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Wer schon einmal den Auftritt einer irischen Band live erleben durfte, weiss, dass das ein Event der Extraklasse ist; und zwar nicht nur in Sachen Musik.

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fbo. Die Kilkennys wirken eigentlich nicht wirklich wie waschechte Iren. Oder zumindest nicht wie die, die man im Kopf hat: sie sind extrem chic gekleidet und nehmen die Musik, die sie machen, ungeheuer ernst. Nichts lässt vermuten, dass sie vielleicht dem Volk angehören, das für seine Offenheit und Spontaneität bekannt ist, denn sie sind schlicht und einfach zu anständig. Sie singen zwar über Bier und unterhalten das Publikum mit Sexgeschichtchen aus dem Tour-Bus-Köfferchen, doch lassen sie es sich nicht nehmen, plötzlich alle zur Besinnung aufzurufen und schlicht und einfach die Augen zu schliessen, bis ein ganzer Club keinen Mucks mehr von sich gibt. Und am Ende des Abends ist – wieder einmal – klar, dass die schönsten Liebeslieder der Welt von der grünen Insel stammen:

We were halfway there when the rain came down | Of a day -I-ay-I-ay | And she asked me up to her flat downtown | Of a fine soft day -I-ay-I-ay | And I ask you, friend, what’s a fella to do | ‚Cause her hair was black and her eyes were blue | So I took her hand and I gave her a twirl | And I lost my heart to a Galway girl

Fässer voll Whiskey

Was aber unverwechselbar irisch bleibt, ist die Musik. Erst einmal hauen die vier Iren vom ersten bis zum letzten Ton ordentlich auf den Putz, der Takt ist fast zu schnell, um ihn mitzuklatschen (was niemanden daran hindert, es zu tun), die Melodien sind für die meisten Zuschauer einen Tick zu komplex, und der Text der Songs dreht sich eigentlich weitgehend um zwei Themen: Bier und Liebe.
Fast unschuldig starten die Kilkennys in den Abend. Sie treten bescheiden auf die Bühne, sagen ein paar Worte, legen los, machen ein wenig Stimmung, aber nicht zu viel. Dann überraschen sie mit dem ersten Irish Classic: Galway Girl hat die Eigenschaft, dass sogar Grabesstimmung augenblicklich gehoben wird. Es ist so ein klarer Aufruf an die Lebensfreude und den Genuss, dass man sich auf den kommenden Abend erst recht freut. Und zudem liegt es jedem schon irgendwie im Gehör, und bekanntlich trägt es wesentlich zu guter Laune bei, wenn zweihundert beschwipste Leute ein und denselben Text (oder zumindest den Chorus) mitgrölen. Doch das ist nur der Anfang der Tour durch die irischen Ohrwurm-Galerie: sowohl Wild Rover als auch Whiskey In The Jar, das gemeinhin als zweite irische Nationalhymne gehandelt wird, wurden von den Kilkennys performt.

Virtuosen mit Gesangstalent

Bald holt Sänger Davey Cashing auch schon seine Flöte aus der Tasche: was den Irish Folk auch ausmacht, ist die Vielfältigkeit der Instrumente. So ist die Zeit bis zum nächsten Höhepunkt wiederum mit guter Musik und lustigen Sprüchen gefüllt. Die Kilkennys spielen jeweils drei bis fünf weniger bekannte Lieder, die oft instrumental sind, was ihrer Schönheit keinen Dämpfer tut, worauf dann ein Ohrwurm folgt, bei dem das Publikum grundsätzlich den Chorus übernimmt. Von romantischen über herzzerreissende bis hin zu den guten alten Irish-Pub-Melodien bleibt nichts ungehört, und das ganze Gemisch ist gut aufs Auditorium und die Stimmung der Besucher des Moods Jazz Club abgestimmt. Auch die Stimmen der vier Musiker sind beeindruckend: obwohl sie weder aussergewöhnlich sind noch perfekt ausgebildet scheinen, ist jede einzelne von ihnen sehr präzise und stabil, und vor allem bei den Teilen, in denen sie alle zusammen treffen, merkt man, dass hier vier gute Musiker und erfahrene Bandmitglieder auf der Bühne stehen.

Dubliner Pub-Stimmung im Moods

Den Kilkennys gelingt es, die Stimmung, die in einem Dubliner Pub herrscht – und die jeder liebt, der sie schon einmal am eigenen Leib erfahren hat – nach Zürich zu transportieren; nicht zuletzt, weil die Irische Musik an sich schon viele Anhänger zählt in der Schweiz. Was nicht verwundert.
De facto kann der Abend im Moods als Vereinbarung musikalischer Präzision mit ungebändigt guter Laune beschrieben werden; mit Klassikern, neuen Stücken und viel, viel Bier.

I’ve been a wild rover for many a year | And I’ve spent all my money on whiskey and beer. | But now I’m returning with gold in great store | And I never will play the wild rover no more