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Casper besuchte mit seinem neuen Album «Lang lebe der Tod» die Samsung Hall. Der Rapper lieferte eine Show der absoluten Spitzenklasse ab.

Obwohl Casper gesundheitlich etwas angeschlagen war, nutzte der deutsch-amerikanische Rapper die Energie des Publikums und lieferte eine wirklich eindrückliche Show in der Samsung Halle ab. Er erzählte von seinem Ausflug auf den Uetliberg, den Festivals in der Schweiz und dass das wohl eines der grössten Konzerte in der Schweiz war, das er je spielen durfte. Auf der Playlist standen vor allem neue Songs, aber auch Klassiker wie Perfekt haben an diesem Abend nicht gefehlt.

Doch von Anfang an: Die Schlangen an den Eingängen waren wirklich beachtlich und die Kontrollen sehr streng. Ähnlich wie bei Events in einem Hallenstadion wurden nur kleine Handtaschen erlaubt, alles was darüber hinausging musste an der Garderobe, die flotte fünf Franken pro Kleidungsstück berechnete, abgegeben werden. Auch eine Massnahme um die Leute um zu erziehen, am besten keine Taschen mehr an Konzerte mit zu nehmen und die Winterjacke gegen einen Hallentauglichen Hoodie, am besten vom Merch-Stand des jeweiligen Künstlers zu tauschen.

Die Samsung Hall bietet eine grossartige Bühne für ein Konzert und Casper nutzte das in vollen Zügen aus. Er hüpfte über die ganze Bühnenfläche und liess sich auf einer Hebebühne in die Luft heben. Die Lichttechniker liessen Casper mal in sanften, wehmütigen blau erscheinen, bei eher ruhigeren Stücken, dann wieder in aggressivem Rot, bei schnelleren Stücken.

Die Strobolichter waren so hell, dass sie bis ganz hinten blendeten, hier wäre ein wenig weniger vermutlich mehr gewesen. Genau wie beim Sound, bei gewissen hohen Gitarrenklängen der E-Gitarre überschlug sich der Sound ein wenig, hier eine Spur leiser zu drehen hätte vieles gerettet. Alles in allem war die Show jedoch gut abgemischt und Caspers angeschlagene Stimme, die durch die Erkältung noch etwas extra rau wurde, riss das Publikum förmlich mit.

Es wurde geklatscht, mitgehüpft und vor allem mitgesungen, so laut und so gut, dass sich der Künstler mehrfach für die Textsicherheit und die Energie des Publikums bedankte. Was prompt mit einem Circle Pit beim nächsten Lied quittiert wurde. Das Publikum konnte an dem Abend wirklich nicht genug bekommen.

Bild: Stephanie Sonderegger

Das absolute Highlight an dem Abend war jedoch der Bühnenwechsel bei den Titeln Der Druck steigt und Blut sehen. Casper verschwand von der Hauptbühne und schlich sich, durch die Security geschützt, klammheimlich zu der kleinen Mittelbühne in Mitten des Konzertsaals, direkt beim Mischpult. Die Masse an Leuten drehten sich um und feierten diese Überraschung mit tosendem Beifall. Plötzlich so nahe an Casper dran, tauten auch die hinteren Reihen etwas mehr auf und hüpften und klatschten dem Sänger zu. Er performte noch ein paar weitere Songs, darunter Mittelfinger hoch, bis er wieder zurück auf die Hauptbühne wechselte.

Was Casper unter anderem zu einem sehr sympathischen Live-Act macht, ist dass er in seinen Texten, die teilweise sehr schnell gerappt sind, immer wieder kleine Anspielungen einbaut und zum Beispiel Schweizer Ortschaften mitrappt. Ein kleines, persönliches Mini-Highlight war auch das Intro-Gitarrenspiel zu Wo die Wilden Maden graben, wo sich der Gitarrist einfach mal kurzerhand entschlossen hat, das leicht abzuwandeln und daraus plötzlich das Intro von Enter Sandman von Metallica wurde. Ein blendendes Beispiel dafür, das Schubladendenken vollkommen überbewertet wird, denn die Menge feierte es und Casper genau so.

Das sich der Rapper trotzdem er ein wenig angeschlagen war, absolut nichts anmerken liess, zeugte von absoluter Professionalität. Es gab am Ende sogar nochmal eine Zugabe! Trotz des riesen Erfolgs, ist Casper sehr bodenständig geblieben, arbeitet live extrem gut mit seinem Publikum mit, schreibt nach wie vor seine sozial-kritischen Texte, verarbeitet gleichzeitig aber auch viel persönliches in seinen Songs und ist genau deshalb ein grossartiger Live-Act.