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Nach dem äusserst erfolgreichen Album «Santa Muerte» und dem darauffolgenden Live-Album «Santa Muerte Live Tapes» stellen Broilers mit «Noir» eine neue Seite ihres Schaffens vor. Von den Fans wurde die Scheibe kontrovers aufgenommen, doch was steckt wirklich dahinter?

Broilers – Noir (zVg)

Broilers – Noir (zVg)

sax. Wenn ein Album einer aus dem Oi-Punk stammenden Band von den einschlägigen Fans als «Pop» bezeichnet wird, tritt man schon mal mit einer anderen Sichtweise an das Werk heran. Haben die Broilers einen Grafen hingelegt? Wollen sie jetzt die Schwiegermütter für sich gewinnen? Oder haben sie sich einfach weiterentwickelt und die alten Fans haben das verpasst?

Gleich mal zur Beruhigung: Die 16 Tracks von Noir sind durch und durch Broilers. Was man dem Album nicht absprechen kann, ist eine gewisse Ruhe. Die Songs wirken reflektierter, haben mehr Tiefgang. Ein Album einer Band, die nach Jahren auch mal gefunden hat, sie dürfe langsam erwachsen werden, und das, ohne ihre Wurzeln zu vernachlässigen. So präsentieren die Düsseldorfer 16 Songs über Vergänglichkeit, Vergänglichkeit des Lebens, der Werte, der Freundschaft. Es sind aber auch gleichzeitig  Lieber über das Erwachsen werden, der Reflektion über das eigene Leben. So vermisst man (oder eben auch nicht, je nachdem, wie man an das Album herangeht) die Punk-Brecher, die all die Missstände anprangern, die man vermeint, wahrzunehmen oder die ganzen Sauflieder, wie man sie sonst erwarten würde.
Dass Noir von Hardcore-Fans als «Pop» verschrieen wird, ist nur bedingt nachvollziehbar, sind doch gerade die Lyrics der zentrale Punkt aller Songs dieses Albums. Ein Umstand, den man bei Pop-Musik eigentlich eher vergeblich sucht, denn dort dreht sich alles darum, die Leute schnellstmöglich auf die Tanzfläche zu bringen – Inhalt spielt dort keine Rolle. Das pure Gegenteil ist der Fall bei Noir. Die Lieder sind teilweise extrem tiefgründig und sprechen vor allem Hörer im Bereich von 30+ an. Es scheint, als ob die Broilers ihre alten Fans direkt ansprechen und ihnen auch gleichzeitig zeigen wollten, dass sie keine 20 mehr sind. Aber trotzdem braucht man keine Angst zu haben, dass ein Broilers-Konzert zu einer Gammelfleischparty verkommen wird.

Meiner Meinung nach eines der stärksten Broilers Alben, Weiterentwicklung ohne die Herkunft zu verleugnen, tiefgründige Texte zu treibenden Melodien. Persönlicher Anspieltipp: Die Letzten (an der Bar).

Release:
7. Februar 2014

Label:
People Like You Records

Tracklist:
01 – Ist da jemand?
02 – Zurück in schwarz
03 – Wo es hingeht
04 – Nur nach vorne gehen
05 – Ich hol’ dich da raus
06 – Die Hoffnung stirbt nie
07 – Wo bist du (du fehlst)?
08 – Ich brenn’
09 – Nanana (ich krieg’ das hin)
10 – Ich will hier nicht sein
11 – Die Letzten (an der Bar)
12 – Grau, grau, grau
13 – Der Rest und ich
14 – Irgendwo dazwischen
15 – Das da oben (nur in dir)
16 – Gutes Leben