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Bush, Sophia und die Hits

Gavin Rossdale sorgte in den letzten Monaten vor allem mit seinem Liebesleben für Schlagzeilen. Dass er mit seiner Band Bush noch immer aktiv ist, geht dabei oft vergessen. Am Samstag zeigten Bush in Zürich, dass es sich allemal lohnt, die Rockband noch nicht komplett abzuschreiben.

Bild: Neil Krug/zvg

Anscheinend lief der Vorverkauf fürs Bush-Konzert nur schleppend, denn der Komplex 457 wurde mit einem geschlossenen Balkon und direkt hinter dem Mischpult hochgezogenen Wänden auf eine geringe Besucherzahl eingestellt. Das frühzeitig erschienene Publikum zerstreute sich so immerhin nicht all zu sehr und als die englische Band RavenEye überpünktlich die Bühne betrat, standen die wartenden Fans bereits Dicht an Dicht.

Mit einer energetischen Show feuerte das Power-Rock-Trio aus Milton Keynes munter los und bewies beste Unterhaltungsqualitäten. Kreischende Gitarrensoli, Sprünge von der Bass-Drum, lässige Rocker-Posen und das Publikum mit einfachen Mitgröl-Spielchen animieren – diese Band hatte die Grundausbildung der School of Rock sicher mit Bravur absolviert. Es erstaunte nicht, dass am Ende ihres rund 40-minütigen Auftritts die Zuschauer RavenEye unter tosendem Applaus verabschiedeten.

Hits vor Neuem

Beste Bedingungen also für Bush hier alles klar zu machen. Und so war es dann auch. Mit Everything Zen als Opener schmetterten sie dem Publikum die volle Dröhnung 90er-Grunge entgegen, welche wiederum vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

Von Beginn weg wurde jede Zeile mitgesungen und wer nicht gerade sein Handy in die Höhe streckte, der sprang ausgelassen umher. Mit letzterem hätte ich nicht mal unbedingt gerechnet, war doch der Altersdurchschnitt des Publikums relativ hoch. Eine neue Generation von Fans aufs Konzert zu locken, schien für Bush nicht eben einfach. Die Relevanz der Band verblasste in den letzen Jahren, nennenswerte Charterfolge blieben aus.

Bush selber steuerten dieser Problematik am Konzertabend gegen, indem sie lediglich ein einziges Lied vom aktuellen Album Black And White Rainbows in die Setlist mischte. Stattdessen wurde hauptsächlich Material aus der ersten Bandphase gespielt. Besonders die Hits vom Debütalbum Sixteen Stone waren reich vertreten und wurden vom Publikum ausgiebig mitgefeiert.

Das grosse Highlight bildete die hymnische Ballade Glycerine, vorgetragen alleine von Gavin Rossdale mit gesanglicher Unterstützung von jedem einzelnen Fan im Saal. Gänsehaut-Stimmung bei gefühlten 50 Grad Raumtemperatur.

«The future ex-wive» im Schlepptau

Oder vielleicht kam es mir nur so heiss vor, weil man Rossdale live beim Dahinschmelzen auf der Bühne beobachten konnte. Nicht etwa weil er sich so dermassen verausgabte und auch nicht weil er gerührt wirkte, als er mit der ersten Reihe auf Tuchfühlung ging beim REM-Cover The One I Love.

Nope, der Grund war die Frau auf dem Balkon, die ihm Herzchen in die Augen trieb, Sophia Thomalla. Seit er sie während des Zugabenblocks erspäht hatte, wanderte sein Blick alle 30 Sekunden hoch. Voll cheesy und irgendwie auch cringy, dieses Promipärchen.

Wie dem auch sei. Die musikalische Darbietung Bushs überzeugte und die Songauswahl liess Fanherzen schneller schlagen. Die Frage ist nur, ob die Band sich damit einen Gefallen tut, der goldenen Zeit zu frönen und gleichzeitig die Gegenwart unter den Teppich zu kehren.