Die schwedischen Sleazerocker von Crashdïet, welche eigentlich am Donnerstag, 14. Juni 2012, einen Gig im Rock City in Uster geplant hatten, haben nun die ganze Clubtour abgesagt. Laut der offiziellen Website des Clubs Rock City wurden die Clubs selbst darüber gar nicht informiert.

Crashdïet, (zVg)

fb.Wenn Sleazerock-Bands auf Tour sind, muss man mit Verschiebungen, Verspätungen oder Absagen aller Art rechnen – jedenfalls in der Schweiz, wie es scheint. Als sie vor einem Jahr als Vorband von Hardcore Superstar im Zürcher Dynamo gastierten, blieb der genannte Hauptact wegen einer Buspanne irgendwo in Deutschland hängen – und so wurden Crashdïet zusammen mit den finnischen The 69 Eyes zum Hauptact.
Und dieses Mal haben also Crashdïet gleich die ganze Tour abgesagt. Dass Basser Peter London seit einiger Zeit mit Rückenproblemen zu kämpfen hat, und bereits eine Operation diesbezüglich über sich ergehen lassen musste, ist bekannt, ansonsten lässt sich nur über die Gründe der Absage spekulieren. Klar ist, dass Crashdïet die geplanten Festivals trotzdem spielen wird. Wer sie am Bang Your Head-Festival oder am Sweden Rock Festival also zum ersten Mal live sehen sollte, der kann sich nachfolgend schon einmal einen kleinen Eindruck der vier „Riot-Brüder“ machen.
Wer sie nicht kennt, stellt sich vielleicht die Fragen: „Was, noch so eine Band mit dem sogenannten Heavy-Metal-Umlaut im Namen, wieder eine Band mit x verschiedenen Stilbezeichnungen ihrer Musik; von Hair Metal über Sleaze Rock, schon wieder toupierte Haare, zerrissenene Mötley Crüe-Shirts und Cowboystiefel…das kann doch nur wieder so eine typische Band aus Los Angeles sein.“ Oder?

Die Antwort ist simpel: Absolut falsch! Denn Crashdïet sind aus Stockholm und schaffen es, nebst der Erfüllung aller möglichen Klischees von US-Amerikanischen Glam-Bands (oder wie man sie denn nun nennen möchte), erfrischend neuen Wind in diese Ecke zu wehen. Dies liegt vielleicht auch an ihrem jungen Alter: erst im Milleniumsjahr 2000 formierten sich die vier Schweden Dave Lepard, Martin Sweet, Peter London und Eric Young zu Crashdïet. Schnell und heftig, wie es der Wortteil „crash“ impliziert, ging es mit ihrer Karriere jedoch nicht sofort los, immerhin brauchten sie fünf Jahre, bis sie ihr erstes Album Rest in Sleaze bei Universal Records veröffentlichten – doch dieses verhalf ihnen Knall auf Fall auch ausserhalb Schwedens zu Bekanntheit und somit zur Möglichkeit, diese mit Festivalauftritten und Promo-Touren zu steigern.
Ihr Aufstieg wurde jedoch durch den tragischen Tod ihres Sängers Dave Lepard überschattet, welcher sich am 20. Januar 2006 mit nur 25 Jahren das Leben nahm. Der Grund: Depressionen.
Die Reaktion der verbleibenden Bandmitglieder, ohne Dave nicht als Band weiter zu machen, wurde jedoch bald von Fans und Familie umgestimmt und sie beschlossen, in Dave Lepards Namen, ihre Botschaft und ihre Musik weiterhin auf der Welt zu verbreiten. Bis 2010 fand daraufhin jährlich das Rest in Sleaze-Festival statt, welches in Gedenken an Lepard in Schweden organisiert wurde.
Lepards Ersatz, H. Olliver Twisted, blieb der Band mit nur einem Jahr nicht lange erhalten, im Oktober 2007 veröffentlichten sie jedoch gemeinsam das Album The unattractive Revolution. 2009 fand sich Simon Cruz, der als Sänger einstieg und bis heute festes Mitglied von Crashdïet ist.
Turbulenzen, Hochs und Tiefs aller Arten gehören also zur Bandgeschichte der jungen Schweden und haben sie und ihre Musik mit Sicherheit geprägt. Sie lassen sich jedoch nicht unterkriegen, wie sie auf ihrem 2010er-Album Generation Wild eindeutig beweisen. Für 2012 ist ein neuer Streich in Form eines Albums geplant und in Arbeit.

Fazit: Die Mischung machts – Der Glamrock-Nachwuchs von heute kann bei Crashdïet bedenkenlos das Bedauern, nicht schon in den 80er-Jahren gross geworden zu sein, beiseite schieben und den Glam Rock von heute feiern. Anleihen von musikalischen Urgesteinsbrocken gespielt und geröhrt von jungen, knackigen Schweden begeistert männliche und weibliche Fans der heutigen Generation Wild gleichermassen. Bleibt nur noch zu hoffen, dass sie die Schweiz doch bald beehren.

rock-city.ch
crashdiet.org