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Ein britischer Abend im Komplex 457. Nach fünfjähriger Pause fanden sich die Glamrocker von The Darkness vor zwei Jahren wieder zusammen und besuchten am 10. März den Zürcher Komplex 457. Unterstützt wurden sie dabei von Ginger Wildheart.

 

Ginger Wildheart (Sacha Saxer)

Ginger Wildheart (Sacha Saxer)

 

sax. Wo am Abend zuvor noch eine wilde Ska-Party stieg, fanden sich am Sonntag Freunde des Glam-Rock ein, denn The Darkness machten im Rahmen ihrer Hot Cakes-Tour Halt in Zürich. Nachdem sich die Briten 2006 nach dem zweiten Album getrennt und sich an diversen, nicht sehr erfolgreichen Solo- und Nebenprojekten versucht hatten, fanden sie 2011 wieder zusammen und wandelten die wiederentdeckte Chemie in ihr drittes Album Hot Cakes, welches im August 2012 veröffentlicht wurde, um. Dass sie gleich nach ihrer Reunion von Lady Gaga als Supportact für die Europa- und Afrikatournee verpflichtet wurden, ist Zeugnis davon, wie gross der Einfluss von The Darkness auf die Musiklandschaft war. Am Sonntag konnte man sich im Komplex 457 davon überzeugen, dass die Band ihre Pause positiv genutzt hatten.

Doch bevor das Quartett die Bühne stürmte, waren erst Mal Ginger Wildheart am Zug. Das Sextett um Frontmann David Wells, so Gingers bürgerlicher Name, wusste mit seiner Mischung aus Hard Rock und Melodic Pop zu überzeugen. Ginger suchte immer wieder die Nähe zum Publikum, machte Scherze im typisch britischem Humor und hatte sichtlich Spass. Und den hatte auch das Publikum, vor allem auch die Kollegen jener Besucherin, die ein Plektrum – wahrscheinlich unfreiwillig – mit ihrem Dekolleté aufgefangen hatte, was Ginger trocken kommentierte: «Wenn ich das gewollt hätte, hätte ich wohl nie getroffen.»
Der lockere Sound und das sympathische Auftreten der Band sorgte umgehend für eine gute Stimmung im Saal. Einige Besucher kannten The Wildhearts wohl schon vor dem Konzert, denn anders waren die Seifenblasen, die aus der zweiten Reihe auf die Bühne gepustet wurden und von der Band postwendend mit «Bubbles, bubbles, bubbles» kommentiert wurde, nicht zu erklären.

An dieser Stelle muss auch der Technik-Crew gedankt werden. neben guter Ausleuchtung – mit relativ viel Frontlicht, was nicht nur die Fotografen erfreute, denn schliesslich sieht sich jeder gerne gute Fotos von einem schönen Konzert an, auf denen man mehr als nur Silhouetten erkennen kann– war auch der Ton gut abgemischt, was sich nicht zuletzt in der Wucht des fünfköpfigen (!) Gesangs der Briten manifestierte.

Doch auch wenn Ginger Wildheart den Besuchern viel Freude bescherten, und sicher einige neue Fans dazugewinnen konnten, so war das Publikum primär für vier durchgeknallte Jungs aus Suffolk in den Komplex gepilgert. Mit neuem Album im Gepäck und viel Elan rockten Justin und Dan Hawkins, Ed Graham und Frankie Poullain los und boten Glam Rock vom Feinsten. Über die Outfits des Quartetts verliert man besser nicht zu viele Worte – dafür sind die Fotos da. Es reicht zu sagen, dass diverse Männer froh waren, dass die Träger des bis zum Schritt geschlitzten Overalls von Justin bei seinen akrobatischen Einlagen nicht verrutschten.

Überhaupt war der Auftritt der Engländer geprägt von viel Posing, sattem Sound und guter Laune. Luftsprünge machten dabei nicht nur die Musiker auf der Bühne, auch das Publikum feierte kräftig mit – hüpfen, klatschen und aus voller Kehle die ganzen Hits mitsingen, alles war vorhanden. Und das beim sonst so trägen Zürcher Publikum. Dieses Wochenende hat es wirklich gezeigt, dass es auch Party machen kann.

Ein gelungener Wochenendausklang, wie man ihn sich wünscht. Gute Musik, gute Stimmung… was will man mehr?

 

Fotos: Sacha Saxer