Bisschen Punk und viel Irland im Volkshaus

Die ganze Woche brütende Hitze, doch die Montage sind immer verregnet! Die Abkühlung tat ganz gut, denn Flogging Molly und auch deren Vorband Val Sinestra heizten dem Publikum ordentlich ein. Ausnahmsweise machte das Schweizer Publikum mal das, was es bei solchen Konzerten immer tun sollte und rastete komplett aus.

Wieso schaffen es Schweizer eigentlich nicht, sich so einzureihen, dass man noch genügend Platz lässt, für diejenigen, die vorbei wollen? Der Konzertbeginn verspätete sich diesmal nicht nur wegen dem unpünktlichen ZVV, sondern auch, weil sich vor dem Volkshaus ein paar Grüppchen so hinstellten, dass selbst mit Schulter antippen und vorbeischlängeln, kaum ein Durchkommen war. Etwas verschwitzt und angenervt schaffte ich es dann doch noch und belohnte mich selbst erst einmal mit einem Guinness. Was anderes sollte man kurz vor dem Auftritt der irischen Lieblinge sowieso nicht trinken.

Doch eines nach dem anderen. Also erst die Vorband Val Sinestra. Die Berliner Punker, spielten sowohl eigene als auch Coversongs. Ihre anfängliche Nervosität wechselte alsbald zu wilder Begeisterung. Harte Drums, punkige Gitarrentöne und Texte über Liebe, Freiheit und Gleichheit mit einem Anhauch von Fuck-the-System-Attitüde machten die Berliner Jungs sehr sympathisch. Sie waren sich so grosse Konzerthallen nicht gewohnt und machten das mehrmals am Abend auch deutlich, wie überwältigt sie eigentlich sind. Als ihr Bassist sich plötzlich entschied von der Bühne runter, sich in die Mitte eines Moshpits zu stellen oder der Lead-Sänger auf einmal stagedivend durch die Halle schwebte, kam das Gefühl eines kleinen Keller-Punk-Konzerts, einfach hochskaliert mit mehr Menschen, auf. Die Stimmung brodelte und im Saal wurde es immer wärmer und stickiger.

Bild: Nicola Tröhler

Auch die Security am Bühnenbereich kam ordentlich ins Schwitzen, denn der Sänger war bei weitem nicht der einzige, der sich an dem Abend durch die Menge tragen liess. Vorne wurden die Crowdsurfer von den löblichen Herren in Uniform sicher in Empfang genommen und wieder in die Menge entlassen. Weniger schweisstreibend war wohl der Job am Mischpult und an der Lichttechnik, da schien an dem Abend alles zu klappen, der Sound war gut, das Licht in Ordnung.

Nach gut 40 Minuten verabschiedete sich die Berliner Punk-Rock-Band Val Sinestra und bat um tosenden Applaus für den eigentlichen Hauptact: Flogging Molly. So hiess es Bühnenumbau; und für mich und viele andere Zeit für eine Bierpause, also nicht eine Pause vom Bier, sondern eine mit Bier, versteht sich. Neben dem Getränke- und Merchstand stand eine Station, bei der man die leeren Becher einwerfen konnte um so den Pfand, der sich darauf befand einer Organisation für Trinkwasser zu spenden. Coole Idee, wurde gemacht!

Pünktlich um Neun erklangen die ersten irischen Klänge, unverwechselbar, schnell zurück in die Menge und einen guten Platz erhaschen. Flogging Molly gab an dem Abend alles, von Drunken Lullabies über The worst day since yesterday bis zu neueren Hits wie Reptiles (we woke up), wurde alles gespielt, gute zwei Stunden Unterhaltung pur, gefüllt mit lustigen Anekdoten über die Schweiz und den früheren Auftritten von Flogging Molly in unserem schönen Land. Eines der persönlichen Highlights war die Performance von Laura – einem Lied, das Flogging Molly zuvor noch nie in der Schweiz live performten.

Doch nicht nur die Band vorausgabte sich: Das Publikum war an dem Montagabend wirklich gut drauf, so wurde ein Moshpit nach dem anderen organisiert, die komplette Halle steppte und hüpfte zu den irischen Klängen. Oder entschied sich spontan bei einem der Seemannslieder sich hinzusetzen und Ruderbewegungen nachzuahmen und zwar nicht nur eine kleine Gruppe, sondern die halbe Halle! Nach einiger Zeit wurde es in der Menge jedoch so stickig heiss, dass ich mich auf die Sitzplätze oben flüchtete und genüsslich mein drittes Guinness genoss.

Ja, Montage sind ätzend, doch mit so einer Performance von Val Sinestra und Flogging Molly, dazu einem genialen Publikum, was wirklich mitfeierte, und gutem Bier, liess es sich doch ganz gut aushalten.