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Das Programm für das diesjährige Blue Balls Festival in Luzern ist angerichtet: Über mehr als eine Woche hinweg verzaubert das schweizerdeutsche Gegenstück zum Montreux Jazz Festival sein Publikum mit einzigartigen Konzerten im und vor dem KKL sowie rund um das idyllische Seebecken.

Musikerfüllte Ferien am Vierwaldstättersee – dies würde sich mancher Konzertgänger wünschen, wenn er das gesamte Programm des Blue Balls 2016 erblickt. Wieder einmal hat es das traditionelle Festival in Luzern geschafft einen bunten Strauss von Künstlern jeglicher Herkunft und jeglicher Stile zusammenzupflücken und das gesamte Bouquet in gut eine Woche zu packen.

Nebst den ticketpflichtigen Konzerten im einzigartig konzipierten Kultur- und Kongresszentrum Luzern, dem KKL, bietet das abwechslungsreiche Line-up eine Handvoll Gratis-Bühnen, auf denen ebenfalls täglich Musik vom Feinsten geboten wird. Egal ob sitzend im grossen Saal des KKL, tanzend im Luzerner Saal oder mitfiebernd auf den Aussenbühnen wie dem Pavillon oder vor dem Schweizerhof, das Blue Balls hat für jeden Geschmack etwas zu bieten und lädt zum Verweilen und Staunen ein.

Wir haben für euch ein paar Highlights des gesamten Festivals ausgesucht und stellen euch diese etwas genauer vor:

Shura – 22. Juli, Luzerner Saal
Shura (Foto: zvg)

Shura (Foto: zvg)

Wie jedes Jahr präsentiert das Festival sein sogenanntes «Blue Balls Face», besser gesagt das Aushängeschild der jeweiligen Ausgabe und meist ein Hoffnungsträger der aktuellen Musikszene.

Nach James Bay im Jahr 2015 gebührt diese Ehre der ebenfalls aus England stammenden Electropop-Musikerin Shura. Die aus Manchester stammenden Sängerin, Songwriterin und Produzentin mit dem bunten Haar sowie dem entzückenden Lachen ist für viele nicht nur ein musikalisches Zugpferd, sondern dank ihrer offenen Homosexualität auch ein Sprachrohr für gleichgeschlechtliche Paare. Auch ihr Sound passt zu ihrem bunten Auftreten und dem einladenden Charme: Mit dem 2014 veröffentlichten Track Touch, zudem sich auch gleich das Musikvideo selber arrangierte, löste sie eine Welle der Begeisterung in Musikblogs rund um die Welt aus.

Die 24-jährige Alexandra Lilah Delton, wie Shura abseits der Bühne heisst, bringt mit ihrem Mix aus Synthpop, Electronica und Beats zwischen Indie- und New Wave-Rhythmen die Leichtigkeit und das Feuer zurück auf die Tanzflächen – oder eben live mit Band auf die Konzertbühne. Am 8. Juli erscheint ihr sehnlichst erwartetes Debütalbum Nothing’s Real und die bereits veröffentlichten Stücke wie Indecision oder What’s It Gonna Be? lassen auf ein feierliche-nachdenkliches Electropop-Feuerwerk hoffen. Spätestens danach gibt es an Shura kein Vorbeikommen mehr, so auch nicht an ihrem ersten Schweizer Konzert überhaupt am Eröffnungsabend des Festivals.

Ibeyi – 22. Juli, KKL Konzertsaal

IBEYI_FLAVIEN PRIOREAU LES INROCKS

Einfühlsamer sowie sanfter Downtempo-Soul, der sich anfühlt wie die warme Umarmung einer liebenden Mutter: Die beiden Schwestern Lisa-Kaindé und Naomi Diaz, genauer gesagt das klingend-schöne Zwillingspaar Diaz, lassen in ihren Liedern ihre Herzen und die Wurzeln ihrer Herkunft sprechen. Ibeyi steht für «Zwillinge» in der Sprache Yoruba, entsprungen dem Nigerianischen und verfrachtet nach Kuba, wo die beiden herstammen. Das Duo verbindet nicht nur diese traditionelle Sprache mit der Musik die sie machen, Kuba war und ist für Lisa-Kaindé und Naomi auch Spielplatz sowie Familie – wie natürlich auch Quelle ihres Stiles zwischen R’n’B, Soul und experimentellen Perkussions-Elementen der Afro-Cuban-Szene.

Ihr Vater Anga Diaz, ein angesehener Perkussionist und verflossenes Mitglied des Buena Vista Social Club, legte seinen Töchtern die Heissblütigkeit und den Umgang sowie die Liebe zu Rhythmen und Klängen jeglicher Art in die Wiege. Die in Paris geborenen Zwillinge trugen auch nach seinem Tod 2006 das musikalische Erbe in der Familie weiter und starteten ihre Karriere als Ibeyi 2013. Ein Jahr darauf erschien ihre EP Oya mit dem bezirzend eingängigen Stück River, das wortwörtlich wie ein Fluss die Blogosphäre überströmte. Mit dem im Juli 2015 gefolgten und sehnlichst erwarteten selbstbetitelten Debütalbum war das globale Feuer um Ibeyi entfacht. Stücke wie Mama Says gehen textlich wie auch klanglich dank ihrer Authentizität durch Mark und Bein. Die Songs strotzen vor lauter ergreifenden Harmonien der beiden Schwestern und verbinden Roots mal mit gemächlichem Soul, mal mit modernen Electronic-Elementen.

Sóley – 24. Juli, KKL Konzertsaal

soley-promo3_by Ingibjörg Birgisdóttir

Sóley Stefánsdóttir ist der vollständige Name dieser magischen Musikerin aus Island, die als Sóley ihrem Heimatland den richtigen Klang auflegt und mit einer süsslich-sanften Stimme ihre emotionalen, ja auch düsteren Worte ins Mikrofon haucht. Bekannt geworden durch das Duo Seabear, mit dem ebenso namhaften isländischen Musiker Sin Fang, veröffentlichte die Multiinstrumentalistin 2010 mit Theater Island ihre erste Solo-Platte und verzückte schon damals mit vor sich hin gleitenden Klängen zwischen Indie Folk und Dream Pop.

Doch die heute 29-Jährige konstruierte schon immer Klänge, die sich nicht einfach einfangen liessen. Von träumerisch schönen bis dunklen surrealistischen Tönen kreiert die aus Hafnarfjörður Künstlerin Stücke die genauso verzaubernd wie auch verstörend sein können. Doch egal wie wohlfühlend oder düster der Klang sein mag, Sóley vermag einem mit ihrer leichten und auch humorvollen Art für sich zu gewinnen und zu verzaubern. Solch eine geladene Stimme, zwischen Zerbrechlichkeit und Vulkanausbruch, wird im grossen Konzertsaal schnell ihr zu Hause finden.

Ala.ni – 26. Juli, KKL Konzertsaal

IMG_2161 colour ALA.NI (c) IRA ROKKA

Eine Diva der Herzen: Ala.ni ist eine Frau der grossen Klasse, mit einer grossen Stimme und einer ebenso grossen Persönlichkeit. Ihre Grazie auf der Bühne, ihr Sexappeal in ihrer Stimme und ihre Theatralik seitens ihrer Gestik holen den Hörer ab und verführen ihn nicht nur beim Hinhören, sondern auch beim Hinsehen. Die aus London stammenden Singer-Songwriterin und ehemalige Background Sängerin von Künstlern wie Mary J Blige, Damon Albarn oder Andrea Bocelli gleitet durch die Gehörgänge wie innige Küsse bei einem Sonnenuntergang an einem heissen Sommertag. Sould meets Jazz meets Herzschmerz. Alles verbunden mit Ala.nis Stimme, mit der Zärtlichkeit von Seide und der Leichtigkeit einer davongleitenden Feder.

Bei der Sängerin, die das Glamouröse der Oper und das Mitreissendes des Jazz aufeinander treffen lässt, wähnt sich der Zuhörer mal im verführerischen Varieté, mal in der verrauchten Musik-Kneipe der vergangenen Dekade, mal mitwippend mit Whiskey-Glas vor dem Plattenspieler stehend. Ihr im Januar dieses Jahres erschienene Debüt You & I zeigt schon im Albumtitel die Intimität, welche die Virtuosin mit ihrer Stimme einer Grande Dame zwischen dem Zuschauer und sich herstellt. Untermalt von Piano, Trommeln, Kontrabass und Backing Vocals tänzelt Ala.ni gekonnt mit ihrer Stimme daher – und lässt mit ihrer Wärme und Ausstrahlung niemanden unberührt.

Sohn – 27. Juli, Luzerner Saal

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Hinter Sohn steckt kein verschollenes Familienmitglied oder ein Musiker auf der Suche nach seinen Wurzeln, Sohn ist der Inbegriff Electronic-Singer-Songwriter-Kunst, die sich wie flüssiges Gold um den Zuhörer legt. Christopher Taylor ist der Mann hinter dem klingenden Namen, ein aus England stammender Klang-Virtuose, der auch schon anderen mit seinen Kompositionen und Ideen unter die Arme gegriffen hat. Der in Österreich lebende Ambient-Tüftler arbeitete als kreativer Pol bereits mit Künstlern Amerikas Darling Lana Del Rey, der soundmässig verwandten Musikerin Banks und dem Modern Soul-Wunder Kwabs zusammen. Mit Letzterem bestreitet er den Abend im Luzerner Saal.

Mit seinem 2014 veröffentlichten Album Tremors offenbarte Sohn ein wahres Manifest an mal düstereren Wave-Songs, mal vor sich dahingleitenden Electronica-Samples, stets vermengt und zu vollem Glanz gebracht mit Taylors feinfühligem Gesang zwischen Verletzlichkeit, flehender Seele und einem dunkel-triefenden Unterton. Sohn schafft es auch verkanteten und dumpfen Tracks wie Lessons mit seinem erhellenden Klang Leben einzuhauchen und offenbart mit Artifice Lieder mit mitreissenden Beats, die keineswegs mit den verstörend-schönen Lyrics in Konflikt stehen. Sohn’s Konzerte sind genauso rar wie Künstler mit solchem Talent sowie Charakter. Für wahre Geniesser gibt es deshalb keinen Weg vorbei an diesem Abend – und wer geniesst schon nicht gerne.