Cowbell ist ein abscheulicher Bandname. Dennoch solltest du ihn deiner Musiksammlung hinzufügen. Denn die Band legt mit ihrem dritten Album «Haunted Heart» eine Platte vor, die mit fuzzy R’n’B und souligem Garage-Rock besser ins Bein geht, als man von einem Londoner Duo zunächst erwarten würde.

Sie spielen zwar nicht die Art von Musik, die man in einem schummrigen, Bier getränkten Londoner Pub erwarten könnte. Aber genau in diesem Milieu bin ich vor fünf Jahren zufällig auf das Duo Cowbell gestossen. Im Handumdrehen hatten die beiden mit ihrem packend vorgetragenen, vom Blues und Garage gefärbten Rock’n’Roll die kleine Meute Zuschauer zum Tanzen gebracht. Mit Ohrwürmern wie Hanging By A Thread und Tallulah, von ihrem dazumal noch in der Mache stehenden Debütalbum Beat Stampede, konnten sie auch direkt bei mir einen sicheren Platz im Herzen erspielen.

Bereits an jenem verhängnisvollen Abend, als ich mit einem Freund wahllos durch die Strassen von London zog, Pub-Hopping deluxe betrieb und schliesslich in dem Schuppen mit dieser grandiosen Liveband hängen blieb, war ich mir sicher, dass Cowbell das nächste grosse Ding würden und ich sie unbedingt auf meine Watchlist setzten musste. Nun gut, die vom Alkohol geschürte Euphorie hat sich vielleicht etwas gelegt und der prophezeite Durchbruch der Band steht auch noch aus. Aber Cowbell basteln weiterhin an ihrer Karriere und ich bin ihnen als treue Anhängerin geblieben.

Musik aus einer anderen Zeit

Ende 2009 lernten sich Jack Sandham und Wednesday Lyle auf einer Party kennen. Sie merkten, dass sie den gleichen Musikgeschmack haben und nach einer gemeinsamen Jamsession riefen sie die Band Cowbell ins Leben. Auf das Debüt Beat Stampede (2012) und Skeleton Soul (2014) folgt nun ihr dritter Wurf Haunted Heart.

Wednesday Lyle & Jack Sandham. Bild: zvg

Gleich die ersten Akkorde auf dem gleichnamigen Opener greifen nach dem Hörer und nehmen ihn mit in die Klangwelt von Cowbell. Eine Welt voller fuzzy Gitarrenspiel und treibenden Rhythmen, serviert mit einer Badass-Attitüde, welche jedoch weder gestellt noch übertrieben wirkt.

Auf ihrem dritten Werk scheinen Cowbell noch mehr als zuvor ihre Inspiration in der Musik vergangener Tage gefunden zu haben. Besonders die sehr prominent vertretene, nach Vintage klingende Orgel, erinnert stark an Psych-Bands der 60er. Weshalb man bei dem düsteren Song Neon Blue unweigerlich Parallelen zum The Doors Klassiker Riders On The Storm finden wird.

Des Weiteren stechen besonders die beiden Balladen Something’s Gotta Give und das vom Piano getragene No Wrong zwischen den Up-Beat-Nummern hervor. Beide Songs scheinen wie aus dem Lehrbuch skizziert zu sein mit ihren Saxophon-Soli und dem Pathos in Jack Sandhams Stimme – Musik zu der unsere Grosseltern sich schon bei ihren Rendezvous hätten zaghaft dem Steh-Blues hingeben können.

More Cowbell!

Aufgenommen in den Soup Studios in Limehouse, London, wurde Haunted Heart von der Band selbst produziert. Und tatsächlich ist Haunted Heart das erste Album von Cowbell, auf dem es effektiv auch eine Cowbell zu hören gibt. Endlich gilt hier «Nomen est Omen» und so kommt das Instrument gleich bei Nothing But Trouble und dem verspielt funky What Am I Supposed To Do? zum Zug.

Man merkt, dass Cowbell sich wohl fühlen, in ihrem Genre und ihr Talent an einer Vielzahl von Facetten zum tragen kommt. Die gesamte Platte schwingt in einem coolen Groove und weiss hier und da den Hörer zu elektrisieren. Einzig dass einige Songs vielleicht etwas zu sehr nach Schema F fabriziert zu sein scheinen, wirft die Frage auf, ob da noch mehr möglich wäre. Wenn Cowbell das Konventionelle ablegen und über ihre Songs hinauswachsen würden.

Haunted Heart

4
/5
26. Mai 2017

Release

Damaged Goods

Label

Tracklist

  1. Haunted Heart
  2. None Of Your Business
  3. Downlow
  4. Doom Train
  5. Neon Blue
  6. Something's Gotta Give
  7. Nothing But Trouble
  8. What Am I Supposed To Do?
  9. New Kinda Love
  10. Stop Breaking Your Own Heart
  11. No Wrong