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Blade Runner 2049 – cinebombastisch!

Villneuve gelingt in seinem neusten Filmwerk «Bladerunner 2049» mit so wenig so viel: ein cinebombastisches Zukunftsgemälde mit optischem und ethischem Tiefgang.

Whoomende Doomstimmung surroundet den dunklen Kinoraum, als Blade Runner 2049 seine ersten tiefen Atemzüge über die Leinwand schickt.

Eine gewaltige Panoramazeichnung einer gealterten keuchenden Zukunft drückt die Zuschauer weiter in die Sessel und legt den Grundtonus für das Erleben der von Denis Villeneuve kreierten Antiutopie.

Dystopie. Bild: imdb.com

Es geht nicht um die Story

Nicht der ethisch angehauchte Inhalt ist der Main Teaser für Filmfans. Vielmehr geht es um die kinematographische Bildgewalt, die dem effekthungrigen Cineasten in Blade Runner 2049 dargeboten wird. So kann man auch getrost den Trailer ansehen – wieder und immer wieder – ohne vom Film schon zu viel erfahren zu haben.

Filmische Fussstapfen

Denis Villneuve hatte grossen Fussstapfen nachzueifern, hatte doch der Alien-Inszenator 1982 mit Blade Runner kultig vorgelegt. Schon in der 80er-Jahre-Version dominieren Top Shots und Panoramaeinstellungen das Filmspiel, um das Blade-Runner-Universum regelrecht ins Auge (und das dahinter liegende Hirn) des Betrachters einzuimpfen. Und genau da blieb es – irgendwo im Hinterhirn abgespeichert.

Als dann 35 Jahre später die Sequel-Ankündigung wie ein U-Boot aus dem Medienmeer auftauchte, drängte sich eine dumpfe, vage aber tief verankerte Erwartung hervor. Und damit eine unterschwellige Furcht. Würde der filmische Nachzügler den Kino-Kult würdig weiterführen können? Aufatmen: Ja! Mehr noch!

Symbiotische Inszenierung

 

Joi. Bild: imdb.com

Der mit Arrival (2016) Sci-Fi-erfahrene Regisseur Villneuve hat auf das richtige Pferd gesetzt; bzw. auf den richtigen Runner. Einerseits zieht er mit gewaltigen kargen und doch emotionsvollen Dystopie-Landschaften gekonnt nach. Andererseits nimmt er die Stimmung, die Ryan Gosling aufgrund seiner vorgängigen Filme wie Drive (2011) oder La La Land (2016) anhaftet, gekonnt auf und webt die Inszenierung augenscheinlich um ihn herum, sodass eine stimmige Symbiose zwischen Protagonist und Bild entsteht. So wird der Schauspieler – gegenüber dem Vorläufermodell Ford – unersetzbar mit dem Film vernetzt.

Transparenz ist das neue Sexy!

Vernetzung! Eine weitere filmisch noch jungfräuliche Kreation gelingt Villneuve in der Darstellung der digitalen Freundin Joi (Ana de Armas) des Hauptakteurs Joe (Ryan Gosling). Eine transparente Figur ist im Hollywoodversum zwar nichts mehr Neues, aber die Loslösung dessen von einem Geisterkontext hin zu einem Cyberdiskurs kommt einer künstlerischen Innovation gleich, die in einer fantastischen Überlagerungssequenz zweier Charakteren gipfelt.

 

Ford: Mr. Spoiler himself!

Deckard & Joe. Bild: imdb.com

Im Vorfeld wurde ein grosser Hehl um die Story in Blade Runner 2049 gemacht. Es wurde allen Akteuren strikt untersagt, in Interviews auch nur ein winziges Detail über die Handlung der Runner-Fortsetzung preiszugeben.

Den grössten Spoiler allerdings hat die Produktion selbst gesetzt: Harrison Ford. Wie jeder brave Kinogänger hat man schliesslich die Plakate und den Cast genauestens studiert. So war schon von Beginn an klar, dass der sagenumwobene Senior-Runner Rick Deckard einen twistigen Auftritt haben würde – der allerdings bis nach der Pause auf sich warten liess. Dass durch diesen fleischgewordenen Hinweis die ganze Story durchschaubar wird, bracht der Handlung leider einen nicht zu verachtenden Zacken aus der sonst gut verarbeiteten Krone.

«D‘Gheimnischrämerei isch hinne use.»

Ansonsten wirft die angehauchte Zukunftsagonie (mehr oder minder plakativ) spannende Ethik-Fragen auf wie «Haben Klone Emotionen?» und «Sind Klone gleichwertige Menschen wie Originale?». Damit sichern sich die Storyteller eine längerfristige Kinoerinnerung in den Publikumsschädeln als bis zur nächsten Popcornbox.

Was kaum einer weiss…

Da ist noch mehr! Wer noch tiefer in den düsteren Blade-Runner-Kosmos eintauchen will, der kann – ohne nochmals mehr als drei Dekaden auf eine For(d)setzung warten zu müssen. Denis Villneuve war sich bewusst, dass er nicht alle Events zwischen 2019 und 2049 (Story-Time) in seiner Schöpfung lückenlos unterbringen kann – was der Handlung keinen Abbruch tat. Um aber Mehrwisser dennoch bedienen zu können, hat der Regisseur selbst einige Künstler gebeten, eben diese Key Event-Lücken in Form von Kurzfilmen zu überbrücken.

Also, ihr Cineasten da draussen, holt tief Luft, rennt ins Kino und taucht ein in Villneuves überw(e)ltigende Leindwanddystopie – Blade Runner 2049 wird euch den Atem rauben.