Bespielt wurden natürlich keine Monopoly- sondern Gitarrenbretter am Donnerstagabend, dem 21. Juni. Lockenkopf und Gitarrengott Slash verlor jedoch die Partie gegen die kultigen Glamrocker von Mötley Crüe, welche mit überragender Show den Rock n’ Roll leibhaftig zelebrierten.

Slash als Support für Mötley Crüe (Lorena Viciconte)

Slash als Support für Mötley Crüe (Lorena Viciconte)

 

fb.Dem meteorologisch längsten Tag des Jahres war seine Bezeichnung sichtlich egal. Dass ein paar hundert Leute vor der Basler St. Jakobshalle an der Kasse anstanden, um noch ein Ticket zu ergattern, ebenfalls. Die dunklen Wolken, die gussartigen Regenschwälle und die unbeeilte Abfertigung an der Kasse machten das Anstehen alles andere als angenehm.
Die angekündigte Eröffnungsband des Abends, die amerikanischen Black Veil Brides, hatten wegen eines familiären Todesfalles kurzfristig abgesagt. Vor der halbvollen Halle standen jedoch trotzdem bereits eine Band auf der Bühne – aus der ganz klar ein charakteristischer Zylinder auf Lockenmähne hervorstach. So hatten Slash und seine Liveband Myles Kennedy and the Conspirators an diesem Abend die anspruchsvolle Aufgabe, die Menge angemessen aufzuwärmen. Wie sich herausstellte, war dies ein etwas schwieriges Unterfangen. Wie es bei Support Acts oft der Fall ist, war der Sound schlecht abgemischt und Slashs Monstersolos gingen in Bass und Schlagzeug unter. Vom Publikum gab es kaum überschäumenden Enthusiasmus über die ersten Reihen hinaus zu spüren. Die Songs des neuen Albums Apocalyptic Love funktionieren zwar nach bewährter Hardrock-Manier, dudelten aber eher vor sich hin. Standardmässig wurde die Stimmung durch alte Guns N’ Roses-Stücke aufzulockern versucht.

Einen Riesenspass beim Spielen ihrer Hits und mit dem Publikum bewies der Hauptact “from a small town called Hollywood”: Mötley Crüe sind lebende Kultfiguren und machen ihrem mitgeprägten, rotzigen Glam-Sleaze-Rock auch noch nach 30 Jahren alle Ehre. Vince Neil war weniger gesprächig als auch schon, strahlte jedoch das ganze Konzert über, freute sich an ihren beiden sexy Tänzerinnen und natürlich am Publikum. Dieses, ob alt oder jung, feierte zu seinen Lieblingssongs wie Too fast for love, Shout at the Devil oder Girls, Girls, Girls ordentlich ab und war kaum zu bremsen. Bassist Nikki Sixx holte tatsächlich ein paar der Girls auf die Bühne – that’s Rock n’ Roll! Keine Überraschung, doch trotzdem ein spektakuläres Highlight, bot das Drumsolo von Tommy Lee auf seinem Riesenrad – begleitet von psychedelischem Soundtrack und fantastischer Lichtshow trommelte er kopfüberhängend auf sein Schlagzeug ein als gäbe es kein Morgen. Gitarrist Mick Mars machte als einziger keine Faxen sondern schien voll und ganz auf sein Gitarrenspiel fokussiert. Nikki Sixx schien ausserdem mit sich selbst zu wetteifern: Coolness und Grimassenschneiden wechselten sich ab, die kreischende erste Reihe quittierte er des Öfteren mit energischen Wasserfontänen aus Flaschen und Mund. Richtig nass wurde es für die vordere Fraktion am Ende des Konzertes: Den Gedanken, wo die kuriosen Eimer plötzlich herkamen, kaum fertig gedacht, spritzte es auch schon in alle Richtungen und die ersten Reihen wurden mit “Blut” aus besagten Eimern begossen. Da überlegt frau sich das nächste Mal, das weisse Shirt nicht doch besser im Schrank zu lassen.

 

Fotos: Lorena Viciconte

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