wenn auch widerwillig – trotz allem eine Chance geben wollte, ist die fehlende Liebe zum Detail. Es fehlen die grandiosen Momente, wie als ein jeden Alusplitter rezyklierender David Levinson (Jeff Goldblum) auf dem Fahrrad nicht zur Arbeit, sondern buchstäblich ins Büro hinein fährt. Es fehlt die Vielschichtigkeit und Komplexität der Charaktere: Von einem jungen Paar, das träumt, obwohl alles gegen sie steht, bis hin zu der Vater-Sohn-Beziehung zwischen David Levinson und seinem Vater Julius (Judd Hirsch), die nie langweilig scheint, obwohl sie tatsächlich das Normalste der ganzen Geschichte ist.

Ungewolltes Neues für nicht geklärtes Altes

Stattdessen scheint es so, als seien die falschen Stränge eines Abenteuerfilms wieder aufgenommen worden, um einen zwar brutalen, aber in keinster Weise bedrückenden Alien-Thriller zu drehen, während das, was man in einer gelungenen Fortsetzung vertieft hätte, mangels Interesse oder Sorgfalt links liegen gelassen wurde. Die neuen Figuren sind charakterschwach und austauschbar, ausser Liam Hemsworth ist keinem auch nur ein einigermassen spannender Satz abzuringen, und auch ihm nur in der abgelutschten Schablone des hübschen Underdogs, der Hausarrest bekommt, weil er zu heldenhaft und selbstlos ist.

Dazu kommt, dass nichts von dem, was schon am ersten Film zu bemängeln war, ausgemerzt wird: Die Aliens, die im ersten Film etwa einen Satz von sich gaben, sagen dieses Mal zwei Sätze, wobei sie eigentlich auch nur dasselbe sagen wir im ersten Film. Dass man also noch immer fast gar nichts weiss über ihre Spezies, ihre Herkunft und ihre Zukunft ist ein etwas gar plumper Hinweis auf einen sehr wahrscheinlichen dritten Teil des Filmzyklus. Die fragwürdige Gleichsetzung des amerikanischen Staats mit der Weltbevölkerung sowie ihr äusserst irritierender Patriotismus und ihre grenzenlose Ignoranz allem Nicht-amerikanischen gegenüber hilft indes auch nicht, um den Film besser zu machen.

Alles in allem bleibt: Dieser Film ist eine Ettäuschung. Wenigstens schafft er eines: Er ruft in Erinnerung, wie gut doch eigentlich der erste war.

Urteil: Flop
Bestes Zitat: «Are we sure this thing is safe?» – «Highly unlikely!»
Beste Rolle: Patricia Whitmore (Maika Monroe)
Schwächste Rolle: President Lanford (Sela Ward)
Bester Darsteller: Brent Spiner als Dr. Brakish Okun
Schwächster Darsteller: Jessie T. Usher als Dylan Hiller

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