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Als Freiburger durfte man die geballte Ladung kanadischer Psychedelic Rock im Nouveau Monde auf keinen Fall verpassen: Black Mountain und Comet Control. Zum Glück war Negative White vor Ort.

Dienstagabend, es ist arschkalt. Musikjunkies stürmen die warme Stube, das Nouveau Monde droht ausverkauft zu sein. Kanadischer Psychedelic Rock steht auf dem Speiseplan und die Vorband Comet Control beginnt den Abend mit einer Prise Space Rock. Der Sänger bringt dazu eine Grunge-Attitüde rein, sodass die Perfomance eines unwilden Nirvana auf Space Rock ähnelt. Der kurze Auftritt der Newcomer Band macht Appetit auf den Hauptact.

Ein Konzertstart à la nom de bleu

Der Saal wird verdunkelt, die Nebelmaschine arbeitet auf Hochtouren, das Publikum lässt erste Freudenrufe ertönen. Es wird eng und heiss. Ein warmes Playback-Gitarrengeklimpere lässt die Spannung steigen.

Im Schein des violetten Lichts betreten fünf Silhouetten die Stage und begeben sich zu ihren Instrumenten. Der Synthie spielt die ersten Töne und kurz darauf springt Gitarrist Steve McBean mit dem catchy Gitarrenriff à la Black Sabbath mit ordentlich Verzerrung und Octaver ein. Erneut wird es ruhig, und was nun folgt, ist ein dreiminütiger Psychedelic Rock-Aufbau vom feinsten.

Die Stimme von Sängerin Amber Webber betört engelsgleich und gleichzeitig fleht und bettelt auch die Publikumsmasse an. Die Gesangspassagen mit McBean, welcher mit langen Zottelhaaren und Bart stark an Luke Skywalker erinnern lässt, harmonieren hervorragend. Ein Hammond-Orgelsound bringt ordentlich Hall, während der Bass dröhnend einen Teppich niederlegt. Der Synthie spielt noch einige kurze Melodien und mit dem Drumfill bricht eine Psychedelic Wand auf das Publikum nieder und taucht es in Rocktrümmern.

Amber Karren packt den Schellenkranz aus, Jefferson Airplane lässt grüssen. Black Mountain startete den Abend mit Mothers Of The Sun, dem Hit ihres neuesten Albums IV.

Söhne und Töchter vergangener Musik

Die Musik der Kanadier wird rauer, wilder und verträumter. Deutlich gröberer Sound als auf den Platten… und verdammt laut. Wirklich laut. Die Band jongliert zwischen Psychedelic Rock, Space und Stoner Rock. In der falschen Zeit geboren: Vor 30 Jahren wären sie wohl zu Legenden geworden. Oder zur richtigen Zeit geboren, um eben genau solch alte Rockideale wieder aufleben zu lassen.

Mit Florian Saucer Attack wird ein weiterer Knaller der neusten Scheibe geboten. Die Band kann aber auch ganz ruhig, dabei geben Schlagzeug und Bass einen tollen Groove, worauf Synthie, Gitarre und Gesang den zugehörigen Flash dazu zaubern. Die Songs lange, die Haare wehend und die Lichtshow trippig.

Die Band entsprang aus einer Künstlerkommune hinter den Black Mountains in Vancouver. Beinahe alle Mitglieder engagieren sich als Sozialarbeiter in örtlichen Drogenberatungsstellen. Nun lassen sie Bands wie Led Zeppelin oder Velvet Underground wiederauferstehen.

Der Alptraum einer jeder Band

Man kann von Glück sprechen, dass die Gruppe noch auftreten konnte, denn am 26. Oktober ereilte sie in Göteborg der Alptraum jeder Band: Ihr ganzes Equipment wurde gestohlen. Glücklicherweise konnte dank der Mithilfe der zahlreichen Fans für beinahe das gesamte Gear Ersatz gefunden werden, für das fehlende haben die Kanadier eine Crowdfunding-Aktion gestartet.

Der neue und vermutlich gewöhnungsbedürftige Synthie machte dem Mann an den Tasten Jeremy Schmidt bemerkbar zu schaffen, es wurde spontan an Soundeffekten gebastelt.

The Dark Side of the Nouveau Monde

Mit dem zweitletzten Song Space To Bakersfield geben sich die Musiker ganz dem Psychedelischen hin. Ruhige Pink Floyd-Vibes fahren ein, es wird improvisiert und experimentiert und die Discokugel wirft hunderte Lichtkegel ins Publikum. Eine viertelstündige Hommage an Waters und Gilmour. Musikalischer Balsam. Der Auftritt – ein Trip in die Vergangenheit. Mit Wucan beenden sie ihr anderthalbstündiges Konzert und die Zugabe. Oropax raus, die Ohren schmerzen trotzdem noch.