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Sie mögen vielleicht die coolsten TV-Casting-Coaches sein, doch selber dürfen The BossHoss gerne noch an sich arbeiten. Showmässig hatten die sieben Cowboys am Samstagabend mächtig was zu bieten, doch das half alles nichts, denn die Musik kam als dümpelnder Einheitsbrei daher. Ich hätte mehr Treffsicherheit von den Jungs erwartet.

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Konnten den Erwartungen nicht standhalten (Foto: Lorena Viciconte)

Der Einstieg in den Abend begann energiegeladen und fröhlich. Die akustische Ausnahmesituation, die Jägermeister Blaskapelle blies dem Publikum in der Eulachhalle wortwörtlich die Töne um die Ohren. Das junge vollmotivierte Team gab Hits wie 99 Luftballons, Emanuela, Gangnam Style oder Hey Ya mit Beats, Pauken und Trompeten zum Besten und lieferte eine äusserst dynamische Performance.
Als dann die zweite Vorband die Bühne betrat, kochte die Halle bereits wortwörtlich und die Hitze staute sich bis fast ins unerträgliche. Da es keine Garderobe gab, mussten die Zuschauer ihre Jacken und Pullover zu allem Übel auch noch bei sich tragen. Was die Sache definitiv zum überkochen brachte, war die Tatsache, dass die Bars total unorganisiert waren und es draussen bald keine Getränke mehr gab. Ein lautes Buh für die Organisation. Sowas darf echt nicht passieren!

The Graveltones, die zweite Vorband, bewies, dass es nicht immer ein riesen Orchester braucht, um ordentlichen Heavy Blues Rock’n Roll  zu spielen. Die zwei Musiker sind noch ganz frisch in der Musikbranche. 2011 gegründet, im August diesen Jahres nominiert als Best New Band bei den Classic Rock Awards und nun kommt ihr Debutalbum Don’t Wait Down raus, wir sind gespannt, was die beiden noch auf Lager haben.

Nach einer ewig langen Umbauphase fiel der Vorhang und die sieben Männer aus dem Wilden Westen (oder wohl doch eher Norden) standen auf der Bühne. Extreme Coolness war angesagt, gemixt mit einer guten Portion Power und Burns.  Die beiden Frontmänner Boss Burns und Hoss Power sind zwei Entertainer mit viel Charme und sexy Stimmen. Es verstrichen jedoch ein paar Songs bis die Post endlich auch bei den Zuschauern richtig abging und auch das war nur von kurzer Dauer. Man merkte, dass ein kommerzielles Publikum angetrabt war und vor allem die Hits interessierten. Was die Konzertstimmung immer wieder gut anheizte, waren die Interaktionen zwischen Band und Publikum. Die Ansagen wurden konsequent im Mississippi-Slang gebrabbelt. Etwas gar oft, gab es dadurch längere Pausen, in denen man kaum etwas verstand und in denen man dachte, nett, aber weiter im Text oder besser in der Musik. Auch die musikalischen Solis mit Mundharmonika oder Drums wurden teilweise echt in die Länge gezogen und strapazierten die überhitzen Nerven. Viele Zuschauer liefen darum und/oder wegen der Hitze schon sehr früh aus der Halle.

Musikalisch insgesamt verfehlten sie für meinen  Geschmack das Ziel. Es stach weder ein klarer Stil heraus und noch blieb ein Song hängen. Ungefähr, wie wenn man ganz viele schöne Wasserfarben zusammenmischt, um am Schluss festzustellen, dass ein undefinierbarer Braunton rausgekommen ist. The BossHoss haben einige treibende Songs, aber das Konzert als Ganzes brachte keinen Kaktus zum brennen.
Für The BossHoss war die Show in der Eulach Halle der Auftakt zu ihrer «Flames of Fame Tour». Für mich war die Show enttäuschend oder spöttisch gesagt: Die Band hat noch Potential. Aber immerhin, ich würde den Cowboys doch noch eine Chance geben und mich auf einem Jurorenstuhl für sie umdrehen.