Es war ein regnerischer, trüber Abend am Freitag, dem 20. Juli, an dem Sum41 im Zürcher abart spielten. Der Ort, an dem auch ihr erstes Konzert in der Schweiz vor gut 11 Jahren stattfand. Und die Fetzen fliegen immer noch! Gerockt wurde, bis die Bude dampfte, und durch den riesigen Andrang schon fast auseinanderzufallen drohte.

Deryck Whitbey vom SUM 41 (Sacha Saxer)

Deryck Whitbey vom SUM 41 (Sacha Saxer)

fs. Bereits eine Stunde vor Konzertbeginn standen die Leute vor dem abart, und mit der vergehenden Zeit reichte die Schlange bereits schon fast um das ganze Gebäude. Bei den Anstehenden war alles vertreten: von denen, die erst nach der Gründung von Sum41 geboren wurden, bis hin zu solchen, die schon bei den ersten Konzerten dabei waren.

Erst einmal drinnen standen schon die ersten Fans am Merch-Stand und an der Bühne. Sogar zwei Jungs, die aus dem Wallis kamen, traf ich an. Fast vier Stunden Fahrt nahmen diese auf sich, um die Kanadier live zu sehen. Italienisch, französisch, deutsch – an Sprachen hörte man alles. Aus der ganzen Schweiz waren die Leute angereist. Da waren die Walliser sogar noch harmlos. Mit fast 20 Minuten Verspätung ging es dann mit der Vorband los. Atomic Shelters gaben von Anfang an Gas, kamen aber nicht über ein Vorbandniveau hinaus. Das Publikum war eher genervt, als sie nach dem dritten Song jeden als den Letzten betitelten, und es dann aber noch zehn davon gab. Ein Moshpit brach zwar aus, das war aber auch schon das Höchste der Gefühle. Die Pause danach wurde da nur noch unerträglicher für das Publikum. Es wurde ungeduldig.

Als dann um 22.06 Uhr Sum41 die Bühne betraten, geschah etwas, was ich davor noch nie erlebt hatte. Nicht nur, weil Deryck, der Sänger, mit seinem schelmischen Peter-Pan-Grinsen die Bühne betrat, und mit seinen rot gefärbten, wild abstehenden Haaren an Pumuckl erinnerte, sondern vor allem, weil er direkt den ganzen ausverkauften Saal für sich beanspruchte. Jeder sah ihn, jeder wollte zu ihm, und jeder, wäre mit ihm ins Nimmerland gefolgt. Da war es auch kein Wunder, dass die ersten sechs Reihen fast schon zu einer einzigen verschmolzen waren. Sprang einer, sprangen alle. So nah ineinander verkeilt waren diese Reihen. Eine Menge, wie eine einzelne Person. Schweiss und ungewollter Körperkontakt – unumgänglich. Viele waren einfach nur glücklich, verbreiteten Stimmung und sangen jeden Song mit. Andere waren da rücksichtsloser: So hätte ich ohne weiteren Einfluss das Bewusstsein verloren, weil mir ein Fan seinen Ellbogen in die Kehle rammte, um nach vorne zu gelangen. Das Mädchen neben mir verlor dabei nicht ganz freiwillig ihr Nasenpiercing.

Sieht man von der “Sold Out”-Atmosphäre ab, haben Sum41 aber eine geniale Show geliefert. Sänger Deryck weiss, wie er den Leuten einheizen kann, und die Setlist kam wirklich gut an. Eine grosse Auswahl an alten Hits wurden gespielt, darunter: Walking Disaster, Rhythms, Over My Head (Better Off Dead), The Hell Song. Aber natürlich auch Titel ihres 2011 erschienen Albums Screaming Bloody Murder, wie der Titeltrack, Skumfuk, Reason To Believe und so einige andere.
Und für die wirklichen “Old-School”-Fans wurde extra der Song gespielt, mit dem sie damals vor 11 Jahren ihr erstes Schweizer Konzert eröffneten: Makes No Difference. Allgemein zu sagen ist, dass die Musik von der Band verinnerlicht wurde. Sie wissen genau, wann was wie klingen muss. Eine unglaubliche Präsenz, ein absolut den Namen “Punkshow” verdienter Auftritt, und Musik liebende Freaks. Was will man mehr?

Fotos: Sacha Saxer
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